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Aufatmen in Coswig

© Roland Halkasch

Der Brandstifter ist gefasst und war wohl schon vor acht Jahren in Neusörnewitz beim Zündeln, sagen Betroffene.

Von Ines Scholze-Luft und Peter Redlich

Coswig. Einen Namen nennt die Polizei nicht zum gefassten mutmaßlichen Brandstifter von Coswig. Aus ermittlungstaktischen Gründen, heißt das bei der Kripo. Die Männer in der vierköpfigen Ermittlungsgruppe der Kriminalaußenstelle in Meißen versuchen, dem offensichtlichen Zündler von Coswig noch mehr nachzuweisen. Möglicherweise ist der 23-Jährige über eine DNA-Spur gefasst worden. Aber auch das wollen die Ermittler nicht bestätigen.

Die Lagerhalle vom Landmaxx in Coswig ist niedergebrannt, hier mit Landmaxx-Geschäftsführer Stephan Namokel. © SZ-Archiv
In Brockwitz brannte der Dehner-Markt. © Roland Halkasch
Zuvor wurde das Sportlerheim der Sörnewitzer angesteckt. © Arvid Müller

Wozu sich die Polizei – aus verständlichen Gründen – zurückhält, darüber wird in Coswig offener gesprochen. Ein Sörnewitzer (Name der SZ bekannt) ist sich sicher, dass der Festgenommene bereits vor acht Jahren gezündelt hat, gemeinsam mit einem Kumpel. Als 15- und 16-Jährige sollen sie im Fabrikgelände der früheren Elektrowärme Sörnewitz Feuer gelegt haben.

Damals war das der bis dahin größte Brand in Coswig seit 25 Jahren. 130 Feuerwehrmänner mussten löschen. 450 000 Euro Schaden wurde bei dem Hallenbrand angerichtet. Das Gebäude war der Unterstand für Boote und wertvolle Oldtimer. Die Kripo-Männer sind vor acht Jahren in der Gegend „Klinkenputzen gegangen“, um den oder die Täter zu fassen, wie der damalige Polizeisprecher Wolfgang Kießling sagte. Schließlich waren die Jugendlichen geständig. Und bekamen eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten, die zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt worden war. Die Strafe ist inzwischen erlassen.

Offenbar aber kann zumindest einer der beiden das Feuerlegen nicht lassen. Für Andreas Schorbogen, Coswigs Wehrleiter, gibt es zweierlei Gedanken: „Zum einen großes Aufatmen, nachdem wir überprüft haben, dass es keiner von uns ist – auch kein Ehemaliger.“ Allerdings, so Schorbogen, geistert immer noch durch den Kopf, dass es ja einen zweiten Zündler geben könnte und sich beide überbieten wollen.

Mit einer Mischung aus Aufatmen und Sorge äußert sich Stephan Namokel. Der Geschäftsführer von Landmaxx, mit Sitz in Coswig, hofft, dass der Brandstifter auch für das Feuer an der Lagerhalle Auerstraße verantwortlich gemacht werden kann. Dann sei damit zu rechnen, dass Ruhe einkehrt, so Namokel. „Die letzten Wochen seit dem Dehner-Brand sind stressig gewesen, weil keiner wusste, wo jetzt das nächste Feuer gelegt wird. Wir haben einen Extra-Wachdienst engagiert – auch das kostet zusätzlich Geld“, sagte der Landmaxx-Chef.

Obwohl noch nicht zu 100 Prozent sicher sei, dass es sich tatsächlich um den Täter handelt, gibt es eine gewisse innerliche Ruhe, dass der mutmaßliche Brandstifter gefasst ist, sagt Sven Herrmann, Geschäftsführer des WHG Holzhandels in Coswig-Kötitz, wo am 15. Februar eine Lagerhalle samt Material brannte. Die Polizei habe einen Top-Job gemacht.

An der momentanen Situation im Unternehmen ändere das aber nichts, so der Geschäftsführer. Da müssten die Kräfte gebündelt werden, um alles wieder aufzubauen. Deshalb waren auch schon viele Sachverständige auf dem Gelände am Tännichtweg. Statiker beispielsweise, die beurteilen müssen, ob die Brandschutzwand der Halle erhalten werden kann oder nicht. Auf jeden Fall habe man jetzt von der Versicherung grünes Licht zum Aufbau des Interimszeltes erhalten. Sehr wichtig ist dem Holzhandelschef außerdem, dass alle, die ihm Unterstützung zugesagt haben, sich auch daran halten. Beispielsweise die Stadt Coswig, die möglichst vieles auf dem kleinen Dienstweg klären will. Sven Herrmann spricht von einer sehr konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Bauamt. „Das ist uns wichtiger als alles andere, auch wenn wir mit Wohlwollen die Information von der Festnahme gehört haben.“

Stefan Gramm, Geschäftsführer des Coswiger Lackherstellers Herlac – dort vernichtete das Feuer im Juli 2017 ein Lagergebäude – sagt, dass er die Festnahme natürlich positiv sieht, verbunden mit der Hoffnung, dass das Brandgeschehen nun ein Ende hat. Trotzdem bleibe die Befürchtung, dass es mit den Bränden weitergehen könnte. Nicht zuletzt deshalb hat die Lackfabrik sicherheitstechnisch aufgerüstet. Und ist auch vorangekommen mit den Plänen für eine neue Lagerhalle. Sie steht kurz vorm Bauantrag, soll 2018 fertig sein.