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„Aufbau Süd“ in der Forschungslandschaft

Hochschulen. Nicht alle sind glücklich mit der Auswahl der deutschen Elite-Universitäten.

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Von Karl-Heinz Reith

Die Konzentration der hoch dotierten „Preise“ im 1,9 Milliarden Euro teuren bundesweiten Wettstreit um den Titel Eliteuniversität auf Bayern und Baden-Württemberg wird noch heftigen politischen Streit nach sich ziehen.

Die Auswahl hat eine hochkarätige Wissenschaftsjury getroffen. Nicht nur der überraschende Erfolg der beiden Münchner Hochschulen sticht hervor, die sich mit Karlsruhe gegen sieben andere Mitbewerber durchsetzten. Ins Auge springt auch: Bayern und Baden-Württemberg räumten auch bei den anderen Förderlinien des Wettbewerbs ab und „gewannen“ acht von 18 ausgelobten Graduiertenkollegs und acht der 17 hoch dotierten Forschungsverbünde (Cluster), mit denen international anerkannte Spitzenforschungszentren aufgebaut werden sollen. Bei der Verteilung des weiteren Geldsegens landet das hochschulreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen im Mittelfeld. Mit Abstand folgen Hessen und Niedersachsen. Der Osten geht mit Ausnahme Sachsens leer aus, ebenso Hamburg und der Rest-Süden mit Rheinland-Pfalz und Saarland.

Nur wenige Unis sollten sich nach der Wettbewerbskonzeption als Leuchttürme der bundesdeutschen Forschungslandschaft herausschälen. Es sollte bewusst keine Förderung mit der Gießkanne sein. Doch klar ist auch: Nun wird sich das ohnehin vorhandene Nord-Süd- wie das Ost-West-Gefälle in der Forschungs- und Hochschullandschaft weiter verschärfen. Während die einen von einem deutschen Harvard träumen, fürchten andere die Zweiteilung der Hochschullandschaft: hier Forschungseliteunis, dort arme Massenhochschulen zur Ausbildung. Und mancher Kritiker spricht schon vom „Aufbau Süd“.

Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Forschungsgemeinschaft erhebt Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Er sagte am Freitagabend dem Online-Dienst „FAZ.NET“, das Entscheidungsverfahren sei kurz vor der Sitzung des Bewilligungsausschusses so verändert worden, dass die Wissenschaftsminister praktisch keinen Einfluss mehr auf den Ausgang gehabt hätten. „Wir konnten das nur noch abnicken.“ (dpa/ddp) S.4