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Aufbruch in die digitale Welt

Strehla braucht ein aktualisiertes B-182-Plakat und Riesa mehr Frühwarnsystem-Bauwerke. Ein moderner Rückblick.

© Schröter

Von Kevin Schwarzbach

Digitalisierung liegt im Trend, mit FDP und Grünen sind demnächst vielleicht gar zwei Parteien an der Bundesregierung beteiligt, die sich dem Thema im Wahlkampf verschrieben haben, womöglich sogar ein Ministerium dafür einrichten wollen. Wer noch zweifelt, ob das die richtige Stoßrichtung ist, dem sei ein prüfender Blick nach Strehla wärmstens empfohlen.

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Seit fünf Jahren hängt dort in der engen B-182-Spitzkurve zwischen Schloss und Rathaus ein Plakat an einer Hauswand. Das Banner warnt vorm „gefährlichen Schulweg“ und diagnostiziert eine „fehlende Ortsumfahrung“. Doch es adressiert einen Mann, dessen Namen mancher womöglich schon vergessen hat: Sven Morlok, Sachsens Ex-Wirtschafts- und Verkehrsminister. Ein klarer Fall von mangelnder Aktualität monieren Kritiker. Können Sie doch verstehen, oder? Wie kann es sein, dass auf einem Plakat, das vor fünf Jahren angebracht wurde, noch immer der Name des Mannes steht, der vor fünf Jahren Minister war? Plakate aktualisieren sich doch in der Regel selbst. Und die Ortsumgehung ist doch auch längst gebaut.

Ach, ist sie nicht? Die Forderung auf dem Plakat ist also noch immer relevant? Dann hat die digitalisierte Welt die ideale Lösung für dieses kleinliche Problem: Das Banner muss hängenbleiben, der Name sollte aber aktualisiert werden; mit Übermalen funktioniert es nicht, Überkleben ist womöglich auch nur von kurzer Dauer. Dann sollten die Strehlaer doch einfach eine digitale Anzeigetafel an die Hauswand hängen, auf der sie neben ihrer Forderung den Namen des aktuellen Ministers eintragen können. Und ist der mal irgendwann nicht mehr im Amt, kann der Name mit ein paar Mausklicks einfach ersetzt werden. Falls die Umgehung nicht allzu zeitnah gebaut wird, wäre diese digitale Tafel sogar eine echte Investition in die Zukunft.

Ebenso gekonnt wäre es, wenn die Riesaer demnächst in all ihre Bauwerke ein Frühwarnsystem einbauen würden, das noch genialer ist als das der maroden Fußgängerbrücke, die am Bahnhof über die Gleise führt. Die könnte nämlich in den nächsten Jahren zusammenbrechen. Was allerdings kein Grund zur Beunruhigung ist. Wird die Brücke doch Risse bilden, bevor das Leben gänzlich aus ihr entweicht.

Wenn wir das jetzt noch weiter erforschen und in der Anwendung deutlich ausweiten können, muss es womöglich gar nicht mehr so weit kommen, dass Bauwerke aus dem Stadtbild verschwinden. Grandios wäre beispielsweise ein Frühwarnsystem, das die Entscheider darauf hinweist, dass ein Bauwerk Beachtung braucht, bevor es mal wieder zu spät ist und ein Abriss finanziell aussichtsreicher als eine Sanierung. Da lässt sich mit der Digitalisierung doch bestimmt etwas anstellen, oder?

Manche Riesaer Schulen nehmen schon Fahrt auf in Richtung moderne Welt. Das Städtische und das Heisenberg-Gymnasium werden derzeit – mit Glasfaserkabeln! – an die sogenannte Datenautobahn angeschlossen. Jetzt können die Schüler im Computerkabinett derart schnell surfen, dass die Lehrer die Besuche auf anderen als den geforderten Webseiten gar nicht mehr mitbekommen, weil die Schüler in Windeseile eine neue Seite laden können, ehe der Lehrer auf ihre Bildschirme blickt.

Diese Woche kann wohl kaum moderner werden.