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Aufkleber fürs Welterbe

Nach der großen Tagung ist neuer Schwung in die Sache gekommen. Nun soll der auch bei der Görlitzer Bevölkerung ankommen.

© imago

Von Daniela Pfeiffer

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Die Schweriner haben es gut. Sie haben es schon auf die Liste geschafft. Die Liste, auf die die Görlitzer auch gerne kommen würden. Wer sich mit dem Welterbe-Titel schmücken möchte, muss nämlich zuerst auf die Tentativ-Liste. Darauf stehen die Vorschläge für zukünftige Nominierungen zur Aufnahme in die Unesco-Liste.

Am Schaufenster der Görlitzinformation hängt der Welterbe-Aufkleber schon.
Am Schaufenster der Görlitzinformation hängt der Welterbe-Aufkleber schon. © EGZ

Davon ist Görlitz zwar noch ein ganzes Stück entfernt, wiederum aber in den vergangenen Wochen vielleicht doch ein Stück näher gekommen. Mit der großen Kulturroutentagung hat sich die Stadt noch mal ausdrücklich empfehlen können. Drei Tage lang war alles hier, was Rang und Namen hat, wenn es um Welterbe geht. Außerdem ist die Stadt ins Via Regia-Netzwerk aufgenommen worden und kann das in ihre Welterbe-Strategie wunderbar einfügen. Noch ist aber nicht endgültig klar, wie diese Strategie aussehen soll. Fest steht, dass das zentrale Thema die Hallenhäuser sein sollen. Was nun aber nach der Tagung ganz konkret die nächsten Schritte sind, soll ein Gutachten ergeben, das Experten vor Ort, aber auch internationale Experten in der ersten Jahreshälfte 2019 erstellen sollen. Somit könne „ein starkes Nominierungskonzept“ erstellt werden, auf dem letztlich die Antragsausarbeitung aufgebaut werden kann, sagt Friederike Hansell, Welterbekoordinatorin des Freistaates Sachsen, mit der die Stadt im Gespräch ist. Frau Hansell war kürzlich in Görlitz und besprach mit OB Siegfried Deinege und Bürgermeister Michael Wieler, wie es weitergeht. Im Nachgang dieses ersten Treffens betonte sie: „Die Sächsische Welterbekoordination unterstützt die Stadt Görlitz bei der weiteren Arbeit auf dem Weg zu einer möglichen Welterbebewerbung.“ Das Potenzial sei da, sagt sie.

Das sieht auch Andrea F. Behr, Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz-Zgorzelec GmbH, so. Zuständig für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, baut sie auf das Welterbe. „Wir sehen das natürlich als touristisches Thema für die Zukunft. Dabei sind Welterbe und Via Regia untrennbar verbunden.“ Konkret heißt das, dass nach der Aufnahme ins Via Regia-Netzwerk nun noch stärker damit geworben werden soll. „Auf unserer Internetseite war bislang zur Via Regia wenig zu lesen. Das wird sich ändern.“ Überhaupt werde man als EGZ den gesamten Bewerbungsprozess natürlich begleiten. Das bedeutet unter anderem, das Welterbe-Vorhaben auch den Görlitzer Bürgern näherzubringen. Noch ist von einer Aufbruchsstimmung wie bei der Kulturhauptstadtbewerbung 2006 nichts zu merken. Damals stand gefühlt ganz Görlitz hinter der Bewerbung. Das gelang auch dadurch, dass es gute Öffentlichkeitsarbeit und viele Projekte gab, die die Leute mitnahmen.

„Wir müssen das diesmal wieder schaffen“, sagt Eva Wittig von der EGZ. Sie hat bei einem Besuch in Schwerin gesehen, wie es gehen kann. Das Schweriner Schloss ist hier das Thema der Bewerbung, man komme als Besucher daran gar nicht vorbei, hat Eva Wittig beobachtet. Es gibt eigens einen Förderverein und auch eine Internetseite. Eine Koordinatorin kümmert sich darum, dass das Welterbe in aller Munde ist. Eva Wittig: „Man stößt in der Stadt immer wieder darauf, das Thema ist tatsächlich überall präsent.“ Zum Beispiel durch einen Malwettbewerb: Unter dem Motto „Mein Welterbe in der Nachbarschaft“ konnten Schüler Bilder malen, die anschließend öffentlich gezeigt wurden.

Görlitz ist auf seinem Weg Richtung Welterbe noch nicht so weit, einige erste publikumswirksame Geschichten gibt es aber doch: Zum Beispiel die bemerkenswerte Ausstellung im Hallenhaus Brüderstraße 9, das als Gebäude selbst das Exponat war. Außerdem eine Sonderbeilage im Oktober-Amtsblatt, die die wichtigsten Punkte der Kulturroutentagung zusammenfasste. Denn diese wurde von der Görlitzer Bevölkerung kaum wahrgenommen. Auch in der internationalen Presse schlug sich das hochrangige Treffen nicht so nieder. „Es hat nicht so eingeschlagen, wie der Filmpreis, den wir vergangenes Jahr als bester Drehort des Jahrzehnts erhielten“, sagt Andrea F. Behr. Und trotzdem: „Wir haben Aufmerksamkeit erreicht und diese müssen wir jetzt hochhalten.“

Dabei hilft der Tourismusverein Görlitz. Zum einen überreichte er Bürgermeister Michael Wieler jetzt eine Spende in Höhe von 1 000 Euro für die Welterbebewerbung. Das Geld hatte der Verein mit seinem Getränkeausschank auf dem Altstadtfest verdient. Zum anderen wirbt der Verein auch mit eigens produzierten Bierdeckeln und Aufklebern für das Welterbe.