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Aufmerksame Besucher

Die Kurfürst-Moritz-Schule bewirbt sich erneut um den Deutschen Schulpreis. Jetzt war die Jury im Haus. 

Ralf Dietl, Jury-Mitglied des Deutschen Schulpreises, beobachtet während eines Besuchs in der Kurfürst-Moritz-Schule in Boxdorf den Biologieunterricht der Klasse 6a.
Ralf Dietl, Jury-Mitglied des Deutschen Schulpreises, beobachtet während eines Besuchs in der Kurfürst-Moritz-Schule in Boxdorf den Biologieunterricht der Klasse 6a. © Norbert Millauer

Boxdorf. Wenn Beliebtheit zu den Bewertungskriterien der Schulpreis-Jury gehören würde, könnte die Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf in diesem Bereich wohl reichlich punkten. Denn obwohl die Oberschule der Gemeinde Moritzburg Jahr für Jahr im Durchschnitt Fünftklässler in der Größenordnung einer kompletten Klasse nicht aufnimmt, platzt die Schule aus allen Nähten. 

Eigentlich wurde sie vor ein paar Jahren für 350 Schüler saniert und erweitert, derzeit werden dort 500 unterrichtet. In diesem Jahr soll nun endlich der nächste Erweiterungsbau kommen. Bis dahin muss weiter jeder Raum so effektiv wie möglich genutzt und das Schulkonzept trotz der räumlichen Enge umgesetzt werden .

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Dass dies offenbar gelingt, beweist die Tatsache, dass es die Kurfürst-Moritz-Schule in die Runde der besten 20 Schulen geschafft hat, die für den diesjährigen Deutschen Schulpreis noch im Rennen sind. 

Das allein sei schon eine große Auszeichnung, sagt Andrea Preußker von der Robert- Bosch-Stiftung, die den mit 270 000 Euro dotierten Preis seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit der Heidehof-Stiftung vergibt. Seit dem Start des Programms haben sich rund 2 000 Schulen für den Preis beworben.

Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. 

„Diese Kriterien sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität über die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannt“, sagte Jury-Mitglied Ralf Dietl. Gemeinsam mit der Stiftungsvertreterin und drei weiteren Jurymitgliedern hat er sich am Mittwoch und Donnerstag in Boxdorf umgesehen. Sie besuchten Unterrichtseinheiten und Projekte, sprachen mit Lehrern, Schülern und Eltern.

Und damit die Gäste sich auch tatsächlich immer und überall umschauen konnten und ihnen nichts verborgen bleibt, bekamen sie nicht nur jeder einen Schlüssel und einen Orientierungsplan, sondern auch Leistungsdaten, Organigramm, das fast 80-seitige Schulprogramm und den Zugangscode für die internen Systeme der Kurfürst-Moritz-Schule. „Wer sich an dem Wettbewerb beteiligt, macht sich komplett nackig“, sagt dann auch Schulleiter Heiko Vogel. „Das ist schon hart.“

Wie die Bewerbungsunterlagen. „Von der Papierlage her ist es wichtig, dass in allen sechs Qualitätsbereichen etwas da ist“, ergänzt Ralf Dietl. „Es muss zu sehen sein, dass sich die Schule überall Gedanken macht.“

Und wie sind nun die Eindrücke vom Besuch in Boxdorf? „Man versucht, sich anhand der Bewerbungsunterlagen auszumalen, wie es sein könnte. Hier haben wir das in weiten Teilen bestätigt bekommen, in einigen Bereichen war es sogar noch etwas mehr“, sagt Jurymitglied Dietl. 

Überrascht habe die große Rolle, die Kultur an der Schule spiele. Und wie sich dieser Schwerpunkt auf das gesamte Schulklima und den Unterricht auswirke. „Wir haben hier einen sehr offenen und wertschätzenden Umgang beobachtet und auch selbst erlebt“, ergänzt Andrea Preußker. 

Schüler und Lehrer würden auf Augenhöhe miteinander sprechen. Auch wenn sich die Jurymitglieder nach dem Besuch mit öffentlichen Wertungen zurückhalten – ein paar Beobachtungen hebt Ralf Dietl dennoch hervor: Es gibt viel Schülerselbstverantwortung und es wird differenziert gearbeitet. Aufgefallen seien auch die räumliche Ausstattung und die Möglichkeiten für Freiarbeit.

Und Andrea Preußker hebt die Weiterentwicklung hervor, die es seit der ersten Bewerbung der Boxdorfer gegeben hat. Vor sechs Jahren schafften sie es unter die 15 für den Deutschen Schulpreis nominierten Schulen. Zu den sechs Preisträgern gehörten sie dann allerdings nicht.

Ob sie auch diesmal wieder nominiert werden, verkündet die Jury am 15. März. Die Preisverleihung findet dann am 5. Juni in Berlin statt. Bisher hat es noch nie eine Schule aus Sachsen unter die Preisträger geschafft. Auch die Zahl der Bewerber von hier ist überschaubar. In diesem Jahr war es nur noch eine weitere Schule.

In Boxdorf ist man nun gespannt: „Für uns ist es wichtig, ab und zu mal anzutreten, um zu sehen, wo wir stehen“, sagt Schulleiter Heiko Vogel.