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Aufregung nach Ramadan-Gebet

Muslime rollten in Riesa öffentlich ihre Gebetsteppiche aus, um gegen die Schließung ihres Versammlungsraums zu protestieren.

© Screenshot: SZ

Von Christoph Scharf

Riesa. Die Schuhe stehen am Rand. Die Gebetsteppiche sind ausgerollt. Vorn knien etwa 60 Männer. Dahinter haben sich Frauen und Kinder versammelt. Die Szene hat sich jetzt auf dem Riesaer Kinovorplatz zugetragen. Auf einem Video ist zu hören, wie die Männer im Chor „Allahu akbar“ skandieren – Allah ist groß.

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Fotos davon haben am Donnerstag für Aufregung in Riesa gesorgt. Sie kursieren nun im Internet, nachdem der eigentliche Auftritt fast unbemerkt geblieben war: Das öffentliche Gebet fand bereits am Sonntag statt, allerdings morgens um acht – wenn auf der Hauptstraße noch wenig los ist. Bei Facebook wird die Aktion mehrfach als „Provokation“ gewertet. „Warum macht man das mitten in der Stadt und nicht an der Elbe auf der Wiese?“, fragt ein Riesaer, der die Bilder online gestellt hat. „Wenn von uns paar Leute sich mit der Decke vors Kino legen würden, hätten wir in kürzester Zeit Probleme mit den Ordnungshütern.“

Tatsächlich war die Aktion ordnungsgemäß angemeldet, sagt Saad Elgazar von der Dresdner Organisation SBS, der vom Verfassungsschutz Verbindungen zur radikalislamischen Muslimbruderschaft vorgeworfen werden. „Nachdem die Stadt uns den Gebetsraum an der Goethestraße geschlossen hat, haben wir in Riesa keinen Raum mehr, uns zum Gebet zu treffen“, sagt der aus Ägypten stammende Physiker.

Das Landratsamt bestätigt die Anmeldung. Die SBS habe sich mit ihrem Anliegen erst an die Stadt gewandt und dort eine Ablehnung kassiert. „Daraufhin war das Ordnungsamt der Landkreisverwaltung der nächste Ansprechpartner“, sagt Kreis-Sprecherin Kerstin Thöns. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung habe man – ohne den OB – das Problem beraten. „Das Landratsamt hat daraufhin die Zusammenkunft bestätigt mit Blick auf die Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“, sagt Kerstin Thöns.

Das Landratsamt bestimmte auch den Ort der Aktion, schließlich sei der Kinovorplatz bereits häufiger für öffentliche Veranstaltungen genutzt worden. „Somit konnte die Polizei ihr bewährtes Sicherheitskonzept nutzen“, sagt die Sprecherin. Weil die Anmeldung sehr kurzfristig gewesen sei, habe man nicht viel Zeit für die Abwägung der Entscheidung gehabt. Riesas Rathaussprecher Uwe Päsler teilt mit, dass die Stadt erst am Freitag zuvor um 16 Uhr vom Landratsamt über die Aktion unterrichtet worden sei und keine Genehmigung erteilt habe. – „Wir kennen die Gesetze und wollen uns daran halten“, sagt Saad Elgazar. Aber nach dem Ramadan habe man wieder in größerer Runde beten wollen. Zwar sei man längst auf der Suche nach einem neuen Gebetsraum in Riesa, nachdem der alte aus baurechtlichen Gründen dichtgemacht worden war. „Aber welchen Hauseigentümer wir auch fragen, wir bekommen eine Absage“, sagt der SBS-Chef. Dabei gäbe es in Riesa viele leere Läden.

Laut Stadt gilt die Nutzungsuntersagung für die Räume Goethestraße 96c nach wie vor und werde im Rahmen der Möglichkeiten auch kontrolliert. „Nach unserer Kenntnis hat es in den letzten Wochen keine Verstöße mehr gegeben“, sagt Uwe Päsler. Um Situationen wie vor dem Kino künftig zu vermeiden, wolle man solche Muslime bei der Suche nach räumlichen Alternativen begleiten, „die unsere Gesetze und Werte akzeptieren, friedlich ihrem Glauben nachgehen und sich in der Gesellschaft integrieren wollen“. Nach SZ-Informationen geht die Debatte weiter: Es gibt wohl noch Gesprächsbedarf zwischen Riesas OB und dem Landratsamt.