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Aufschwung ohne Ende

Sachsens Firmenchefs haben viele Wünsche an die Regierung. Sie bauen schon auf noch mehr Wachstum.

© Dirk Zschiedrich

Von Georg Moeritz

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Franz Voigt glaubt nicht mehr daran, dass es alle sieben Jahre einen Aufschwung und Abschwung gibt. Die letzte große Wirtschaftskrise ist neun Jahre her, und der Tiefbauunternehmer Voigt aus dem Vogtland mit 500 Beschäftigten sieht kein Ende des Aufschwungs. Die Unternehmer haben „mehr Vertrauen“ in die konjunkturelle Entwicklung, sagte Voigt am Dienstag in Dresden. Der Chef der Vogtländischen Straßen-, Tief- & Rohrleitungsbau GmbH ist zugleich Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK). „Die Industrie steht unter Volldampf“, heißt es in der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage unter 1 800 Firmenchefs in ganz Sachsen, die Voigt vorstellte.

Erwartungen: Mehr Aufträge, Vertrauen in neue Landesregierung

Die Geschäftserwartungen der Unternehmen für dieses Jahr sind so hoch wie noch nie. Die Aufträge aus dem Inland und aus dem Ausland sind gestiegen, davon profitieren auch Speditionen und viele Dienstleister. Bauunternehmer Voigt beugt allerdings gleich dem Verdacht vor, er könne nun keine neuen Aufträge mehr annehmen: Seine Tiefbaubranche habe „noch Reserven, übers Jahr verteilt“. Freilich seien die Kosten gestiegen. Das müsse er öffentlichen Auftraggebern immer mal erklären, wenn sie Preise von vor drei, vier Jahren verlangten. Manches sei 30 Prozent teurer.

Wenn der Breitband-Ausbau langsam vorangehe, liegt das laut Voigt auch nicht an mangelnden Kapazitäten der Tiefbauer. Der IHK-Präsident hält es für richtig, dass das Land Sachsen künftig die Baukosten für die Glasfasernetze in Gemeinden bezahlen will. Die neue Landesregierung gefällt dem Vogtländer: Sie habe „erkannt, dass ein Wandel stattfinden muss“. Diplomatisch formulierte der IHK-Präsident, die neuen „handelnden Personen und ihre Aussagen könnten sich positiv auf das Land und die sächsische Wirtschaft auswirken“.

Exporte: Großbritannien kauft vor dem Brexit sächsische Autos

Sachsens Exporte in Staaten der Eurozone sind laut Voigt voriges Jahr um mehr als sechs Prozent gewachsen – ein wichtiger Beitrag zum Aufschwung. Großbritannien gab fast ein Viertel mehr Geld für Waren aus Sachsen aus, vor allem für Autos. Hoffentlich bleibe dieser Export auch nach dem Brexit stark, sagte Voigt. Sachsens Ausfuhren nach Frankreich und Tschechien sind voriges Jahr nach ersten Hochrechnungen um ein Fünftel gestiegen, die nach Russland allerdings schrumpften um zwei Prozent. Der IHK-Präsident sprach zwar Sorgen vor Risiken in den USA oder Europa an, sagte aber, die Unternehmer hätten gelernt, damit umzugehen. „Wir lassen uns nicht verrückt machen“, sagte Voigt. Wichtig sei, dass Europa auf gutem Weg bleibe.

Umsätze: Zuwachs im Maschinenbau, Rückgang bei Elektronik und Pharma

Jedes vierte Unternehmen in Sachsen wird laut Umfrage künftig stärker investieren, um die Aufträge erfüllen zu können. Damit verstärken die Betriebe selbst den Aufschwung. Die größeren Baubetriebe haben voriges Jahr fast zehn Prozent Umsatzzuwachs verbucht und zugleich sieben Prozent mehr Aufträge. Der Industrie-Umsatz legte bis Ende November im Jahresvergleich um fast fünf Prozent zu – allerdings gab es auch schrumpfende Branchen: Bei Elektronik und Pharma steht ein Minus in der Statistik. Doch die umsatzstärkste Branche Autoproduktion hat fünf Prozent zugelegt, der Maschinenbau halb so stark. Sachsens Einzelhändler beurteilen in der Umfrage ihre Lage so gut wie nie, halten sich aber bei den Aussichten etwas zurück: Angesichts schrumpfender Bevölkerung auf dem Lande und zunehmenden Online-Handels sei „kein Grund für Euphorie“, schreiben die Kammern. Von den sächsischen Autohändlern hat nur jeder Zweite positive Erwartungen zur Geschäftslage.

Wünsche: Zuwanderung und befristete Arbeitsverträge

In der Oberlausitz ist die Stimmung der Unternehmer laut Umfrage zwar insgesamt auch gut, erreicht aber nicht so hohe Werte wie in Dresden und nicht mehr den Spitzenwert vom Herbst. Die Kammer sieht die Ursachen in Verunsicherung über den Kohleausstieg und den Fortbestand der großen Betriebe im Waggon- und Turbinenbau. Davon seien auch viele Lieferanten abhängig, betonte der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Fragt man Sachsens Unternehmer nach ihren größten Risiken, dann kreuzen sie vor allem Fachkräftemangel und Arbeitskosten an. Jedes vierte befragte Unternehmen will dieses Jahr zusätzliche Mitarbeiter einstellen, jedes zehnte will mit weniger auskommen.

Voigt sagte, die Wirtschaft brauche ein Zuwanderungsgesetz, um leichter an qualifizierte Mitarbeiter zu kommen. Wer Flüchtlinge beschäftigen wolle, brauche mehr Rechtssicherheit. Von der neuen Bundesregierung erwartet der Bauunternehmer außerdem „ein Zeichen, dass etwas für den Mittelstand getan wird“. Der Koalitionsvertrag dürfte nicht neue Belastungen bringen. Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge seien weiter nötig.