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Aufspaltung bringt keine Stabilität

Die Politik will große Geldhäuser im Ernstfall aufspalten: Banken sollen ihre Zockerei vom Geschäft abtrennen, um Sparer zu schützen und das Finanzsystem zu stabilisieren. Die Bundesbank ist nicht überzeugt.

© dpa

Frankfurt/Main. Die Deutsche Bundesbank steht der Abtrennung des riskanten Investmentbankings vom klassischen Bankgeschäft kritisch gegenüber. „Ich bezweifle, dass die Aufspaltung von Banken die Institute sicher genug machen würden, und ich bezweifle, dass ein Trennbankensystem garantieren würde, dass die Institute pleitegehen könnten, ohne das System zu beschädigen“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Dienstag auf einer Tagung zum Trennbankensystem am „Institute for Law and Finance“ der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Um Banken sicherer zu machen, seien eine angemessene Kapital-und Liquiditätsausstattung und ein glaubwürdiges Abwicklungsregime mindestens ebenso wichtig.

Finanzstabilität könne nicht erreicht werden, solange Banken zu groß, zu komplex und zu sehr miteinander verbunden seien, sagte Dombret. Nach seiner Überzeugung würde eine Abspaltung riskanter Handelsgeschäfte zum Schutz der Kundeneinlagen aber gerade dazu führen, dass das Bankensystem noch stärker verflochten wäre: „Lehman Brothers war eine reine Investmentbank, doch als sie 2008 pleiteging, hat sie das ganze Finanzsystem an den Rand des Kollaps‘ gebracht - weil sie so sehr mit anderen Häuser verflochten war.“ Zudem sehe er das Problem, dass die Bankentrennung dazu führen könne, dass die Häuser ihre riskanten Geschäfte vermehrt in Schattenbanken auslagern - was die Kontrolle durch die Bankenaufsicht erschweren würde.

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Auch die von den Befürwortern eines Trennbankensystems unterstellte größere Sicherheit des klassischen Bankgeschäfts gegenüber dem Investmentbanking ist nach Dombrets Überzeugung keineswegs gesichert: „Wir müssen zugeben, dass einige reine Geschäftsbanken im Zentrum der jüngsten Krise standen: Washington Mutual, Countrywide, Hypo Real Estate und die spanischen Sparkassen, um nur einige zu nennen.“ In Deutschland hatte der Bundestag bereits im vergangenen Mai ein Gesetzespaket beschlossen, nach dem vor allem größere Institute zum Schutz der Kundeneinlagen riskante Handelsgeschäfte vom klassischen Bankgeschäft abtrennen müssen. Banken haben bis Mitte 2015 Zeit, solche Geschäfte zu identifizieren. (dpa)