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Auge in Auge mit dem Profiler

Der Pulsnitzer Optiker Niels Hahmann ist Kontaktlinsen-Experte für den deutschen Spitzensport. Aber nicht nur.

© Thorsten Eckert

Von Reiner Hanke

Wenn Niels Hahmann anderen Menschen tief in die Augen schaut, dann sucht er mehr als nur Blickkontakt. Dann geht es um das Sehvermögen. Und deshalb bringt er meistens auch noch Hightech zwischen seine und die Augen seiner Kundschaft. Zu der gehören etliche Sportler, wie Deutschlands Eishockey Nationaltorhüterin und Olympionikin Ivonne Schröder. Sie braucht ein superscharfes Auge. Wenn der Puck mit weit über 100 Stundenkilometern angedonnert kommt, muss sie blitzschnell reagieren. Und dafür sorgt Augenoptikermeister Hahmann. In Pulsnitz findet man den Fachmann an der Wettinstraße. Als Kontaktlinsen-Partner für die Deutsche Sporthilfe ist Hahmann-Optik ehrenamtlich tätig. Dabei geht es der Firma insbesondere auch darum, den Nachwuchs zu fördern. So gehören zum Beispiel Dresdner Shorttracker zu seinen Schützlingen, aber auch Hürdenspezialist und WM-Teilnehmer Georg Fleischhauer. Letztlich könne ein gutes Auge über Sieg und Niederlage entscheiden, so Hahmann. Gutes Sehen verringere auch das Verletzungsrisiko. Der Augenoptikermeister ist selbst Sportler, steigt oft aufs Fahrrad und die Skier und spielt im Verein Volleyball: „Es ist wichtig, eine Beziehung zum Sport zu haben, um sich in die Situation einfühlen zu können.“

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Richard Wolf lernt im zweiten Ausbildungsjahr hier in der Pulsnitzer Filiale von Hahmann-Optik natürlich auch das Schleifen der Brillengläser.
Richard Wolf lernt im zweiten Ausbildungsjahr hier in der Pulsnitzer Filiale von Hahmann-Optik natürlich auch das Schleifen der Brillengläser. © René Paul

Hilfe im Schlaf

Das Geheimnis liegt in ganz speziellen Kontaktlinsen. Die gleichen einen Sehfehler nicht nur aus, sondern korrigieren die Kurzsichtigkeit quasi im Schlaf. Niels Hahmann erklärt: „Durch das Tragen der Sportkontaktlinsen wird über Nacht die Kurzsichtigkeit so weit korrigiert, dass über den Tag keine Sehhilfe mehr nötig ist.“ Gerade für Sportler in Spielsportarten und in der Leichtathletik ist das ein handfester Vorteil. Was wie Zauberei klingt, trägt den Fachnamen „Orthokeratologie“. Dabei spielt die Krümmung der Hornhaut eine Rolle. Die wird für einen gewissen Zeitraum korrigiert. Dafür tritt ein futuristisches Gerät in Aktion. Ein Scanner für die Augenhornhaut. Der wird für diese speziellen Kontaktlinsen der Spitzensportler gebraucht. Dazu setzt sich Niels Hahmann an den Computer und schaltet Geräte ein, die an ein Physiklabor erinnern. Rote und schwarze Ringe leuchten in einem Schirm. In dieses rote Licht taucht auch der Blick des Kunden ein. Jedes Auge wird einzeln gescannt: „Bitte das Auge öffnen und schließen“, fordert der Fachmann auf. Und dann erscheint auf dem Bildschirm die Topographie des Auges. Hier fällt die Ähnlichkeit mit geografischen Karten auf - mit den grünen und braunen Konturen einer sanften Hügellandschaft. Für den Optikermeister ist es freilich viel mehr. Er sammelt wichtige Informationen für die Beschaffenheit der künftigen Kontaktlinse. Weitere Augenwerte liefert ein anderes Gerät, der „I-Profiler“. Das klingt fast wie im Krimi bei CSI Miami. Mit dem „I-Profiler“ ist der Fachmann allerdings verdächtigen Veränderungen am Auge auf der Spur. Und wie sie am besten korrigiert werden können. Es geht um Sehstärke, räumliches Sehen, Nachtsicht, das Zusammenspiel der Augen.

Von den Erfahrungen können natürlich nicht nur Sportler profitieren, sondern jeder. Niels Hahmann denkt gerade auch an Kinder: „Jedes vierte Kind nimmt fehlsichtig am Sportunterricht teil“, gibt der Fachmann zu bedenken und erinnert an die Unfallgefahren. Mit der Korrektur über Nacht lasse sich bei Kindern das Fortschreiten einer beginnenden Kurzsichtigkeit sogar bremsen. Die Fehlsichtigkeit vieler Kinder habe auch etwas mit einem veränderten Sehverhalten zu tun: „Wir waren in der Kindheit mehr draußen, das Auge konnte sich entspannen.“ Beim vielen Daddeln am Computer sei das eben nicht so. Derzeit sei er deshalb auch in ein Schulprojekt mit einem Gymnasium involviert. Ziel ist es, der Kurzsichtigkeit vorzubeugen.

Viel mit Menschen zu tun

Der Chef selbst ist schon seit dem 6. Lebensjahr an Brillen gewöhnt, verrät er. Dennoch sei Augenoptiker damals noch zu DDR-Zeiten nicht sein erster Berufswunsch gewesen. Eine Verwandte und Augenoptikerin habe ihn schließlich später dafür begeistert. Und er ist bis heute sehr glücklich über diese Entscheidung: „Ich habe viel mit Menschen zu tun und erfahre viel Positives. Denn gutes Sehen ist sehr wichtig. 80 Prozent der Wahrnehmungen laufe beim Menschen über das Sehen“, so Hahmann.

Außerdem habe die Kombination von Handwerk wie in alter Zeit mit modernster Technik einen ganz besonderen Reiz, nicht nur bei der Augenbestimmung. In der Werkstatt steht eine computergesteuerte Schleifmaschine für die Gläser. Auf dem Arbeitstisch hat der Optiker aber auch eine ganze Galerie von Spezialzangen aufgebaut. Die erinnern fast ein bisschen an den Zahnarzt. Aber der Gang zum Optiker dürfte schmerzfrei sein.

Mit den Zangen und Schleifwerkzeugen wird Glas auch heute noch per Hand in Form gebracht. Und diese Freude an der Arbeit gebe er auch gern seit Jahren an junge Leute weiter, damit der Berufsnachwuchs fürs Handwerk nicht ausgeht. Zwölf Azubis sind es seit 1992. Damals eröffnete er sein Geschäft in Langebrück, 1994 das in Pulsnitz. Dass Handwerk eine Zukunft hat, davon ist Niels Hahmann überzeugt. Da könne auch die Konkurrenz aus dem Internet nichts ändern. Denn was wirklich zählt, ist am Ende der Blick Auge in Auge mit dem Kunden.