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Augen zu und durch

Der Hafen in Riesa und ein Walnussbaum in Zeithain bescheren uns einen Rückblick voller Zahlen und Verwirrung.

© SZ-Archiv

Von Kevin Schwarzbach

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Riesa. Na, da soll jetzt mal noch einer durchsehen, liebe Leserinnen und Leser. Die eine Seite jubelt, die andere schimpft. Und beide haben sie passende Zahlen, um ihre Meinung mit Fakten zu unterlegen. Eine Statistik wirkt immer ziemlich kompetent. Aber wie können bitte beide Seiten Zahlen haben, die einander auf den ersten Blick ausschließen? Bevor Sie sich jetzt die Gedanken aus dem Kopf grübeln: Es geht um kein abstraktes mathematisches Problem, sondern um den Riesaer Hafen.

Der Hafenbetreiber Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO) hat Anfang Januar seinen Jahresbericht 2017 präsentiert und steigende Umschlagzahlen und Rekordergebnisse vermeldet. Wow, klingt echt beeindruckend. Doch die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier meint nun, nachdem ihr die Antworten des Wirtschaftsministeriums auf zwei Kleine Anfragen vorliegen, dass das mal so gar nicht stimmt und der Riesaer Hafen 2017 einen Negativrekord aufgestellt hat. Im ursprünglichen, sachlichen Zeitungsbericht folgt ein Zahlensalat, den ich in dieser unsachlichen Kolumne einfach mal auf einen Gefühlsausbruch herunterbreche: Der Riesaer Hafen ist ein Witz. So klingt es zumindest, wenn die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion über die aus ihrer Sicht verheerenden Zahlen spricht. Negativrekord beim Schüttgüterumschlag, Negativrekord beim Containerumschlag. Noch was? Ach, ja, die trotz aller negativen Zahlen gestiegen Umschlagszahlen sind auf Transporte mit Bahn und Lkw zurückzuführen. „Der Riesaer Hafen ist nur noch dem Namen nach ein Hafen“, bilanziert Katja Meier.

Puh, schwere Kost. Dagegen ist Hegel Bahnhofshallenlektüre. Es wird aber nicht einfacher, denn der Betreiber kann die genannten Umschlagzahlen wiederum nicht nachvollziehen. „Der Schiffumschlag im Hafen Riesa ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,15 Prozent geringerer ausgefallen“, sagt SBO-Prokurist Gunto Mörer. Ursache seien das Niedrigwasser und der immer knapper werdende Schiffraum auf der Elbe gewesen. Diese verflixten Statistiken!

Also ich hab von Häfen und Güterumschlag ja gar keine Ahnung. Aber heute muss man ja nur reden können, wenn man mitreden will. Es ist ein Ausbau des Riesaer Hafens geplant, so viel weiß ich noch. Und auch die Kritik der Grünen dagegen habe ich mitbekommen. Dann gab es noch irgendwie Gespräche mit den Anwohnern. So weit, so gut. Aber was soll das jetzt mit den Zahlen? Da sieht ja kein Otto-Normal-Bürger mehr durch. Am besten, wir machen einen Volksentscheid. Das zu fordern, liegt auch im Trend. Augen zu und durch.

Zahlen können niederschmetternd sein. Manchmal reicht aber auch eine einzige Zahl, um das Verhältnis zu kitten. 35 Meter soll er zuletzt hoch gewesen sein, der Walnussbaum bei der Eigentümergemeinschaft Gohliser Straße 29. Klingt ja erst einmal ganz nett, so ein Walnussbaum am Grundstück. Doch der Baum hat zuletzt kaum eine essbare Walnuss abgeworfen. War vielleicht nicht mehr ganz so frisch, stand ja schon 1970 dort auf dem Gelände der Gemeinde. Klingt jetzt wie ein banaler Nebensatz, ist aber Stein des Anstoßes, liebe Leserinnen und Leser.

Der Baum war morsch, verlor bei Stürmen reichlich Äste und machte den Anwohnern nur Arbeit, sagen sie. Deshalb forderten sie die Gemeinde bereits 2015 auf, den Baum zu fällen. Doch die lehnte ab. Weil die Anwohner die kommunale Fläche, ein Streifen von wenigen Meter Breite zwischen den Garagen und den Gärten, mit nutzen, müssen sie sich auch selbst um den Baum kümmern, hieß es damals. Und auch diesmal verweist die Gemeinde auf die hohen Kosten für eine Fällung.

Die ist jetzt allerdings gar nicht mehr nötig. Der Walnussbaum war bereits Geschichte, als Rathaus und Feuerwehr vergangene Woche zur Ortsbesichtigung kamen. Die Anwohner hatten eigenständig ein Angebot angenommen, den Baum kostengünstig fällen zu lassen. Doch wer denkt, jetzt sei die Sache erledigt, hat sich geirrt. Die Fläche muss von den liegengebliebenen Ästen beräumt werden. Und dann ist da noch eine Zahl: 200. So viel Euro hat die Hebebühne gekostet, die bei der Fällung zum Einsatz kam. Bleibt die Frage, wer diese Kosten nun übernimmt. Wie viele Walnüsse man davon wohl kaufen könnte? Aber Schluss jetzt mit den Zahlen! Diese Woche kann wohl kaum reicher an Zahlen und Verwirrungen werden.