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August der Starke ist wieder heil

Auf der Meißener Albrechtsburg läuft seit sieben Jahren ein Programm zur Festigung der Wandbilder. Nun ist das bekannteste fertig.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Von der Stadt ins ewige Eis

Wir reisen mit Kai-Uwe Ulrich von Dresden nach Österreich - genauer zum STUBAI ULTRATRAIL. Er berichtet exklusiv für Turnbeutel.TV über diese Erfahrung.

Meißen. Kurfürst August der Starke – skeptisch, ob es denn nun mit dem Porzellan etwas wird, nachdem es schon nichts mit dem Goldmachen geworden ist – schaut zu, wie Böttger Porzellanmasse in ein glühendes Gefäß gießt. Wollte man sagen, welches Bild symbolisch für die Albrechtsburg steht, dann wäre es sicher dieses. Es befindet sich im Böttger-Zimmer des ersten deutschen Schlossbaus und ist jetzt wieder heil.

Denn das Wandbild, Teil der zwischen 1874 und 1886 erfolgten historistischen Ausmalung der Albrechtsburg, war geschädigt, wie viele andere auch. Der Grund: Die seinerzeit unter dem sächsischen Außen- und Finanzminister Richard Freiherr von Friesen (1808 - 1885) und dem Kunsthistoriker Wilhelm Rossmann (1832 - 1885) gebildete Kommission zur Umgestaltung der Burg zu einem sächsischen Geschichtsdenkmal hatte sich für die falsche Technik entschieden. Denn die Öl-Wachsmalerei, mit der die Wandbilder ausgeführt wurden, erwies sich als ungeeignet. Dabei wurde unmittelbar auf den mit Leinöl getränkten Putz gemalt.

Die schwierigen klimatischen Bedingungen in der Burg – von Mai bis Anfang November sind die Räume leidlich warm – danach ziemlich kalt, bekamen der Malerei nicht. Es bildeten sich Farbschollen, die abzufallen drohten. Schon in den 1930er, 1960er und 1970er Jahren habe es Versuche zu Restaurierung der Wandbilder gegeben, sagt Schlossherr Uwe Michel. Der Erfolg war eher zweifelhaft, zumal auch der Versuch, eine durchsichtige Schicht auf die Farben aufzutragen, eher schlimmere Folgen als Erfolge zeitigte.

Seit 2011 wird die Ausmalung der Albrechtsburg nun saniert. Ein äußerst aufwendiges Verfahren. Dabei muss jede der kleinen Farbschollen mit einer Art Kanüle mit Fischleim vom Stör hinterspritzt und angedrückt werden. Mindestens 500 000 Euro sind für die Festigung der Wandbilder eingeplant. Eigentlich sollte schon 2016 alles fertig sein. Nun gibt es keinen genauen Zeitpunkt mehr. Denn es bleibt noch viel zu tun. Im Böttger-Zimmer etwa muss das zweite Wandbild, das Böttger halb verzweifelt im Laboratorium zeigt, ebenfalls noch gefestigt werden, erklärt die zuständige Restauratorin Susanne Launer. Und auf dem Plan der Burg, den Uwe Michel mitgebracht hat, sind noch zahlreiche andere Räume angezeichnet. „Für 2019 ist ein gravierender Schritt geplant, dann nämlich sollen die Wandbilder in der Kleinen Tafelstube saniert werden.“ Eventuell müsse man den Raum für ein Jahr für Trauungen sperren, um voranzukommen.

Dass Böttger, August der Starke und all die anderen mehr oder weniger edlen Personen die Wände der Albrechtsburg bevölkern, ist dem Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zu verdanken. Die unterlegene Grande Nation musste mehr als vier Milliarden Reichsmark an Deutschland zahlen. Auf Sachsen entfielen 34 Millionen, wovon wiederum 230 000 Reichsmark für die Albrechtsburg eingesetzt worden sind. Davon konnten elf akademisch ausgebildete Maler bezahlt werden, die mehr als 40 Bilder in der Burg schufen – das mit Böttger und August dem Starken malte Paul Kießling 1879.