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Augusto

Die Mühen mit dem Ideal

Die X. Kunstausstellung der DDR wird wieder lebendig - mit einem kleinen Ausschnitt in der Städtischen Galerie Dresden.

Ulrich Hachulla: Café IV, 1986/1987, Mischtechnik auf Leinwand.
Ulrich Hachulla: Café IV, 1986/1987, Mischtechnik auf Leinwand. © VG Bild-Kunst, Bonn / PR

Von Siiri Klose

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Ab 1946 alle vier, zum Schluss alle fünf Jahre, richtete Dresden die Kunstausstellungen der DDR aus. 1987 war die zehnte an der Reihe, mit 1 823 Künstlern und über 2 800 Werken, die das gesamte Albertinum (außer Grünes Gewölbe) und die Ausstellungshallen am damaligen Fucíkplatz füllten. Noch beeindruckender erscheint die Zahl von 1,1 Millionen Besuchern, die sich in dem halben Jahr die Kunstausstellung anschauten – pro Tag über 6 000.

Altbekannte Namen und spannende Bildfindungen

Einen Bruchteil dessen, was sie damals zu sehen bekamen, zeigt jetzt die Städtische Galerie. Zu den 34 Werken gehören altbekannte Namen wie Wolfgang Mattheuer oder Willi Sitte, dessen Diptychon „Sie wollten nur Lesen und Schreiben lernen“ auch auf der Briefmarke zur Kunstausstellung landete. Vom heutigen Standpunkt aus spannender, weil weniger vorhersehbar, ist beispielsweise die „Gärtnerei“ von Rainer Zille, der die Geometrie der Gewächshausscheiben betont und so ein die DDR kaum tangierendes, sehr heutiges Gemälde schaffte. Auch Werner Juzas „Trauriges Ereignis“ ist von zeitloser Komik, Andreas Thiemes „Familienbildnis“ von liebevoller, behütender Bürgerlichkeit.

Was all diese Werke, die sich so selten um ein sozialistisches Ideal bemühten, dafür umso häufiger erzählen, ist das Thema eines Vortrags des Kultursoziologen Bernd Lindner, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig die Jugend-, Alltags- und Kunstsoziologie der DDR erforschte. Interessant wäre auch eine aktuelle Reflexion darüber.

Der Vortrag von Bernd Lindner, "Das hat mit unseren Gefühlen in unserer Zeit und Welt zu tun – Die X. Kunstausstellung der DDR in der Reflexion ihrer Besucher" findet am 5. November, 19 Uhr in der Städtischen Galerie, Wilsdruffer Str. 2, in Dresden statt.

Die Ausstellung "Das Ende der Eindeutigkeit – Malerei der X. DDR-Kunstausstellung" läuft dort bis zum 12. Januar, Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-19 Uhr. Der Eintritt für den Vortrag ist frei. Karten für die Ausstellung kosten 5, ermäßigt 4 Euro.