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Augusts vergessene Mätresse

Ein Wappen verrät, dass eine Nachfolgerin der Gräfin Cosel einst auf dem Schloss lebte.

© Sebastian Schultz

Von Jürgen Müller

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Hirschstein. Denkmalschützer Matthias Donath ist begeistert: „Mit dieser Entdeckung wird Hirschstein in die Elite der sächsischen Geschichte aufsteigen.“ Grund für die Euphorie: Bei Sanierungsarbeiten des Treppenhauses wurden jetzt auch vier Wappen, die sich im „Auge“ des Treppenhauses befinden, näher untersucht. Vor allem ein Wappen ist dabei von herausragender Bedeutung, weil es sich auf die vorletzte offizielle Mätresse Augusts des Starken bezieht. Erdmuthe Sophie von Loß war die Geliebte des Sachsenkönigs. Ihre Lebensgeschichte ist bisher kaum erforscht, auch in Hirschstein weiß man kaum etwas über sie.

Erdmuthe Sophie von Dieskau lebte auf Schloss Hirschstein. Sie war die Mätresse Augusts des Starken und wurde als die schönste Frau am Hofstaat bezeichnet.
Erdmuthe Sophie von Dieskau lebte auf Schloss Hirschstein. Sie war die Mätresse Augusts des Starken und wurde als die schönste Frau am Hofstaat bezeichnet. © Archiv
Im Treppenhaus des Schlosses haben sich Risse und damit die Sorgen der Gemeinde vergrößert.
Im Treppenhaus des Schlosses haben sich Risse und damit die Sorgen der Gemeinde vergrößert. © Sebastian Schultz

Donath hat nun Archive gewälzt und interessante Dinge über eine Nachfolgerin der Gräfin Cosel heraus gefunden. Geboren wurde sie demnach, als Erdmuthe Sophie von Dieskau am 25. Februar 1698. Sie starb am 23. April 1767 in Dresden. August der Starke traf sie erstmals am 12. Mai 1719, danach war sie bis 1721 seine Mätresse. Mit ihrer Liebschaft brachte sie Glanz in den kleinen Ort.

August traf sie erstmals auf der Leipziger Messe. Carl Friedrich von Pöllnitz schreibt in „Das galante Sachsen“, dass August der Starke „seine Augen auf das Fräulein von Dieskau, ein junges Frauenzimmer, warf, welches, ausgenommen am Verstand, das vollkommenste Meisterstück der Natur war. (...) Ihre Haare waren so blond als möglich war, ihr Busen so weiß, dass er blenden könne, und ihre Hände und alles, was ins Gesicht fiel, vollkommen.“ Sie sei schöner als Venus, soll der Sachsenkönig gesagt und bedauert haben, dass „er so wenig Verstand bei ihr antraf“. Hätte Fräulein von Dieskau so viel Verstand wie Schönheit, hätte er sich vorstellen können, sie Zeit seines Lebens zu lieben. Angeblich von der Mutter an August für 200 000 Taler in bar verkauft, musste der König sich verpflichten, das Fräulein „standesgemäß mit einem Hofcavalier zu vermählen.“ Nach einem Jahr glühender Leidenschaft gab ihr der König den Abschied. Sie heiratete den Hofmarschall Adolf von Loß.

Die Hirschsteiner Schlosswappen

Der unterste Inschriftenstein erinnert daran, dass Christoph von Felgenhauer, Kammerrat des Kurfürsten von Sachsen, 1628 die Herrschaft Hirschstein erwarb und dass sein Sohn 1637 den Überfall der Schweden erlebte, bei dem das Schloss niedergebrannt wurde.

Die beiden darüber angebrachten Wappen beziehen sich auf Christoph von Felgenhauer den Älteren und seine Ehefrau Magdalena, geborene Palmer. Während er ein Wappen führte, stammte seine Frau aus einer bürgerlichen Familie.

Die Familie Felgenhauer saß über vier Jahrzehnte auf Schloss Hirschstein. Unter ihrer Herrschaft ist das Schloss so aufgebaut worden, wie wir es heute kennen, woran Inschrift und Wappen erinnern sollen. Christoph Heinrich von Felgenhauer musste den Besitz 1712 verkaufen.

Das Allianzwappen darüber erinnert an die nächste wichtige Besitzerfamilie. 1721 kaufte Johann Adolf von Loß das Rittergut Hirschstein. Er war königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Kabinettsminister und Geheimer Rat unter August dem Starken. Er war mit Erdmuthe Sophie von Dieskau verheiratet.

Der Wappenstein enthält die beiden Wappen von Loß und von Dieskau sowie die Jahreszahl 1721, die auf den Besitzerwerb hinweist.

Der Wappenstein enthält die beiden Wappen von Loß und von Dieskau sowie die Jahreszahl 1721, die auf den Besitzerwerb hinweist.

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Die Familie von Loß ist in männlicher Linie erloschen. Eine Tochter des letzten Grafen von Loß heiratete Wilhelm Bogislav von Kleist, der 1823 den Familiennamen „Graf Kleist vom Loß“ annahm. Er und seine Nachfahren erbten das Schloss Hirschstein. 1892 endete die Ära des Grafen Kleist vom Loß, weil das Schloss an einen reichen Fabrikanten verkauft wurde.

Die vier Wappen im Treppenhaus sollen jetzt restauriert werden. Sie wurden im Laufe der vergangenen Jahrhunderte immer wieder mit Ölfarbe überstrichen. „So ist ein dickes und unansehnliches Farbpaket entstanden. Die Farbschichten sollen abgenommen und die ursprüngliche Fassung wieder hergestellt werden“, erklärt Matthias Donath. Er ist der Vorsitzende des Förderkreises Schlösserland Sachsen, der bei dem Vorhaben hilft und mit einer Spendenaktion die benötigten Mittel einwirbt. Pro Wappen kostet die Restaurierung etwa 3 000 Euro, es sind also insgesamt 12 000 Euro notwendig. Deshalb sucht der Förderkreis nun Wappenpaten. Jedes Wappen wird in zehn Anteile zu je 300 Euro aufgeteilt. Wappenpaten können entweder 300 Euro spenden oder auch mehrere Anteile oder das ganze Wappen. „Wir versprechen, dass alle Wattenpaten namentlich gewürdigt werden“, so Matthias Donath. Wer einen oder zwei Anteile übernimmt, erhält einen Namenseintrag im Spenderbuch. Wer mindestens drei Anteile oder ein ganzes Wappen übernimmt, wird in der Nähe des Wappens mit einem Namenseintrag auf einer dauerhaften Spendertafel verewigt. Es sollen auch gezielt Unternehmen und Privatpersonen angesprochen werden. Ein Spendenaufruf wird auch im Nachrichtenblatt des sächsischen Adels veröffentlicht. „Wir hoffen, dass sich auch Nachfahren an der Spendenaktion beteiligen“, sagt Donath.

Hirschsteins Bürgermeister Conrad Seifert (CDU), dessen Gemeinde Eigentümerin des Schlosses ist, freut sich über die Aktion des Förderkreises Schlösserland. Er hat freilich noch andere Sorgen. Bei der jetzt geplanten Sanierung des Treppenhauses zeigte sich, dass sich die vorhandenen Setzungsrisse stark vergrößert haben. Die Ursache dafür ist neben dem trockenen Sommer wohl auch der Untergrund des Schlosses. „Es wurde bekanntlich auf einem Felsvorsprung errichtet, die Höhenunterschiede wurden damals durch Trockenmauern ausgeglichen. Diese bröckeln jetzt wahrscheinlich“, so Seifert. Endgültige Klarheit sollen nun Untersuchungen bringen. Was die Sanierung kostet und wie lange sie dauern wird, ist derzeit völlig ungewiss. Eines aber weiß der Bürgermeister sicher: „Wir wollen das Schloss so sanieren, dass es wieder 100 Jahre stehen kann.“

Wer Wappenpate werden möchte, kann sich an Romy Petrick vom Freundeskreis Schlösserland Sachsen, Telefon 03521 4920797, wenden.

Mail: [email protected]

Spendenkonto: Freundeskreis Schlösserland Sachsen, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE21850205000003656200