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Aus der Politik in die Amtsstube zurück

Ronny Kienert ist die nächsten Monate als Hauptamtsleiter im Rathaus tätig. Er hat etwas für Chöre übrig, singt aber nicht.

© André Braun

Von Heike Heisig

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Roßwein. Im Roßweiner Rathaus sind im Moment einige „neue Gesichter“ zu sehen. Nicht alle ersetzen Mitarbeiter, die wie die Vollzugsbediensteten Klaus Bernhard und Andreas Grahmann in den Ruhestand gegangen sind (DA berichtete). Ronny Kienert beispielsweise hat einen zunächst bis Anfang nächsten Jahres befristeten Vertrag. Er wird Hauptamtsleiterin Michaela Neubert vertreten, die für einen längeren Zeitraum wegen Krankheit ausfällt.

Krank waren in den zurückliegenden Tagen auch einige Mitarbeiter des Hauptamtes. Also hielt Ronny Kienert zeitweise allein die Stellung in seinem und dem Nachbarbüro. Aber er war auch unterwegs und hat sich zum Beispiel die Kindertagesstätten in Roßwein und den Ortsteilen angeschaut. Denn für die ist er neben vielem anderen zuständig.

Die größte Aufgabe sieht er – weil ja nun doch keine von ihm vorzubereitenden Bundestagsneuwahlen anstehen – in dem Umzug der Grundschule. Mit der Schulleiterin hat er dazu schon erste Gespräche geführt. Allerdings eilt noch nichts. Erst mit Beginn der Sommerferien werden die Handwerker in das Gebäude Am Weinberg einziehen. Vorher müssen Inventar und Arbeitsmaterialien entweder eingelagert oder zum provisorischen Schulstandort im Fachzentrum Metall an die Döbelner Straße gebracht werden.

Auch Kultur- und Vereinsarbeit gehört zum Bereich Hauptamt. Deshalb ist Ronny Kienert am Sonnabend beim Vereinsfrühstück dabei. Die Vereinsvertreter sollen ihn kennenlernen, damit es eine gute Basis für eine Zusammenarbeit gibt. Als Chef eines Chemnitzer Sportvereins bringt Kienert da selbst Erfahrung in ehrenamtlicher Arbeit mit. Seit 2003 ist er der „Chef“ von Bogenschützen, Volleyballern und Unihockeyspielern. Und er kümmert sich um die Kinder- und Jugendarbeit im sächsischen Chorwesen. „Nein, ich selbst singe nicht“, gibt er lächelnd zu. Genau das sei aber auch ein Einstellungskriterium gewesen. „Es wurde jemand fürs Organisatorische benötigt und der sollte immer ansprechbar sein – auch bei Konzerten“, erklärt Kienert.

In den nächsten Tagen trifft sich der 41-Jährige auch mit Schülern. „Das Projekt Jugend bewegt Kommune soll fortgesetzt werden“, sagt er. Dabei gehe es um die Kinozeit. Filmvorführungen seien gewünscht gewesen, aber dann doch nicht auf die erhoffte Resonanz gestoßen. „Wir wollen jetzt analysieren, woran das gelegen haben könnte und schauen, ob wir etwas verbessern oder völlig anders machen sollten.“

Bei den bevorstehenden Aufgaben dürfte dem 41-Jährigen seine bisherige Berufserfahrung helfen. Kienert hat in Chemnitz Verwaltungsfachangestellter gelernt und dort bis 2012 im Ordnungsamt gearbeitet. Danach entschied er sich für eine Qualifikation für den gehobenen Dienst. Er arbeitete in einem Bürgermeisteramt und war dort für die Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten, die Kultur und das Stadtarchiv zuständig. Auch in der politischen Arbeit hat Ronny Kienert sich bereits versucht. „Ich war ein Jahr lang für einen Landtagsabgeordneten und eine Kreistagsfraktion tätig“, erklärt er. Das hat dem 41-Jährigen offenbar gut gefallen. Er konnte sich sogar vorstellen, für die SPD in Berlin im Bundestag zu sitzen. Weil er bei der Wahl nicht die nötigen Stimmen erhielt, entschied er sich als inzwischen wieder Parteiloser, in eine Verwaltung zurückzukehren. „Die Aufgaben hier sind sehr breit gefächert“, findet er nach den ersten Wochen im Roßweiner Hauptamt.