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Aus für das Mädchenhaus

Der Frauenverein Regenbogen erhält von der Stadt keine Förderung für seinen Mädchen-Projekt.

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Von Jens Hoyer

Mit der Mehrheit von einer Stimme hat der Stadtrat gestern Abend die Zahlung von knapp 10000 Euro an den Frauenverein Regenbogen abgelehnt. Damit stürzt die gesamte Finanzierung des Projektes „Mädchenhaus“ des Vereins in sich zusammen. Denn ohne den Anteil der Stadt wird auch der Landkreis kein Geld zahlen.

Der große Saal des Rathauses erinnerte gestern schon sehr an ein Varieté. Das lag vor allem an den jungen Stelzenläuferinnen vom Mädchenhaus, die in bunten Kostümen aus luftiger Höhe die Aussicht auf die Stadträte genossen. Der Frauenverein hatte Kinder, Jugendliche, Mitglieder und Eltern mobilisiert. „Meine Kinder sind oft im Mädchentreff. Da weiß ich, wo sie sind“, sagte eine Mutter.

Die Motive für die Ablehnung sind sehr unterschiedlich. Bernhard Maluck, Fraktionschef der CDU-Fraktion, machte recht unverhohlen deutlich, dass die emanzipatorische Ausrichtung des Mädchenprojektes mit seinem eher konservativen Weltbild nicht übereinstimmt. Jörg Neumann, Fraktionschef der FDP, machte es an den Finanzen und der Gleichbehandlung fest. Der Frauenverein sei ein Verein wie jeder andere, der Kinder- und Jugendarbeit betreibt. „Es muss eine Gleichstellung der Vereine geben, sonst gibt es nur Diskussionen.“

Die Döbelner SPD gehörte zu den Befürwortern des Mädchenhauses. Die Ausrichtung solcher Projekte jenseits vom traditionellen Rollenbild in der Gesellschaft werde sogar von der EU gefordert, sagte Fraktionschef Axel Buschmann. Und er wies auf die integrierende Funktion des Treffs hin. „Er wird viel von Migranten genutzt, und diese haben oft noch ein ganz anderes Frauenbild als wir. Der Verein trägt dazu bei, sich besser zu verstehen.“

„Am 31. Dezember ist Schluss“, sagte Gisela Erkenberg vom Frauenzentrum nach der Entscheidung. Der Frauenverein braucht insgesamt rund 70000 Euro, um sein Projekt fortzuführen. Es wurde in den vergangenen Jahren allein vom Landesjugendamt und dem Landkreis finanziert. Durch eine Änderung der Förderrichtlinie des Kreises sind ab kommendem Jahr auch die Kommunen beteiligt. Döbeln unterstützt den Frauenverein aber schon mit 6500 Euro .

Mit dem Mädchenhaus, in dem die Kinder und Jugendlichen am Nachmittag unter Anleitung ihre Hausaufgaben erledigen, spielen basteln und Sport treiben können, fällt auch die Berufsorientierung weg. Der Frauenverein hatte unter anderem jedes Jahr den sogenannten „Girls Day“ organisiert, bei dem sich Mädchen in Betrieben und Einrichtungen über Berufe informieren konnten. Auch die Betreuung von Mädchen mit traumatischen Erlebnissen oder mit Benachteiligungen wird vom Verein betrieben.