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Aus für den Rußfilter

Der Insolvenzverwalter sieht keine Zukunft für Clean Diesel Ceramic in Großröhrsdorf. Mitarbeiter haben bis zum Schluss daran geglaubt.

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© SZ

Von Reiner Hanke

Großröhrsdorf. Das Tor zur Werkshalle von Clean Diesel Ceramics (CDC) in Großröhrsdorf ist geöffnet. Eine Mitarbeiterin montiert dort die keramischen Segmente eines Rußpartikelfilters für Dieselfahrzeuge. Es war eine echte Neuheit, mit der CDC Mitte des vorigen Jahrzehnts an den Start ging. Ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Dresdner Fraunhofer-Institut für keramische Technologien und Systeme und ein Beispiel für die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft.

Dennoch werden jetzt von wenigen verbliebenen Mitarbeitern die letzten Filtersegmente zusammengefügt und verklebt. Ende Juli sah sich die Geschäftsführung gezwungen, den Antrag auf Insolvenz zu stellen. Damals ließ die vorläufige Insolvenzverwaltung, die Sozietät Kübler in Dresden, noch wissen: „Wir prüfen, ob eine Fortführung des Geschäftsbetriebs möglich ist“, so Sprecher Sebastian Glaser.

Mitarbeiter verlieren ihren Job

Knapp 30 Mitarbeiter waren hier einmal tätig. Jetzt teilt die Insolvenzverwaltung mit: „Die Produktion war bereits zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung am 29. Juli stark zurückgefahren. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch elf Mitarbeiter für das Unternehmen, die in den letzten Wochen im Wesentlichen mit der Ausproduktion von bestehenden Aufträgen beschäftigt waren.“ Die Insolvenzverwaltung sehe aber keine Zukunft für CDC. So werde der Geschäftsbetrieb der Clean Diesel Ceramics GmbH stillgelegt. „Die Mitarbeiter wurden von der Geschäftsleitung und vom vorläufigen Insolvenzverwalter informiert.“ Sie verlieren ihren Job. Eine bittere Nachricht.

Was aus Sicht des Insolvenzverwalters sehr sachlich und nüchtern klingt, geht Geschäftsführer Dr. Thomas Rahn sichtlich nahe. Denn in diesen Rußpartikelfiltern, vor allem für Großdieselfahrzeuge vom Laster bis zum Schiff, sind nicht nur mehrere Millionen an Investitionskosten geflossen, inklusive Fördermittel. Sondern auch viel Arbeit und Herzblut. Als der Chef den Filter vor Jahren präsentierte, war nicht wenig Stolz über das Produkt im Spiel: „99 Prozent der Rußpartikel gelangen nicht mehr in die Atemluft, sondern bleiben im Filter.“ Keine schwarzen Abgaswolken mehr, deutlich weniger krebserregende Stoffe: „Die Gesundheit der Menschen zu schützen, ohne dazu ihre Mobilität einzuschränken“, so Dr. Rahn, das sei der Grund gewesen, „warum wir angefangen haben die Filter zu bauen“. In erste Linie, um bestehende Fahrzeuge umzurüsten. Das sei auch über Jahre erfolgreich gelungen. Zum Beispiel mit dem Großauftrag für die Schulbusflotte der Stadt New York. „Wir haben nichts falsch gemacht“, ist sich Thomas Rahn sicher. Es habe nie Reklamationen gegeben. Der Filter sei quasi weltweit zugelassen. Das Geheimnis der mehrfach prämierten Keramik steckt in der raffinierten Geometrie der Filterkanäle, die den Ruß besonders effektiv beseitigen. Umso bitterer ist das Aus. Letztlich habe es wohl vor allem in Europa am politischen Willen gefehlt, dem Ziel eines sauberen Diesels den Weg zu ebnen und Abgasnormen danach auszurichten. Es sei unter dem Druck der großen Autohersteller offensichtlich nicht gewollt gewesen, resümiert Thomas Rahn.

Politik verschließt sich dem Thema

Er nennt Beispiele: So seien bis auf Berlin keine Umweltzonen entstanden, die diesen Namen auch wirklich verdienen würden. Die Politik verschließe sich dem Thema. Mit der modernen Technologie hätte VW keine Schummelei nötig gehabt. Aber moderne Filtertechnik koste eben auch Geld. Die Huss Group als Kooperationspartner für die Herstellung von Partikelfiltern, ebenfalls mit Thomas Rahn an der Firmenspitze, habe sich schließlich auf den US-Markt konzentriert. Dort sei jetzt auch der Hauptsitz mit zwei Standorten in Kalifornien und New York. In den USA habe der jüngste wirtschaftliche Einbruch CDC den Boden unter den Füßen weggezogen. Ein Gesetz sei für fünf Jahre ausgesetzt worden, das zur Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit effektiveren Rußpartikelfiltern verpflichtet hatte: „Über Nacht sind uns 60 Prozent des Marktes weggebrochen.“

Die Geschäftsführung habe alles versucht, das zu kompensieren und CDC am Leben zu erhalten, die Firma neu auszurichten. So sind die Filter auch hervorragend zur industriellen Reinigung von Wasser geeignet, erklärt Rahn. Die Zeit habe aber nicht mehr gereicht, um das Ruder herum zu reißen. So müsse sich nun auch die Firma Huss einen neuen Partner suchen, der solche Abgasfilter herstellt. Eine Betriebsstätte mit Lager bleibe aber auch weiterhin in Großröhrsdorf. Er pendle zwischen Deutschland und den USA.

Die Unternehmenswerte von CDC werden nun nach Information der Insolvenzverwaltung veräußert. Der Erlös fließe an die Gläubiger. Sebastian Glaser: „Ohne neue Aufträge oder Interesse von Investoren, ist eine Fortführung des Unternehmens nicht möglich.“ Am Freitag endet die Produktion. Damit auch eine Chance, den Diesel sauberer zu machen. Geschäftsführer Rahn lobt seinerseits das Engagement der Belegschaft : „Bis zum letzten Tag haben alle an dieses Projekt geglaubt.“