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Bautzen

Spreewiese feiert

Vor 625 Jahren wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt. Zum Jubiläum erscheint ein Gesichtsbüchlein – mit interessanten Details.

Einladung in die Kulturscheune von Spreewiese: Alexander Golchert vom Heimatverein des Ortes freut sich auf Sonntag, wo das Dorf das Jubiläum zur Ersterwähnung 1394 feiert. An historischem Ort.
Einladung in die Kulturscheune von Spreewiese: Alexander Golchert vom Heimatverein des Ortes freut sich auf Sonntag, wo das Dorf das Jubiläum zur Ersterwähnung 1394 feiert. An historischem Ort. © Steffen Unger

Spreewiese. Möchten Sie in einem Ort mit dem Namen Leichnam leben? Nun, bis 1910 hieß Spreewiese, der heutige Ortsteil von Großdubrau, noch so. Vom sorbischen Ortsamen Lichan abgeleitet, wurde daraus Leichnam. Allerdings, so sieht es zumindest der Vorsitzende des Heimatvereins Spreewiese, Alexander Golchert, kann man sich ja die positive Übersetzung nehmen. Da sind es nämlich Menschen, die in einer Siedlung leben, in der sie frei sind. So ähnlich erklärt dies der Autor des kleinen Büchleins aus dem Via-Regia-Verlag, Jan Bergmann-Ahlswede. Zum Jubiläums-Dorffest am historischen Ort können die Besucher es nicht nur kaufen, sondern auch dem Autor zuhören.

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Es war eine Idee in der Mitgliederversammlung des immerhin 35 Mitglieder starken Heimatvereins. Die Dörfer rings um Spreewiese feierten, warum nicht auch Spreewiese? Doch um es nicht bei Bratwurst und Bier zu belassen, gingen die Vereinsmitglieder auf Sponsorensuche. Von der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen, der Stiftung für das sorbische Volk und auch vom Landkreis kam Unterstützung. Und so konnte der verein ein kleines, aber feines Programm auf die Beine stellen. Das Fest findet am Sonntag rund um die Kulturscheune im Schlosspark statt. Schlossherr Paul Wehrle-Nielsen freut sich, dass im großen Ausstellungsraum wieder Leben einzieht. Es gibt eine Ausstellung mit Fotos und Zeitdokumenten. Für einen Vortrag von Jan Peper aus dem Biosphärenreservat zum Thema Spree haben sich bereits Gäste von weit her angemeldet, weiß Alexander Golchert. Und auch, dass Spreewiese sogar in Hamburg bekannt ist. Nun gut, das hängt mit einem längeren Aufenthalt in dem gut 130 Einwohner zählenden Dorf zusammen. Aber das Ergebnis hat den Verein gefreut. „Der Hamburger hat in Geschichten alles aufgeschrieben, was er hier erlebt hat“, sagt Golchert.

Liebenswerte Ruhe

Seit 15 Jahren lebt Alexander Golchert in Spreewiese. „Man muss die Ruhe lieben“, sagt er schmunzelnd, denn die zeichnet den Ort aus. Und auch ein „Zusammenhalt auf Zuruf“, wie er es nennt, wenn die Einwohner mal wieder eine ihrer Aktionen starten und Mitmacher gebraucht werden. Seitdem die frühere Bundestagsabgeordnete Maria Michalk, die in Spreewiese lebt, die Politik an den Nagel gehängt hat, ist sie aktiv bei der Vorbereitung dabei. Und wird am Sonntag Geschichten lesen.

Spreewiese hat viel geschaffen: Bepflanzte Ortseingangs-Begrüßungsschilder, einen Bolzplatz, eine Bücher-Telefonzelle. Das nächste Vorhaben ist ein Mehrgenerationen-Platz rund um die Mini-Bibliothek. Im Herbst wird es dafür eine Pflanzaktion geben, im Frühjahr hoffentlich die Sitzgelegenheiten und eine Boccia-Bahn entstehen, bevor es auch eine Wanderhütte geben soll. „Dafür müssen wir nun erst einmal Geld sammeln“, sagt Golchert, der hofft, den Grundstock dafür am Sonntag legen zu können.

Durch Spreewiese mit dem historischen Schloss, das gern für Hochzeiten genutzt wird, kommen viele Radler, denn es gibt zwei Radwanderwege. Vielleicht halten auch sie am Sonntag einmal an.

Jubiläumsfeier am Sonntag: 11 Uhr Großdubrauer Blasmusikanten, 13.30 uhr Frauenchor Königswartha, 14 Uhr Geschichte vom Schloss, 14.30 Uhr Vortrag zur Spree, 16 Uhr Geschichten zur Geschichte (Lesung), 16.30 Uhr Auftritt TanzArt Kirschau