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Aus Rüstkammer wird Skulpturenhalle

Der Freistaat betreibt in der Sempergalerie viel Aufwand. Bei der Sanierung entsteht in Kürze sogar ein Tunnel.

© Sven Ellger

Von Peter Hilbert

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Der Zwinger ist eine Großbaustelle. Das Kronentor erstrahlt in neuem Glanz, sodass kürzlich die Gerüste fallen konnten. Der Wallpavillon wird auf die Sanierung vorbereitet, die 2015 beginnt. Das größte Projekt ist derzeit die Sempergalerie. Während am Ostflügel seit über einem Jahr Gerüste emporragen, die sich allerdings hinter schmucken Planen verbergen, herrscht am westlichen Pendant nach wie vor Hochbetrieb. Denn in die Gemäldegalerie strömen Monat für Monat Zehntausende Touristen. Dieser Gebäudeteil wird später saniert. Bis Mai 2015 soll der Bau im Ostflügel beendet sein, stellt Sprecher Stephan Gößl vom Finanzministerium in Aussicht.

Die Skulpturenhalle: Ölanstrich soll wertvolle Wände schützen

Der Freistaat musste in der Sempergalerie schnell handeln, da es 2012 große Wasserschäden gegeben hatte. Entwässerungsrohre verliefen durch Schächte in den Wänden. Die waren undicht, sodass Wände feucht wurden und schimmelten. Deshalb wurden schnell 47 Millionen Euro eingeplant, um das im 19. Jahrhundert von Gottfried Semper errichtete Gebäude komplett sanieren zu können. Nasse Wände wird es künftig nicht mehr geben, da druckfeste Rohre eingebaut werden, die zu den Innenwänden hin verdämmt sind, auch zur künftigen Skulpturenhalle. Die entsteht im Ostflügel, wo zuvor die Rüstkammer war, die wiederum jetzt im Riesensaal ist. Künftig wird im Ostflügel eine Ausstellung antiker Skulpturen gezeigt, die aus dem Albertinum kommt. „Die Fenster und die technische Erschließung sind weit vorangekommen“, erläutert Gößl. Jetzt sollen Gerüste aufgestellt werden, damit die Maler zum Zuge kommen können. Rote Farbtöne werden den vorhandenen historischen angepasst. Statt der bisherigen Dispersionsfarbe werden Maler allerdings einen robusten, hochwertigen Ölanstrich auftragen.

Der Tunnel: Unterirdischer Gang verbindet beide Flügel

Besucher kommen künftig komfortabler vom Westflügel mit dem Kassenbereich und der Garderobe zur anderen Seite der Sempergalerie. Dafür wird ein unterirdischer Gang im Keller ausgebaut. Einerseits wird es Treppen geben, zum anderen an beiden Seiten Aufzüge. „Bis jetzt wurden die dort liegenden technischen Installationen umgeschwenkt“, beschreibt Gößl den Baustand. „Die Querung wird ab Januar möglich. Der Gang muss im Tunnelprinzip vorangetrieben werden.“ In der Gemäldegalerie bleiben das Foyer sowie die Kassen und Garderoben trotz der Rohbauarbeiten in Betrieb.

Der neue Fluchtweg: Kunstwerke bekommen einen Extra-Aufzug

Am hinteren Ende des Ostflügels wird ein neuer Aufgang angelegt. Die Bauleute errichten ab dem einstigen Turniersaal der Rüstkammer eine Treppe. Außerdem ist je ein Aufzug für Personen und für Kunstwerke geplant. Im Notfall gibt es so nicht nur einen sicheren Rettungsweg für Personen, sondern auch für Kunstwerke. Für große Gemälde war es bisher nicht nur ein Kraftakt, sondern auch eine erhebliche Gefahr, wenn sie auf anderen Wegen hinabbugsiert werden mussten. Derzeit sind die Handwerker beim Rohbau des neuen Aufgangs. „Die Montage der Aufzüge hat aber noch nicht begonnen“, so Gößl.

Das Obergeschoss: Mehr natürliches Licht in den Ausstellungsräumen

Bessere Bedingungen für künftige Besucher werden derzeit im Obergeschoss geschaffen. So wird eine moderne Be- und Entlüftungsanlage eingebaut. Installiert werden zudem Rauchgasventilatoren für Brände. „Der Dachstuhl wurde verstärkt und für den Einbau technischer Geräte vorbereitet“, erklärt der Sprecher. Die Geräte und Anlagen sind zum Großteil angeliefert und werden schrittweise eingebaut.

Besucher können die Gemälde künftig bei Tageslicht betrachten. Denn Handwerker erneuern die Oberlichter, die alten aus Milchglas werden durch neue Scheiben mit einem Mikroraster aus Draht ersetzt.

Der Zeitplan: 2017 soll Sempergalerie komplett saniert sein

Ist der Ausbau im Mai 2015 beendet, folgt der nächste Schritt. Bis August 2015 sollen die technischen Anlagen in Betrieb genommen, getestet und durch Fachleute geprüft werden. Dann werden auch die Ausstellungen eingerichtet. Auch die Sixtinische Madonna zieht dorthin. Bis 2017 soll danach der Westflügel saniert werden.