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Ausbau in Dukovany - Tschechien denkt nicht an Atomausstieg

Während in Deutschland beim Thema Atomenergie die Wellen hoch schlagen, ist der Atomausstieg im Nachbarland Tschechien kein Thema. Die beiden Kraftwerke Dukovany und Temelin erzeugen ein Drittel des Stroms im Lande.

Von Michael Heitmann

Dukovany. Das tschechische AKW Dukovany wird gerade modernisiert. In der Maschinenhalle der Blöcke 3 und 4 zerteilen Arbeiter mit Kreissägen Rohrleitungen, lackieren oder schrauben. Die riesigen Turbinen mit Namen wie „Marie“ oder „Zdena“ erhalten ein neues Innenleben. Dafür werden sie nach und nach komplett auseinandergenommen.

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Die Telefonzellen im Maschinenraum verraten das Alter der Anlage. Sie versprühen noch den Charme des vor zwei Jahrzehnten verabschiedeten Sozialismus. Die erste Kettenreaktion lief hier an Silvester 1984 ab. Jetzt wird der 170 Kilometer südöstlich von Prag gelegene Atommeiler schrittweise für das 21. Jahrhundert fit gemacht - und die Leistung erhöht. Die Ziele des Betreibers CEZ sind ehrgeizig. 2012 sollen hier 15 Terawattstunden produziert werden, eineinhalb mehr als der bisherige Rekord von 2008.

Auch wenn zurzeit nur Block 4 modernisiert wird, muss auch Zwillings-Block 3 für drei Wochen stillstehen. „Immer wenn man etwas auseinandernimmt, braucht man auf einmal doppelt so viel Platz“, erklärt Pressesprecher Petr Spilka.

Keine Laufzeitdebatte in Tschechien

Eine Laufzeitdebatte wird in Tschechien nicht geführt. Die beiden AKW Dukovany und Temelin erzeugen 33 Prozent des Stroms im Lande. Allerdings muss alle zehn Jahre die Lizenz für den Betrieb der einzelnen Reaktoren erneuert werden. „Das ist wie beim Auto“, sagt Spilka. „Man hat den TÜV auf fünf Jahre. Dann muss man nachweisen, dass das Auto in Ordnung ist, dass es gut bremst und alle Lichter brennen.“

Einen Schwachpunkt hat das AKW Dukovany: Es fehlt das äußere Containment. Die zentimeterdicke Stahlbeton-Schutzhülle um deutsche Kernreaktoren soll bei einem GAU („Größter anzunehmender Unfall“) dem entstehenden Druck im Inneren standhalten.Pressesprecher Spilka beschwichtigt. „Das ist unser Auffangbehälter für den entwichenen Dampf“, sagt er und zeigt auf ein Modell im Besucherzentrum, „es ist ein Kondensations-Containment“. Hier soll im Ernstfall radioaktiver Dampf in Wasservorlagen kondensieren, so der Sprecher.

Anders als das AKW Temelin, das vor zehn Jahren in Betrieb ging, sorgt das ältere Dukovany wenig für Schlagzeilen. Vor 16 Jahren geriet ein Leistungstransformator in Brand. Er steht, komplett instand gesetzt, heute noch auf dem Werkgelände. Zuletzt kam es im Februar zu einer Störung in einem Schaltraum.

Kritik an den Modernisierungsplänen des Stromkonzerns CEZ kommt von der Bürgerbewegung „Südböhmische Mütter“. Die Schweißnähte der Reaktordruckbehälter sowjetischer Bauart seien langfristig anfällig für Versprödung, sagte deren Sprecherin Monika Wittingerova auf Anfrage. „Solange ein negativer Einfluss des AKW auf die Gesundheit der Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden kann, sollte über die Laufzeitverlängerung überhaupt nicht nachgedacht werden“, protestiert die Aktivistin.

Auf dem Betriebsgelände des Kernkraftwerks soll derweil mit einer Probebohrung festgestellt werden, ob das Gelände geologisch für einen Reaktorneubau geeignet ist. Der tschechische Energiekonzern CEZ spricht von einer „Option“ - und sucht nach neuen Absatzmärkten. Das AKW könnte etwa das 40 Kilometer entfernte Brünn (Brno) mit Fernwärme versorgen, berichteten tschechische Zeitungen Ende Oktober. Sie beriefen sich auf ein Gutachten des Umweltministeriums. Die Betreiberfirma CEZ wollte sich zu den möglichen Plänen nicht äußern. (dpa)