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Radebeul

Ausfallzeiten als Zankapfel

Wenn die Tagesmutter Urlaub hat, müssen Eltern meist freinehmen. Manche wollten das nicht mehr. Und drohten mit dem Anwalt. Seit Monatsbeginn gibt es nun eine Verbesserung. Aber offenbar nicht für alle in gleichem Umfang.

Wenn die Tagesmutter krank ist, gibt es Ersatz. Wenn sie Urlaub hat, müssen meist die Eltern einspringen. Das Problem haben Eltern, deren Kinder in die Kita gehen, nicht.
Wenn die Tagesmutter krank ist, gibt es Ersatz. Wenn sie Urlaub hat, müssen meist die Eltern einspringen. Das Problem haben Eltern, deren Kinder in die Kita gehen, nicht. © dpa

Coswig. Familiär geht es bei den Tagesmüttern zu, die maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen. Familienfreundlich weniger, was allerdings nicht an den Tagesmüttern liegt. Wer sein Kind in eine Kita bringt, muss sich um Ausfallzeiten wie Urlaub, Weiterbildungen und Krankheitstage der Betreuungspersonen keine Gedanken machen. Anders bei den Tagesmüttern. Dabei sind beide Betreuungsformen vor dem Gesetz gleichgestellt.

Für die Kommunen ist es schwer umsetzbar, eine Vertretung für die Tagespflegepersonen zu organisieren. Die meisten Eltern wurschteln sich die zwei Jahre, die ein Kind höchstens bei einer Tagesmutter ist, irgendwie durch.

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Aber es gibt auch eine kleine Gruppe, die das so nicht länger hinnehmen will. Die Stadt Coswig ist dabei an ein Paar geraten, das hartnäckig geblieben ist.  Auch, weil es länger als andere Eltern von den Ausfallzeiten betroffen ist. 

Sven und Christiane Böttger haben ihren Sohn in die Kita gegeben und den freien Platz bei der Tagesmutter mit ihrer jüngeren Tochter belegt. Und sie forderten von der Stadt, dass es auch für die Urlaubstage der Tagesmütter eine Vertretung gibt. Für 15 der 26 Tage.

Bisher gab es die nur für Krankheitstage und bei Weiterbildung der Tagesmütter. Allerdings hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr angekündigt, dass in diesem Jahr für fünf Urlaubstage eine Vertretung organisiert wird. Das reichte Böttgers nicht. „Wir sind beide berufstätig“, begründet es Christiane Böttger. Deshalb hatten sie sich im Februar einen Anwalt genommen. Nur in letzter Sekunde konnte ein Rechtsstreit verhindert werden.

Die Tagesmutter, die die Tochter betreut, war geplant für drei Tage nicht da. Böttgers wurde angeboten, dass ihre Tochter in einer Kita untergebracht werden könnte. Nach langem Hin und Her konnte erst wenige Stunden vorher eine Lösung gefunden werden. Die Stadt bezahlte eine Tagesmutter, die Böttgers vorher auch schon manchmal privat engagiert hatten.

Vier Tagesmütter gab es bisher in Coswig, plus eine Ersatztagespflegeperson, die bei Krankheit einspringt. Mike Schlagowsky, zuständig in der Stadtverwaltung für Schulen und Kitas, betont, dass die Tagesmütter einen tollen Job machen, das System bis 2018 gut funktioniert habe. „Ein Großteil der Eltern hat seinen Urlaub mit der Tagesmutter abgestimmt, im Zweifelsfall die Großeltern mit eingespannt.“ Das größte Problem, das die Stadt bei dem Thema habe, sei, Personal zu finden, das die Ersatzbetreuung übernimmt, hatte der Mann aus der Stadtverwaltung noch im Frühjahr gesagt. Das Familienzentrum Radebeul, das für die Tagesmütter zuständig ist, suche seit einem halben Jahr.

Dann kam Corona. Und die Situation für die Eltern mit kleinen Kindern verschärfte sich durch die notwendig gewordene Zuhause-Betreuung weiter.Doch inzwischen hat sich die Situation offenbar entspannt. Denn es gibt nicht nur eine weitere Tagesmutter, sondern seit 1. Juli nun auch die lang gesuchte zweite Person für die Ersatzbetreuung.

Für die Böttgers hat sich die Situation damit jetzt komplett entspannt. „Wir haben alle beantragten Termine für die Urlaubsvertretung zugesagt bekommen. Drei Wochen im Sommer und eine im Herbst“, sagt Christiane Böttger. Das sei nun sogar mehr als ursprünglich erhofft.“ Denn auch in den Kitas gebe es ja meist um Weihnachten herum Schließzeiten, wo sich die Eltern meist um die Betreuung ihrer Kinder kümmern müssten. „Besser gestellt wollen wir nicht sein, sondern nur das gesetzlich verbriefte gleiche Recht auch tatsächlich bekommen.“ Für Notfälle werde allerdings auch in den Kitas meist eine Notbetreuung in einer anderen Einrichtung angeboten.

Wie Christiane Böttger sagt, hätten auch die anderen Eltern, die Kinder bei der Tagesmutter der Böttgers haben, ihre beantragten Tage jetzt bewilligt bekommen.Mike Schlagowsky sagte auf Nachfrage der SZ am Freitag: „Durch die zweite Ersatzperson können wir jetzt zehn statt fünf Tage Urlaubsvertretung absichern. Zum Teil haben wir auch eigentlich Unmögliches möglich gemacht.“ Aus Sicht der Stadt sei damit jetzt eigentlich alles abgedeckt, was angemeldet war.

Zumindest eine Mutter sieht das offenbar anders. Die Böttgers wollen daher auch alle Eltern ermuntern, ihren Bedarf bei der Stadt anzumelden. Denn Mike Schlagowsky sagt auch: „Wir brauchen den realen Bedarf. Denn das, was wir vorhalten, muss bedarfsgerecht sein. Wir müssen sorgsam mit unseren Geldern umgehen.“

Böttgers argumentieren allerdings auch damit, dass die Stadt jeden Monat 430 Euro pro Kind spart, das nicht in die Krippe, sondern zur Tagesmutter geht. Diese Rechnung gehe nicht auf, entgegnet Schlagowsky. Zur Vergütung der Tagesmütter kämen beispielsweise noch Zuschüsse zu Kranken- und Rentenversicherung, Kosten für die Verwaltung und die Ersatzbetreuung hinzu. Es so umzusetzen, wie Familie Böttger es sich wünscht, sei für kleine Kommunen schwer leistbar. Im Gesetz sei zwar geregelt, dass alle Fehlzeiten abgedeckt werden müssen, aber es sei nicht genau definiert, was zu Fehlzeiten gehört. „Das wurde nicht zu Ende gedacht“, moniert Schlagowsky.

Die Familie Böttger hat nicht nur ihr Ziel erreicht, für den Urlaub ihrer Tagesmutter eine Vertretung zu bekommen. „Wir wollten auch beweisen, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Denn das, was wir fordern, ist nicht mehr als die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.“

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