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Ausflug mit Hindernissen

Die Forstleute sind mit schwerer Technik im Osterzgebirge im Einsatz – zum Leidwesen der Wanderer.

© privat

Von Mandy Schaks

Osterzgebirge. Auch in knapp 900 Meter Höhe kriecht die Quecksilbersäule des Thermometers langsam, aber sicher in den Plusbereich. Zwar immer noch einstellig, doch die Sonne gewinnt zunehmend an Kraft. Während die letzten unverwüstlichen Skilangläufer noch über die Osterfeiertage eine Runde drehten – laut Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld gab es am 2. April sogar noch einmal etwas Neuschnee –, freuen sich die Wanderer nun endgültig über den anbrechenden Frühling. Doch die Freude ist in der Urlaubsregion Altenberg getrübt.

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Zermatschte Wanderwege

Manche Wege sind nicht in dem Zustand, wie sich das Ausflügler erhoffen. So traf Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) über Ostern viele Gäste im Kahleberggebiet, die mit Skiern oder auch zu Fuß unterwegs waren und sich an der Natur erfreuten. Aber er hörte auch Kritik. „Leider sind die Wege vom Forst zerfahren“, ärgert sich Kirsten und nennt als Beispiele den Evasteig und den Zaunhauser Weg, der Hauptwanderweg zur höchsten Erhebung im sächsischen Osterzgebirge, zum 905 Meter hoch gelegenen Kahleberg. „Natürlich ist mir auch bekannt, dass der Sturmschaden beseitigt werden muss“, sagt er. Doch der Rathauschef fragt sich trotzdem, ob damit wirklich unmittelbar vor Ostern und dem Beginn der Osterferien begonnen werden musste. „Hätte man da nicht eine Woche warten können?“

Er macht sich Sorgen um den Tourismus, einen der wichtigsten Erwerbszweige in Altenberg. Kirsten zufolge hängen daran fast 2 000 Arbeitsplätze. „Alles, was geht, müssen wir unternehmen – nicht können oder wollen –, sondern müssen wir machen, dass wir im Wettbewerb der Regionen und Destinationen bestehen können.“ Bei allen Zwängen müsse es gelingen, dass Forst und Tourismus gemeinsam im ganzen Jahr funktionieren. „Das müssen wir einfach besser hinbekommen.“

Im Forstbezirk Bärenfels ist man sich durchaus bewusst, dass die Situation nicht einfach ist – für beide Seiten. Auch in der Vergangenheit ist es gelegentlich schon zu Interessenskonflikten gekommen, übrigens nicht nur im Osterzgebirge. Die einen wollen sich im Wald erholen, die anderen müssen die Flächen bewirtschaften, auch damit sich noch nachfolgende Generationen am Wald erfreuen können. Da kommt man sich ab und an in die Quere. Doch diesmal ist die Lage eine ganz andere. Deshalb kann Kristina Funke, die Sprecherin in der Bärenfelser Forstzentrale, auch keine befriedigende Antwort geben. Das sagt sie auch so und redet gar nicht drum herum. „Wir können nur um Verständnis werben.“ Die Forstleute sind im Ausnahmezustand, arbeiten mit Unterstützung von Firmen im Wettlauf mit der Zeit. „Wir hatten drei Sturmkatastrophen“, sagt sie. „Herwart“ und „Friederike“ sind den meisten Osterzgebirglern noch in Erinnerung. In den turbulenten Zeiten ist dabei fast untergegangen die dritte stürmische Dame namens „Burglind“, die das Treiben noch zusätzlich verrückt machte, sodass innerhalb von nur drei Monaten die Wälder im Forstbezirk Bärenfels arg gerüttelt und geschüttelt wurden. „Wir haben 160 000 Kubikmeter Schadholz“, sagt Frau Funke. Das sei mehr, als sonst im ganzen Jahr geerntet wird – geordnet und auf vorher geplanten Flächen. Jetzt liegt alles auf einmal im Landeswald, kreuz und quer. Die Sicherheit für die Waldbesucher sei gewährleistet. Doch Zeit lassen mit dem Aufräumen kann sich der Forst trotzdem nicht.

Die Zeit sitzt dem Forst im Nacken

„Wir müssen so viel Holz wie möglich aus dem Wald holen, bevor der Borkenkäfer kommt“, erklärt Kristina Funke. Und bevor die jungen Bäume, die unter den angeschlagenen Altbeständen quasi begraben liegen, aus dem Winterschlaf erwachen und unter der Last brechen könnten. Außerdem müssen Flächen für die Frühjahrspflanzung vorbereitet werden. Mit der Aufarbeitung der Schäden sei der Forstbezirk schon sehr weit gekommen. „Wir sind in Sachsen diejenigen, die mit am weitesten damit sind“, so die Forstfachfrau. Aber angesichts der fortschreitenden Vegetation noch nicht weit genug, auch weil eben Strecken wie der Zaunhauser Wege im Winter Loipen sind, die man nicht kaputt machen wollte.

Jetzt drängt aber die Zeit. „Wir können leider keine Rücksicht nehmen“, sagt Frau Funke, ohne schwerwiegende Folgeschäden zu riskieren. Da nun die Wege, auf denen Holztransporte stattfinden, auftauen und zurzeit feucht sind, hinterlässt die schwere Technik deutliche Spuren zum Leidwesen der Wanderer. „Wir werden das auch wieder in Ordnung bringen“, verspricht die Forstverwaltung. Aber das werde nicht von jetzt auf gleich. „Wir werden uns dieses Jahr verstärkt damit auseinandersetzen müssen, dass Wege zerstört sind.“ Frau Funke will die Kritik zum Anlass nehmen, offensiv mit dem Problem umzugehen und die Tourismusbranche zu informieren, damit die Gäste sich darauf einstellen können.