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Ausgezeichnetes Ehrenamt

Elmar Günther hat am Freitagabend als Sprachrohr der Parkinson-Kranken den Zittauer Bürgerpreis erhalten. Den erhielten auch zwei weitere Engagierte.

© Rafael Sampedro

Von Jan Lange

Zittau. Elmar Günther genießt die frische Winterluft. Jeden Tag ist der 76-Jährige ein- bis eineinhalb Stunden draußen unterwegs, zweimal in der Woche geht es sogar hinaus bis ins Zittauer Gebirge. Sport spielte in Günthers Leben schon immer eine große Rolle. Und dennoch ist heute vieles anders als noch vor zehn Jahren. Der Zittauer ist an Parkinson erkrankt. 2007 erhielt er die Diagnose. Davon ließ er sich aber nicht unterkriegen, sondern blieb aktiv. Vor allem in der Parkinson-Selbsthilfegruppe, der er, kurz nachdem er von seiner Erkrankung erfuhr, beitrat.

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Anfangs nur einfaches Mitglied, übernahm Elmar Günther 2011 im Vorstand die Funktion des Stellvertreters. Die Mitgliederzahl der Selbsthilfegruppe konnte seitdem mehr als verdoppelt werden. „Mit Überzeugungskraft, Beharrlichkeit und Charme gelingt es ihm, die Truppe voranzutreiben“, loben Bernd und Ingrid Rähder, beide selbst Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfegruppe, Elmar Günther. Er sei der Motor und das Sprachrohr der Truppe. Seinem Organisationstalent, seiner lockeren und ansprechenden Art sei es zu verdanken, so Rähders weiter, dass die monatlichen Veranstaltungen von den Mitgliedern gern besucht werden. Über 80 Prozent der in der Selbsthilfegruppe organisierten Parkinson-Kranken nehmen regelmäßig an den Treffen teil.

Der 76-Jährige ist dabei voller neuer Ideen: 2014 organisierte er erstmals einen Oberlausitzer Parkinsontag in Zittau. Momentan ist er damit beschäftigt, die dritte Auflage dieser Veranstaltung mit 240 Gästen vorzubereiten. Voriges Jahr stellte er darüber hinaus das erste Mal ein Frühlingsfest auf die Beine – erneut ein großer Erfolg, der auch dem Geschäftsführer der deutschen Parkinson-Vereinigung, Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, nicht verborgen blieb. „Elmar Günther macht unsere Regionalgruppe und die Oberlausitz ein Stück weit bekannter“, finden Bernd und Ingrid Rähder. Für seinen engagierten Einsatz erhielt der Zittauer am Freitag den Bürgerpreis der Zivita-Stiftung, der zum zehnten Mal verliehen wurde. Die Auszeichnung hätte er durchaus schon früher verdient, denn ehrenamtlich tätig ist Elmar Günther seit gut 60 Jahren. Bereits als Schüler organisierte er Fußball-Schulmeisterschaften in der Weinau. Mit 15 stieg er bei der Volleyball-Mannschaft von Chemie Zittau ein, ab 1960 spielte er dann bei Turbine. So war es kein Wunder, dass er Sportjournalist werden wollte. Trotz guter Zeugnisse durfte Elmar Günther aber nicht auf die Erweiterte Oberschule, da seine Eltern ein eigenes Blumengeschäft betrieben und er somit kein Arbeiterkind war. So wurde er Gärtner.

Die Liebe zum Sport blieb allerdings. Und auch Schreiben konnte er letztlich – zuerst für die Sächsische Zeitung Berichte über Radsport und Boxen, ab Mitte der 1960er Jahren verfasste er dann die wöchentlichen Spielberichte für Lok Zittau. So kam er zum Fußball und wurde 1967 so nebenbei Mannschaftsleiter der Lok-Männer-elf. Das blieb er über 20 Jahre. Er holte legendäre Mannschaften aus der DDR-Oberliga wie Carl-Zeiss Jena, Lok Leipzig oder Energie Cottbus nach Zittau. 4000 und mehr Zuschauer strömten zu diesen Spielen in die Weinau.

Günther konnte eben nie nein sagen. Auch nicht, als man ihn 1965 bat, im Etappenbüro der Internationalen Friedensfahrt mitzumachen. Er war für die Streckensicherung verantwortlich. „Eine tolle Aufgabe“, wie er noch heute findet. Nach der Wende, als es galt, sich mit dem familiären Blumengeschäft auf dem Markt zu behaupten, blieb er nicht lange ohne ehrenamtliche Tätigkeiten. Schon 1990 wurde er in den Gärtnerverein berufen, später auch in den Floristenverband. Nachdem er das Blumengeschäft im Jahr 2000 an seinen Sohn übergeben hatte, standen sofort die Fußballer bei ihm wieder auf der Matte. Aufgrund seiner Erkrankung kann er heute keinen Ballsport mehr betreiben. Nur zuhause herumsitzen will er dennoch nicht.

Seine Krankheit hat der 76-Jährige nach eigener Aussage gut im Griff, auch wenn er immer wieder daran erinnert wird, dass er nicht gesund ist. Das 25-jährige Bestehen der Parkinson-Selbsthilfegruppe im nächsten Jahr will der Zittauer gern noch mitgestalten, danach sollen Jüngere die Arbeit im Vorstand übernehmen.