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Die Legionäre von Kiew

Minister werden nur Bürger des eigenen Landes? Nicht in der Ukraine. Die Führung in Kiew will Modernität zeigen und hat ihre Ressortchefs auch in den USA, Litauen und Georgien gesucht.

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© dpa

Kiew. In Kiew ist schon einmal ein Staatswesen mit Hilfe von Ausländern aufgebaut worden: Die mittelalterliche Kiewer Rus stützte sich auf Wikinger aus Schweden. Auch in der heutigen Ukraine setzt Regierungschef Arseni Jazenjuk auf Erfahrung aus dem Ausland. Er will dabei vor allem an Reformerfolge der Kaukasusrepublik Georgien unter Präsident Michail Saakaschwili anknüpfen. Von dort kommen die meisten Personalimporte - einschließlich des Ex-Staatschefs.

Die Legionäre in der ukrainischen Führung:

FINANZMINISTERIN NATALIA JARESKO: Die 50-Jährige wurde im US-Staat Illinois geboren. 1992 kehrte sie als Mitarbeiterin der US-Botschaft in das Land ihrer Eltern zurück. Später leitete sie einen US-Regierungsfonds und erwarb ein Millionenvermögen. Ukrainisch ist ihre zweite Muttersprache. Die geschiedene Mutter zweier Töchter wird immer wieder als mögliche Regierungschefin gehandelt.

WIRTSCHAFTSMINISTER AIVARAS ABROMAVICIUS: Der 39-Jährige wurde 1988 sowjetischer Meister im Basketball mit der Kindermannschaft Litauens. Nach dem Studium in Estland und Stationen in Schweden und Russland lebte er seit 2008 als Manager für einen schwedischen Investmentfonds in Kiew. Mit seiner ukrainischen Frau hat er drei Kinder.

GESUNDHEITSMINISTER ALEXANDER KWITASCHWILI: Der 45-jährige Historiker aus Georgien arbeitete nach Stationen in den USA zwei Jahre in seiner Heimat als Gesundheitsminister unter Präsident Michail Saakaschwili. Den gleichen Posten bekleidet er in der Ukraine. Im Juli reichte er seinen Rücktritt ein, der aber vom Parlament nicht angenommen wurde.

MICHAIL SAAKASCHWILI, GOUVERNEUR VON ODESSA: Dem 2013 abgewählten Staatschef von Georgien hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das Gebiet Odessa anvertraut, das zu einer Modellregion werden soll. Saakaschwili soll entbürokratisieren und die Korruption bekämpfen. Dem am 21. Dezember 1967 geborenen Politiker werden Ambitionen auf den Posten des Ministerpräsidenten nachgesagt. Mit Amtsinhaber Jazenjuk liefert er sich verbale Fernduelle. In Georgien wird Saakaschwili mit Haftbefehl gesucht, die neue ukrainische Staatsangehörigkeit schützt ihn vor Auslieferung. In Odessa stehen ihm die Georgier Georgi Lortkipanidse als Gebietspolizeichef und David Sakwarelidse als Gebietsstaatsanwalt zur Seite.

POLIZEICHEFIN CHATIJA DEKANOIDSE: Die 38-jährige Georgierin beriet den ukrainischen Innenminister Arsen Awakow, im November wurde sie Chefin der neuen Polizeibehörde. Die Expertin für internationale Beziehungen wurde in den USA ausgebildet. In Georgien leitete sie von 2007 bis 2012 die Polizeiakademie und war kurz Bildungsministerin.

STELLVERTRETER: Als Vize-Innenministerin der Ukraine ist Jekaterina Sguladse-Glucksmann hauptverantwortlich für die Polizeireform. In Georgien arbeitete die 37-Jährige auf der gleichen Position. Als weiterer Georgier ist der 46-jährige Gija Gezadse Stellvertreter des Justizministers, auch er bekleidete unter Saakaschwili hohe Regierungsposten. Zum Vize-Leiter des Antikorruptionsbüro der Ukraine wurde der erfahrene Staatsanwalt Giso Uglawa (40) aus Georgien berufen. Auch eine Russin wechselte in die Ukraine: Maria Gaidar dient in Odessa als Stellvertreterin von Saakaschwili. Sie ist die Tochter des russischen Reformpolitikers Jegor Gaidar (1956-2009). (dpa)