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Ausraster beim Sicherheits-Check

Ein polnischer Europapolitiker düpiert seinen Regierungschef durch antideutsche Ausfälle.

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Von Eva Krafczyk, Warschau

Eigentlich soll Jacek Protasiewicz den Europawahlkampf von Polens liberalkonservativer Regierungspartei führen. Doch der Politiker der Bürgerplattform (PO) hat sich beim Streit mit Zollbeamten auf dem Frankfurter Flughafen zu Worten hinreißen lassen, die bei Parteifreunden Betroffenheit ausgelöst haben – und die Frage, wie stark antideutsche Ressentiments trotz aller Aussöhnung und Freundschaft noch in vielen Köpfen verankert sind. Dabei ist der 46-Jährige unter anderem Vizepräsident des Europaparlaments.

Nach Angaben der Frankfurter Polizei ist gegen Protasiewicz Anzeige wegen Beamtenbeleidigung erstattet worden. Er soll zwei Zollmitarbeiter betrunken mit Nazi-Parolen beschimpft haben. Die Polizei machte keine Angaben zu den Worten, die bei dem Zwischenfall fielen. Der 46 Jahre alte Politiker selbst wirft dagegen den Beamten aggressives, ja fremdenfeindliches Verhalten vor. „Als ich das Wort „raus“ hörte, kochte ich über“, sagte er über den Vorfall. „Ich habe dem Beamten gesagt, dass „raus“ in meinem Land verbunden wird mit Wörtern wie „Hände hoch“ und „Heil Hitler“.“

In Polen schlägt der Zwischenfall Wellen. Regierungschef Donald Tusk kennt die Auswirkungen antideutscher Ressentiments nur zu gut. Als 2005 im Parlamentswahlkampf bekannt wurde, dass sein kaschubischer Großvater im Zweiten Weltkrieg in die deutsche Wehrmacht eingezogen worden war, wurde das von der nationalkonservativen Opposition ausgeschlachtet – und kostete Tusk den als wahrscheinlich geltenden Wahlsieg.

Die Wahlen zum Europaparlament im Mai sind ein wichtiger Test für die PO, die seit Monaten in Umfragen schlecht dasteht. Nächstes Jahr sind in Polen Parlaments- und Präsidentenwahlen. Tusk, dem viele gute Chancen auf ein Brüsseler Spitzenamt geben würden, hat sich klar auf die Warschauer politische Bühne festgelegt. „Der antideutsche Zwischenfall wird der PO nicht helfen, die Wahlen zum Europaparlament zu gewinnen“, orakelte die „Gazeta Wyborcza“. „Erst recht nicht mit Jacek Protasiewicz als Wahlkampfchef.“ (dpa)