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Autobauer fahren auf China ab

Die Hersteller produzieren am Anschlag, und die Party geht auf der Messe in Peking weiter.

© dpa

Von Andreas Landwehr und Stephan Scheuer

Die Autowelt dreht sich um China: Reißender Absatz, täglich neue Händler und jetzt auch die Elektroautos. Während die Talsohle in Europa noch durchschritten werden muss, winkt das Reich der Mitte unverändert mit traumhaften, zweistelligen Wachstumsraten. Bei der Eröffnung der Pekinger Automesse zeigten sich die Chefs der großen Autobauer der Welt am Sonntag überzeugt, dass der Boom auf ihrem größten Markt in China weitergeht. Die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit wiesen sie zurück. „Das Risiko nicht hier zu sein, ist größer als die Gefahr, hier zu sein“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler.

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Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verwarf solche Befürchtungen. „Die Konsequenz wäre doch, dass wir weniger Autos verkaufen – ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist“, sagte Zetsche. Ähnlich äußerte sich der China-Vorstand von Volkswagen, Jochem Heizmann: „Die Frage ist doch eher: Wie gehen wir mit den Chancen und Risiken in China um?“ BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson sagte, die Münchner Nobelmarke suche „eine Balance zwischen Risiken und Möglichkeiten“: „Wir legen nicht alle Eier in ein Nest.“

Auf der Messe in Peking, die nach Detroit, Genf und Frankfurt, zum Mekka der internationalen Autobauer aufgestiegen ist, buhlen mehr als 2.000 Aussteller aus 14 Ländern um den Milliardenmarkt. In einer Weltpremiere präsentierten Daimler und sein chinesischer Partner BYD (Build Your Dreams) ihr gemeinsam entwickeltes Elektroauto Denza. Es hat eine Reichweite von 300 Kilometern. Der Fünfsitzer wird umgerechnet 42.800 Euro kosten. Mit staatlichen Subventionen kann der Preis in China unter 30.000 Euro fallen. Zudem zeichnen sich leichtere Zulassungen in Städten mit Beschränkungen für Nummernschilder, wie Peking und Shanghai, ab.

Ein Konzeptauto für luxuriöse Zukunftsträume präsentierte BMW mit dem „Vision Future Luxury“. Die Edelkarosse, die auch als 9er BMW beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. „Große Autos sind in China wichtig“, sagte BMW-Vorstand Robertson. Jeder zweite 7er BMW werde in China verkauft. Er kündigte an, dass die Münchner ihre Kapazitäten im Reich der Mitte „mittelfristig“ von 300.000 auf 400.000 hochfahren werden.

Das starke Wachstum in China beflügelt das weltweite Geschäft der Autobauer. Doch äußerte sich Daimler-Chef Zetsche vorsichtiger als bisher. An seiner Erwartung von „vier bis fünf Prozent Wachstum“ ändere sich nichts, „aber es wird wohl mehr bei vier als bei fünf liegen“. Der Streit mit Russland um die Krise in der Ukraine wirke sich vorerst nur durch die Abwertung der russischen Währung aus.

Die Expansion in China soll dem schwedischen Autobauer Volvo nach 20 Jahren weitgehend stagnierender Verkaufszahlen den Befreiungsschlag ermöglichen. Vier Jahre nach der Übernahme durch den chinesischen Hersteller Geely dürfte China die USA als wichtigsten Markt für die Schweden ablösen. Für dieses Jahr geht Firmenchef Håkan Samuelsson weltweit von einem Wachstum von etwa fünf Prozent auf mehr als 450.000 Fahrzeuge aus. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Samuelsson der dpa. 2014 sollen in China mindestens 80.000 Fahrzeuge verkauft werden – nach 61.000 im vergangenen Jahr.

Ähnlich wie BMW will auch Volvo 2014 im Schnitt jede Woche einen neuen Händlerbetrieb eröffnen. Bei der Volkswagengruppe, die als Marktführer in China dieses Jahr mehr als 3,5 Millionen Autos verkaufen will, öffnet sogar täglich ein neuer Betrieb seine Pforten. (dpa)