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Automatenbomber steht vor Gericht

Ein Mann, dem sechs Fälle vorgeworfen werden, muss sich verantworten. Im Westewitzer Fall gibt es eine heiße Spur.

© André Braun

Von Verena Toth

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Mittelsachsen. Vor wenigen Tagen hatte es mal wieder gekracht. Dieses Mal war ein Zigarettenautomat in Döbeln an der Bushaltestelle An der Muldenterrasse das Ziel der Angreifer. Wie in zahlreichen Fällen in der Vergangenheit wurde der Automat mit Pyrotechnik gesprengt, um an Zigaretten und Bargeld zu gelangen.

Am 28. Oktober wurde in Döbeln der Zigarettenautomat An der Muldenterrasse gesprengt.
Am 28. Oktober wurde in Döbeln der Zigarettenautomat An der Muldenterrasse gesprengt. © Dietmar Thomas
© Grafik/SZ

Nur eine Nacht zuvor hatten Unbekannte auch in Siebenlehn und Frankenberg zugeschlagen. In einem Siebenlehner Bistro nahmen die Täter einen Zigarettenspender gleich komplett mit. In Frankenberg wurde der Geldautomat einer Bankfiliale gesprengt. Drei Personen wurden beim Verlassen des Tatortes beobachtet. Sie flüchteten mit einem dunklen Auto. Die sofort eingeleitete Fahndung führte aber nicht zum Erfolg. Bargeld wurde nach Angaben der Polizei nicht erbeutetet. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen den Vorfällen dieses Wochenendes besteht, werde durch die Kriminalpolizei zwar geprüft. Aber: „Zum jetzigen Stand der Ermittlungen kann ein Zusammenhang zwischen der Zigarettenautomaten-Sprengung in Döbeln und den Vorfällen in Siebenlehn und Frankenberg nicht bestätigt werden“, so die Information der Polizeidirektion Chemnitz auf Nachfrage des DA.

Mehrfach hat es nicht nur in der Region, in diesem und in benachbarten Landkreisen Landkreis geknallt. Vor allem im Dresdener Raum scheint es in diesem Jahr auf einen Rekordwert in der Anzahl von Angriffen auf Zigaretten- und Ticketautomaten hinauszulaufen. Betroffen sind vor allem die Landkreise Meißen, Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge.

Mit bislang vier bekannten Fällen in Döbeln, Waldheim und Westewitz ist es in diesem Jahr in der Döbelner Region zwar vergleichsweise ruhig. Doch rückblickend auf die vergangenen Jahre sind Zigaretten- und Ticketautomaten immer wieder Ziel von verheerenden Angriffen gewesen. Im Jahr 2016 hatte es eine ganze Serie von Automatensprengungen gegeben – allein 26 Vorfälle dieser Art gab es im Landkreis Mittelsachsen, fast die Hälfte davon (zwölf Fälle) ereigneten sich im Revier Döbeln. Im Jahr 2017 wurden sieben Angriffe auf Automaten im Kreis registriert, zwei davon in der Döbelner Region.

Zumindest einen Verantwortlichen für einige der Straftaten scheint die Polizei ermittelt zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz auf Nachfrage des DA mitteilt, wurde gegen einen zur Tatzeit 20-jährigen Deutschen bereits im März Anklage erhoben. Ihm werden mindestens sechs Automatensprengungen zu Beginn des Jahres 2016 in Döbeln, Roßwein, Leisnig, Großweitzschen und Striegistal vorgeworfen. Die Hauptverhandlung gegen den Tatverdächtigen wird Ende November am Amtsgericht Döbeln stattfinden. „Das Verfahren gegen einen zweiten Tatverdächtigen wurde eingestellt, da kein Tatnachweis geführt werden konnte“, so die Polizei.

Eine heiße Spur scheinen die ermittelnden Kriminalbeamten in mindestens einem aufsehenerregenden Fall aus diesem Jahr zu haben. Ende Juli hatte an einem frühen Mittwochmorgen eine gewaltige Explosion viele Einwohner von Westewitz aus dem Nachtschlaf gerissen. Der Zigarettenautomat am Bahnhofsgebäude wurde gesprengt. Zwei Anwohner hatten den Angriff in unmittelbarer Nähe wahrgenommen und sich umgehend auf die Suche nach den Verursachern gemacht. Ein
50-Jähriger kam den mutmaßlichen Tätern, die auf einem Moped geflüchtet waren, so nahe, dass er sie recht genau beschreiben und zumindest einen der Jugendlichen später sogar wiedererkennen konnte. In einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd war er den mutmaßlichen Tätern in seinem Auto auf der Spur. Er wurde später von der Polizei als Zeuge vernommen. Zudem konnten die Ermittler mit seiner Hilfe ein Phantombild erstellen. „Vor einigen Wochen wurden mir Fotos von möglichen Verdächtigen vorgelegt. Einen davon habe ich wiedererkannt“, berichtet der Westewitzer. Offiziell heißt es aus der Pressestelle der Polizei dazu lediglich: „Die Ermittlungen dauern an.“

Der Westewitzer hofft, dass die Automatenbomber bald dingfest gemacht werden können und die Täter mit ihren gefährlichen Anschlägen nicht weiter Menschen gefährden und Eigentum schaden können. „Ich würde es genauso wieder tun. Man muss einfach Zivilcourage beweisen“, sagt er. Der Zigarettenautomat in Westewitz wurde zwischenzeitlich wieder installiert.