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Backstage in Kesselsdorf

Der Pirnaer Kay Aubrecht entwickelt große Shows. Er bringt den Kreuzchor ins Stadion und Tram-Fahrer zur EM.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Franz Werfel

Kesselsdorf/Pirna. Was haben das Weihnachtsliedersingen der Kruzianer im DDV-Stadion, der erste Ski-Weltcup in Dresden, eine Stadtwette bei „Wetten, dass…“, die Europameisterschaft der Straßenbahn-Fahrer und der Empfang von Olympia Goldjunge Francesco Friedrich in Pirna gemeinsam? Ganz einfach: All diese Events hat Kay Aubrecht mit seiner Firma Sam Productions entwickelt und umgesetzt.

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Wer das unscheinbare Firmengelände im Kesselsdorfer Gewerbegebiet betritt, rechnet nicht damit, dass hier Träume erdacht werden. Im 1 200 Quadratmeter großen Lager, zwischen Kabelrollen, Traversen, Transportboxen werden Erlebnisse geboren, an die sich viele Menschen oft monatelang zurückerinnern – und für die sie bereit sind, viel Geld zu bezahlen.

Dass längst nicht jeder in der Region die Produktionsfirma von Kay Aubrecht kennt, ist kein Zufall. „Wir stehen gern in der zweiten Reihe“, sagt der Geschäftsführer, der in diesem Jahr 44 geworden ist. Vor 22 Jahren hat er seine Firma gegründet. Mit rund 500 Veranstaltungen im Jahr, einem Umsatz von zuletzt 1,6 Millionen Euro und 16 festangestellten Mitarbeitern ist Sam Productions nach eigenen Angaben die größte inhabergeführte Eventfirma in der Region – im Umkreis von 100 Kilometern.

Firmen sind das Kerngeschäft

Dabei fing alles viel kleiner und mit einem Misserfolg an. Aubrecht, in Pirna geboren, organisierte mit 18 Jahren Anfang der 90er in Nentmannsdorf Konzerte. Während seine Disco in der Gohrischer Sennerhütte ganz gut lief, „ging Nentmannsdorf jämmerlich in die Hose“, wie Aubrecht sagt. Besucher kamen dort schlecht hin, die Veranstaltungen waren schlecht beworben – die Idee floppte. Um Schulden begleichen zu können, fing der gelernte Bankkaufmann kurz darauf an, Events für Privatradios zu organisieren. 1996 gründete er mit seinem Kompagnon Wieland Stumpf die Stumpf-Aubrecht-Media-Produktion – die Marke „Sam“ ist geboren. Aus der Not heraus, wie Kay Aubrecht erzählt. „Es gab damals in der Region keine professionellen Agentur-Dienstleister, die große Shows hätten stemmen können. Also haben wir das selbst probiert.“ Mit Erfolg.

Drei Jahre später gelingt den beiden im Auftrag von Antenne Sachsen ein Coup: An die Chemnitzer Massenhochzeit, bei der sich am 9.9.1999 genau 99 Paare in einer großen Zeremonie die ewige Liebe schwören, erinnern sich noch einige. „Wir hatten unglaubliche 300 Bewerbungen für die Aktion“, erinnert sich Kay Aubrecht. Die Firma wächst, wie auch das Interesse des Publikums an gut gemachten Events. Und der Chef merkt, was geht, wenn man den kompletten Service aus einer Hand anbietet.

2004, der nächste Meilenstein. In Zittau feiert sich am 1. Mai die Europäische Union selbst, Sachsen ist Gastgeber zur großen Party für die EU-Osterweiterung. Im Dreiländereck zelebriert der damalige Kanzler Gerhard Schröder mit seinen Kollegen aus Polen und Tschechien den mit zehn neuen Mitgliedsländern auf einen Schlag bisher größten EU-Zuwachs. „Wir bekamen den Auftrag, das durchzuführen“, sagt Aubrecht. Also kauft er erstmal kräftig ein: Traversen, Boxen, Kabel. „Das meiste haben wir direkt aus dem Paket aufgebaut.“

Vor fünf Jahren ist Aubrecht mit seiner Firma aus Dresden nach Kesselsdorf gezogen. Hier schätzt er die vergleichsweise günstige Lage, die gute Anbindung an die Autobahn, die Nähe zu Freiberg, wo er viele Kunden hat. Denn 90 Prozent aller Events, die er organisiert, sind firmeninterne Veranstaltungen, wie Betriebsversammlungen und Firmenfeiern. Zu seinen Kunden gehören der Chemiekonzern BASF, B. Braun und die Ostsächsische Sparkasse Dresden. „Das ist unser Tagesgeschäft“, sagt Aubrecht. Danach kommt die Kür.

Zur Kür gehört die Dresdner Schlössernacht, wenn für mehrere Bühnen die komplette Ausrüstung aus dem Lager verbaut wird. Dazu gehört das neue Konzept für die Bobbahn Altenberg, das er seit Jahren mit deren Chef Matthias Bennesch entwickelt. Und auch die Idee zur Tram-Europameisterschaft entstand hier. „Die Dresdner Verkehrsbetriebe hatten ein neues Konzept für einen Tag der offenen Tür bestellt“, sagt Aubrecht. Bekommen haben sie eine geniale Marketing-Idee, bei der Straßenbahnfahrer aus 18 EU-Ländern gegeneinander antreten, etwa im Präzisions-Bremsen. Die Idee vermarktet Aubrecht mittlerweile in Barcelona, Berlin, Brüssel, Stuttgart, Teneriffa und Wien.

Das alles geht nur mit einem guten Team. Kay Aubrecht weiß das und investiert seit Jahren in die Ausbildung seiner Fachkräfte. Jeder, der hier Lehrling werden will, muss zuvor ein Praktikum in der Firma machen. Veranstaltungstechniker, Veranstaltungskauffrau oder Mediengestalter für Bild und Ton kann man bei Sam Productions lernen.

„Wir übernehmen gern jeden, der sich gut anstellt“, sagt Kay Aubrecht. Die Berufsschulen, mit denen er zusammenarbeitet, stehen in Halle und Berlin. Das würde er gern ändern. Auch deshalb ist er seit Herbst Mitglied in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer. Zusammen mit der IHK will er die Event-Akademie aufbauen, damit Weiterbildungen und Schulungen für seine Branche auch in Dresden angeboten werden können. Es gehe auch darum, das Image der Event-Dienstleister aufzubessern. „Firmen wie wir vernetzen uns untereinander noch viel zu wenig.“ Das soll sich schon bald ändern.