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Bad empfiehlt Burkini

Zur korrekten Kleidung gibt es nicht nur in Pirnas Geibeltbad Aushänge. Muslimas bekommen aber dort einen Extra-Tipp.

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© dpa

Von Mareike Huisinga

Pirna/Freital. Der große Zettel an der Eingangstür zum Geibeltbad lässt manchen Besucher stutzen. Auf dem Aushang weist die Badleitung explizit darauf hin, dass die Gäste das Schwimmbad nur in korrekter Badebekleidung nutzen dürfen. Das Baden in Straßenkleidung ist untersagt. Piktogramme erklären, dass Badeanzüge, Bikini, Badeshorts und Badehosen zulässig sind. Für muslimische Frauen sei der Burkini die geeignete Badebekleidung. Die Informationen sind auf Deutsch und auf Englisch.

Dieses Informationsblatt hängt am Eingang vom Geibeltbad.
Dieses Informationsblatt hängt am Eingang vom Geibeltbad. © Huisinga

Warum dieser Aushang? „Alle Gäste, egal aus welchem Land, sind im Bad willkommen“, sagt Rico Eglin, Leiter der Bäder der Stadtwerke Pirna. „Mit dem Aushang möchten wir unsere deutschen und ausländischen Besucher lediglich vor dem Kauf des Tickets darauf hinweisen, dass es eine eindeutige Badeordnung mit Regeln für die Bekleidung gibt“, erklärt Eglin. Er betont, dass es bisher mit ausländischen Badegästen keinerlei Probleme gegeben hätte. Manchmal kämen Gruppen von Asylbewerbern, die ihre Betreuer dabei hätten. „Alle halten sich an die Regeln“, sagt Eglin. In den vergangenen zwei Jahren sei es lediglich zweimal vorgekommen, dass Gäste in Straßenbekleidung das Bad nutzen wollten. Eglin kann aber nicht sagen, ob es sich dabei um Ausländer gehandelt habe.

Viersprachig im Freitaler Hains

Mit dem Hinweis auf den Burkini möchte das Geibeltbad den zugezogenen Ausländern und Flüchtlingen Rechnung tragen. Da viele Muslimas aus Glaubensgründen oder mit Blick auf Traditionen die europäische Badebekleidung ablehnen, empfiehlt das Geibeltbad diesen Ganzkörperanzug. Käuflich ist er jedoch nicht im Pirnaer Freizeitbad zu erwerben. Noch nicht. „Bisher gab es keine Nachfragen danach. Falls sich das ändern sollte, werden wir vielleicht umdenken.“ Folglich müssen sich muslimische Frauen, die in Pirna baden wollen, diesen besonderen Badeanzug entweder im Fachgeschäft oder im Internet kaufen. Die Preise beginnen bei 20 Euro.

Was ist ein Burkini?

Der Burkini ist ein zweiteiliger Schwimmanzug für Frauen. Er ist aus Elastan gefertigt und hat eine integrierte Kopfbedeckung, die als Hidschab fungiert.

Das Wort ist eine Kombination aus Burka (bzw. Body) und Bikini. Der Burkini gleicht im Aussehen weder der Burka noch dem Bikini, sondern eher einem Neoprenanzug mit Badekappe.

Für den Burkini verwendete dünne Kunstfasergewebe nehmen weniger Wasser als Baumwolle auf und trocknen daher rascher. (SZ)

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Aus mehreren Gründen sei eine korrekte Badekleidung erforderlich, sagt Eglin. Ganz oben stünde die Sicherheit der Gäste. Es sei erwiesen, dass jemand in langen Badehosen schneller untergehe als in kurzen Badeshorts. Badeanzüge sollten unbedingt aus Elastan sein, denn die Kunstfasern würden nicht die Filtersysteme der Becken verstopfen.

Außerdem sei der Wasserverlust der Becken bei langer Bekleidung aus Baumwolle sehr groß, da sich dieses Material stark mit Wasser vollsaugt, so Eglin. Schließlich erhöhe sich durch das längere Tropfen die Rutschgefahr. „Auch Bermuda-Shorts sind deshalb nicht zulässig“, sagt der Badleiter. Die Informationen über korrekte Badekleidung hängen seit gut einem halben Jahr im Geibeltbad aus.

Dass Baderegeln auf diese Weise erklärt werden, ist in der Region keine Ausnahme. Auch Freitals zwei Freibäder und das Erlebnisbad Hains weisen mittels Piktogrammen auf die Ordnung hin. Einen expliziten Hinweis auf den Burkini gibt es hier allerdings nicht. „Aber wir informieren auf Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch, dass Alltagskleidung zum Baden nicht gestattet ist“, sagt Lars Tschirner, Bädermeister von Freital. In Übereinstimmung mit seinem Pirnaer Kollegen Rico Eglin stellt auch er fest: „Bisher hatten wir keine Probleme mit ausländischen Badegästen.“

Diese Aussage gilt ebenso für die Mariba Freizeitwelt in Neustadt. „Zu uns kommen relativ wenige Flüchtlingsfamilien. Jene, die unsere Einrichtung besuchen, tragen korrekte Badekleidung,“ sagt Geschäftsführer Frank Bergemann. Aus diesem Grund verzichte man auch auf entsprechende Aushänge.

Regeln gelten für alle

Anders handhabt das die Weißeritztal-Erlebnis GmbH, die ein Hallenbad in Paulsdorf und drei Freibäder in Paulsdorf, Seifersdorf und Malter betreibt. An den Eingängen sind die Baderegeln unter anderem mit Hinweis auf richtige Badebekleidung in Deutsch, Englisch und Arabisch erklärt. „Bisher hatten wir aber noch keinen Gast, der in Straßenkleidung unsere Bäder betreten wollte. Es geht lediglich darum, die ganz allgemeinen Regeln für Deutsche und für Ausländer vor Nutzung des Bads zu erklären“, sagt eine Mitarbeiterin.