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Abtauchen in eine grüne Idylle

Der Wanderweg an der Räderschnitza in Bad Muskau ist saniert. Eine Karte weist Einheimischen und Gästen nun die Tour.

Solche Ein- und Ausblicke bietet das Räderschnitza-Tal zwischen Gablenz und Bad Muskau. Eine Erkundungstour ist für Wanderer, Naturliebhaber, Fotografen sowie große und kleine Entdecker mehr als ein Geheimtipp.
Solche Ein- und Ausblicke bietet das Räderschnitza-Tal zwischen Gablenz und Bad Muskau. Eine Erkundungstour ist für Wanderer, Naturliebhaber, Fotografen sowie große und kleine Entdecker mehr als ein Geheimtipp. © Sabine Larbig

Sanft schlängelt sich das Flüsschen Räderschnitza von der Quelle nahe Grube Karoline in Gablenz bis Bad Muskau, wo es in die Neiße fließt. Auf dem Weg passiert der „schnell fließende Bach“, so die Übersetzung des sorbischen Namens, die geologische Formation Muskauer Faltenbogen und zieht – bedingt durch die geologische Gesteinsformation dadurch große und kleine Schleifen durch ein geschütztes Biotop.

Sanierter Weg durch Fördergeld

Schon seit je her wird entlang des Bachverlaufs gewandert. Doch der offizielle und mittelschwere Wanderweg verfiel. Trotz aktiver Wanderwarte. Sie konnten weder Brücken und Stege, noch Rasthütten, Bänke, Beschilderung selbst instand setzen oder Bäume entästen und Treppen anlegen. Doch der Stadt fehlte das Geld. Zwischen Mai und August 2021 ist all dies in der Gemarkung Bad Muskau passiert. Auf acht Kilometern können nun Einheimische und Touristen auf einem saniertem Weg entlang der Räderschnitza wandern und in landschaftliche Idylle abtauchen.

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Rund 45.000 Euro flossen in die Wegsanierung. Möglich wurde es durch eine Kooperation von Bad Muskau und dem polnischen Trzebiel, die gemeinsam über das Interreg-Förderprogramm „In der Mitte fließt die Neiße“ Geld beantragten. Trzebiel erhielt rund 510.000 Euro, um sein Kulturhaus energetisch sanieren und es für zusätzliche Angebote umbauen zu können. Neu gestaltet samt Holzbühne, Spielplatz und Grillhütte wird das Außengelände. „Wir sind sehr froh, dass wir durch die Kooperation das Vorhaben endlich umsetzen konnten“, erklärt Artur Kuldosz, Direktor von Kulturhaus und Bibliothek Trzebiel. Vorgesehen und über das Programm finanziert seien auch deutsch-polnische Feste, Begegnungen, Broschüren sowie Teilnahmen an touristischen Messen. „Leider war das meiste durch Corona bisher unmöglich, doch es wird nachgeholt. Und ich hoffe, dass wir bald wieder mit Bad Muskau zusammenarbeiten können. Denn beide Städte profitieren und können Tolles schaffen“, so Kuldosz, der kürzlich an der offiziellen Einweihung des Wanderweges mit Bürgern, Stadträten und geladenen Gästen in Bad Muskau teilnahm. Die Sanierung des Wanderwegs in der Neißestadt ist, wie die bereits im Juli 2020 erfolgte Einweihung des Abenteuerspielplatzes im Ortsteil Berg, ebenfalls Kooperationsergebnis.

Die Ausschilderung des Wanderwegs ist hervorragend. Allerdings ist auch an Raststellen der Müll mitzunehmen.
Die Ausschilderung des Wanderwegs ist hervorragend. Allerdings ist auch an Raststellen der Müll mitzunehmen. © Sabine Larbig

Bitter: Brandanschlag auf neue Hütte

Was den Wanderweg betrifft, so wurde er, laut Projektkoordinator Holger Zimpel von der Stadtverwaltung Bad Muskau, von April bis August 2021 maßgeblich durch eine beauftragte Firma ertüchtigt. Neben einsturzgefährdeten Brücken und Stegen seien vorhandene Sitzbänke saniert oder ersetzt sowie zusätzliche Bänke an ausgewählten Standorte aufgestellt worden. Errichtet wurden, so Zimpel weiter, außerdem vier überdachte Rasthütten samt Sitzen und Tischen.“ Ideale Orte für Picknicks. Während die Hüttengestelle Robinien-Holz sind, ist der Rest, wegen möglicher Zerstörungen, aus Kunststoffrecycling.“ Das habe sich bereits bewährt, bekennt Sebastian Krahl von der Stadtverwaltung, „Leider wurde schon kurz nach Aufstellen versucht, die Rasthütte am Hexenberg anzubrennen. Dank des Materials entstand nur geringer Schaden“, verrät er.

Wanderwart dringend gesucht

Auf die Frage von Teilnehmern der Einweihungstour, warum statt Papierkörben nur Schilder mit Hinweisen stehen, dass Müll mitzunehmen ist, erklärt er, dass für reguläre Müllentsorgung am Wanderweg das Personal und Geld fehle.Es ist nicht die einzige Herausforderung rund um den sanierten Wanderweg. So sucht Bad Muskau nach dem altersbedingten Ausscheiden der letzten Wanderwartin händeringend ehrenamtliche Betreuer für diesen und andere örtlicher Wege, um als Experten und Bindeglied zwischen Wanderern, Waldbesitzern und Stadt zu fungieren. Wichtig ist ein Wanderwart, der regelmäßig durch das Räderschnitza-Tal geht, auch wegen der dortigen Biber. Die streng geschützten Tiere fühlen sich am Flüsschen wohl, fällen überall Bäume, bauen Dämme und Burgen, stauen das Wasser an. Fäll- und Fraßspuren, „künstliche“ Biber-Seen, ihre Behausungen sowie Sandbänke im Fluss, wo sich Forellen tummelten, entdeckt man im geschützten Biotop. Aber auch außergewöhnliche Flora, die über verschiedene Baumarten, Farne, Kräuter und Gräser bis zu Heidelbeeren, Pilzen, Waldveilchen, Sauerklee oder dem seltenen und giftigem Bärlapp reicht.

Bibern und andere Erlebnisse

Erkundet werden können ein Hexenberg, ein Schlangenbaum, eine bis in die 1960er-Jahre genutzte Badestelle, Mäander im Tal des Ziegenbergs oder bei Geocachern beliebte Verstecke wie an der Blaubeer-Brücke. Wer fit ist, kann übrigens vom mit gelbem Strich markierten Räderschnitza-Wanderweg, der unweit des Parkplatzes am Muskauer Rathaus startet und endet, auf den querenden Neiße-Wanderweg wechseln und so bis Brandenburg oder Sachsen hinein weiter wandern.Mit dem sanierten Weg hofft Bad Muskau auch, dass Tagestouristen und Wohnmobilisten künftig einen Tag länger verweilen. Vom Massen-Wandertourismus ist man, laut Stadtchef Thomas Krahl, aber noch weit entfernt. Es sei auch kein Ziel. „Trotzdem bräuchte es mehr solcher touristischer Attraktionen.“ Der Anfang ist gemacht – samt touristischer Karte für fünf Rad- und Wandertouren ab Bad Muskau, darunter die Räderschnitza. Die Karte gibt es in der städtischen Tourist-Information.

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