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Bad Muskau stopft Finanzlöcher bei Touristik GmbH

Corona ließ Touri-Info, Moorversorgung, Kurtaxe ausfallen und Einnahmen einbrechen. Eine existenzbedrohende Lage.

Katrin Hartnick präsentiert für TAGEBLATT trotz Corona-Schließung die neuesten Souvenirs der Tourist-Info Bad Muskau, die hoffentlich Stadt- und Parkbesucher bald kaufen.
Katrin Hartnick präsentiert für TAGEBLATT trotz Corona-Schließung die neuesten Souvenirs der Tourist-Info Bad Muskau, die hoffentlich Stadt- und Parkbesucher bald kaufen. © Sabine Larbig

Eine Eigenschaft von Dirk Eidtner ist sein unerschütterlicher Optimismus. Doch angesichts der Umsatzzahlen der Bad Muskau Touristik GmbH in 2020 und der Ausblicke 2021 spricht der Geschäftsführer erstmals von „ganz schlimmen“ Jahren. Schuld ist vorrangig Corona mit seinen negativen Folgen für alle Geschäftsfelder der städtischen Tochtergesellschaft.

Stadt gleicht Verluste aus

Die Sommermonate und der damit verbundene touristische Boom konnten die Verluste der wochenlangen Zwangsschließungen im Frühjahr nicht ausgleichen. Da Schließungen seit November vorigen Jahres erneut der Fall sind, hat sich die Lage weiter verschlechtert. Denn Aufgabenfelder der Bad Muskau Touristik sind Betreibung von Tourismusinformation, Bibliothek und Wohnmobilstellplatz am Gewerbepark, aber auch Stadtmarketing und Moorversorgung. Mit all dem sichert die GmbH der Stadt Bad Muskau den Kurort-Titel beziehungsweise das staatliche Prädikat „Ort mit Moorkurbetrieb“. Um den Titelverlust durch ein wirtschaftliches Aus der Gesellschaft zu verhindern, stopft die Stadt – auf Stadtratsbeschluss – die Finanzlöcher ihrer Tochtergesellschaft. Die erhielt im Haushaltsjahr 2020, als Ausgleich für Verluste in 2019, eine Einmalzahlung von 41.000 Euro. Ursachen für die nicht kostendeckenden Erlöse seien, laut Geschäftsführer Dirk Eidtner, im Wesentlichen höhere Personalkosten durch tarifliche Gehaltsanpassungen, Mehrbeschäftigung sowie sinkende Abschreibungen gewesen. Weitere 50.000 Euro fließen 2021 als Verlustausgleich. So beschloss es der Stadtrat im Dezember des Vorjahres.

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Grundlage für die Entscheidung waren der Corona-bedingte Einbruch bei Kurwesen, Tourismus und Besucherverkehr. Laut Eidtner habe die Bad Muskau-Information bis Ende Oktober nur rund 19.000 Besucher, fast 10.000 weniger als im Jahr zuvor gehabt, wodurch Erlöse aus Verkäufen von Souvenirs, Ansichtskarten, Kalendern und mehr sanken. Zwar konnten in den touristisch starken Monaten Mai bis September rund 30.000 Euro eingenommen werden. Auch durch viele neue Souvenirs wie Taschen, USB-Sticks Schirme, Puzzle oder Stifthalter aus Glas mit Motiven des Pückler-Schlosses. „Die haben wir mit einem Unternehmen aus Döbern entwickelt und vertreiben sie gemeinsam. Selbst heimischen Wein und sorbische Ostereier sind im Angebot“, erklärt Dirk Eidtner.

Keine Touristen, keine Einnahmen

All dies kommt bei den Touristen an, sei wegen der Lockdowns auch vor Feiertagen und Festen wie Ostern und Weihnachten im Online-Fan-Shop gefragt gewesen, weiß Katrin Hartnick, Mitarbeiterin der städtischen Tourist-Information in Bad Muskau. Doch Online-Shop-Verkäufe allein reichen nicht zur Betreibung der Touri-Info und den Erhalt ihrer Trägergesellschaft. Die hatte bis September 2020 ebenfalls rund 10.000 weniger Übernachtungen und damit 15.000 Euro weniger Kurtaxe-Einnahmen als 2019. Und obwohl Bad Muskau in den Sommermonaten vom Wohnmobil-Trend profitierte, weil die Touristik GmbH 2018 den Stellplatz am Gewerbepark von der kreislichen Entwicklungsgesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien übernahm, blieben die Übernachtungen und Einnahmen durch die Pandemie unterm Plan. Sogar die Stadtbibliothek nahm durch Benutzungsgebühren nur 854 Euro ein. Als extremes Zuschussgeschäft erwies sich die Sicherstellung der Bademoorversorgung, die seit 2016 ebenfalls Aufgabe der GmbH ist.

Weil durch Corona Kurwesen und Gesundheitstourismus lange brach lagen, Abnehmer wie das Kulturhotel Bad Muskau geschlossen hatten und nur zwei Physiotherapien in Weißwasser das Bad Muskauer Moor abnahmen, waren die Ausgaben mit etwa 9.4000 Euro doppelt so hoch wie die Einnahmen. „Alles in allem kam es zu einem Gesamtumsatz-Verlust von fast 85.000 Euro bis Oktober 2020“, bekennt Dirk Eidtner. Und er kann wegen der noch immer bestehenden Einschränkungen durch die Covid-Pandemie längst keine Entwarnung geben. Vielmehr rechnet er in diesem Jahr mit einem wirtschaftlichen Gesamtverlust von etwa 58.000 Euro. Ob diese Zahl eintritt, möglicherweise steigt oder durch staatliche Corona-Zuschüsse sinkt, ist abzuwarten. Fakt ist dagegen, dass sich sowohl Stadtverwaltung, Stadträte und Aufsichtsrat nicht erst seit 2020 Gedanken über Zukunft, Aufgaben und Zuschussbedarf der städtischen Tochter Bad Muskau Touristik GmbH machen, weil die Stadt Bad Muskau selbst am Finanztropf hängt. Dauerhaft und in Größenordnungen kann sie zusätzliche Finanzlöcher der städtischen Gesellschaft nicht stopfen. Gefordert wird deshalb seit Jahren eine Verbesserung der Einnahmesituation der städtischen Tochter.

Hoffen auf Kurpfennig

Aus Sicht von Geschäftsführer Dirk Eidtner eine verständliche Forderung. Umsetzbar sei sie aber nur in gewissen Maße. Eine Möglichkeit böte zwar die Erhöhung der Kurtaxe, die auf Stadtratsbeschluss ja schon umgesetzt worden sei. Erneut an dieser Schraube zu drehen, sieht Eidtner momentan als „ziemlich problematisch“ an. „Es gibt ja eigentlich gar keine Übernachtungsgäste und wahrscheinlich wird sich die Situation auch nicht so schnell ändern.“ Dirk Eidtner setzt daher auf die Umsetzung des sogenanten „Kurpfennigs“ zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Das Vorhaben ist im Koalitionsvertrag aufgenommen worden. „Zu einer konkreten Umsetzung in Sachsen ist mir allerdings bisher nichts bekannt“, erklärt Eidtner.

Der Kurpfennig wird schon in Ländern wie Hessen, Thüringen, Bayern als pauschaler Zuschuss für staatlich anerkannte Kur- und Erholungsorte gezahlt. Kommt er auch im Freistaat Sachsen, so würde die Bad Muskau Touristik aufgrund ihrer Aufgaben davon profitieren. Nicht nur, weil sie 100-prozentige Gesellschaft der Stadt ist, für sie die Aufgaben im Rahmen des Kurortgesetzes erfüllt, sondern auch, weil sie in Bad Muskau eine Art Wirtschaftsförderung-Funktion für den Tourismus hat. Allerdings, und dies ist die Krux, darf die Gesellschaft nicht in Wettbewerb mit privaten Anbietern treten. Dies wiederum hat zur Folge, dass eine Weiterentwicklung der Gesellschaft nur im engen gesetzlichen Rahmen möglich ist. „Aktuell ist die Situation für den Tourismus und seinen Betrieb katastrophal und teilweise existenzgefährdend. Auch wir sind gezwungen, erneut Kurzarbeit zu beantragen“, so der Geschäftsführer.

Pläne für die Zukunft

Ideen für Verbesserungen hat er dennoch. Im Bereich Muskauer Sole kann sich Dirk Eidtner die Aufstellung eines Sole-Pavillon vorstellen, wie es Professor Resch im Rahmen der Leitbilderstellung vorschlug. „Eine erste Vorstellung geht davon aus, ihn im Hof der Tourist-Info zu installieren.“ Gäste und Einheimische könnten dann gegen Gebühr „pulverisierte“ Sole im Pavillon inhalieren. Im Bereich Wohnmobil-Tourismus ist ebenfalls eine Erweiterung anvisiert. Die Plätze sollen über die Touri-Info vermarktet und betreut werden. So fließen Einnahmen. Nur fürs verlustreiche Moorgeschäft gibt es noch keine Ideen. Klar ist nur, dass es ohne Moor in Bad Muskau nicht geht. Wegen des Kurort-Status.

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