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Besucher zieht es wieder in den Pückler-Park

Und das selbst an nasskalten Herbsttagen. Die Corona-Krise ist bewältigt – und die Stiftung hat noch viel Großes vor.

Von Constanze Knappe
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Nass, kalt und trübe, so zeigt sich der Herbst im Muskauer Park. Besucher von dies- und jenseits der Neiße hält das aber nicht von einem Spaziergang ab – zumal man auch wieder ins Neue Schloss rein darf.
Nass, kalt und trübe, so zeigt sich der Herbst im Muskauer Park. Besucher von dies- und jenseits der Neiße hält das aber nicht von einem Spaziergang ab – zumal man auch wieder ins Neue Schloss rein darf. © Constanze Knappe

Es ist nass, trübe und kalt geworden im Muskauer Park. Dennoch trotzen einige Besucher dem gar nicht so goldigen Oktoberwetter. Während sie in Regenjacke oder mit Schirm durch den Park spazieren, trifft sich drinnen der Stiftungsrat zu seiner Herbsttagung, der mittlerweile 53. Sitzung. Die klare Botschaft: „Wir haben die Corona-Krise ganz gut bewältigt und werden einen geordneten Abschluss hinkriegen.“ So jedenfalls fasst es Dirk Diedrichs, der Vorsitzende des Stiftungsrats und Amtschef des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen, zusammen. Möglich geworden sei dies, weil das Management des Fürst-Pückler-Parks den Sorgen mit geeigneten Maßnahmen begegnet ist. Zudem seien noch Anträge zum Corona-Schaden bei Bund und Land unterwegs, über die bis Anfang November befunden werden soll. Dabei geht es um 170.000 Euro, wobei der Bund bereit sei, einen Teil davon zu leisten.

Noch habe man nicht die Zahlen von 2020 erreicht, sagt Cord Panning. Dass es im August und September aber besser als im Vorjahr lief, hält der Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung für einen „Corona-Nachholeffekt“. Die Menschen hätten wieder Lust, etwas zu erleben und kämen auch in den Park. Somit konnten die erwarteten Mindereinnahmen von 350.000 Euro erheblich reduziert werden. Da wegen der Corona-Beschränkungen weniger Veranstaltungen möglich waren, entstanden dabei auch weniger Kosten. Und nicht zuletzt gab es Veränderungen in der Bewirtschaftung der Grundstücke, wurden Maßnahmen zum Teil verschoben. Alles in allem konnte, so Cord Panning weiter, „eine sechsstellige Summe eingespart werden“.

Jury entscheidet zum Kavaliershaus

Beschäftigt hat sich der Stiftungsrat „mit dem üblichen Themenkatalog“, allen voran den Baumaßnahmen. Der Architektenwettbewerb zum Kavaliershaus ist abgeschlossen. Die 59 Bewerbungen wurden in einer ersten Phase auf zwölf reduziert. Daraus wählte eine Jury drei Entwürfe aus. Jeder sei von hoher Qualität, habe jedoch auch einen Baustein, den man sich anders wünschen würde, so Cord Panning. Oder wie es Jaroslaw Golaszewski, der Leiter der Niederlassung Bautzen des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagements, formuliert: „Jedes Büro hat in der Überarbeitungsphase jetzt die Chance, den eigenen Beitrag weiter zu entwickeln. Der Beste bekommt den Auftrag.“ Bis Ende dieses Jahres sei mit einer Entscheidung der Jury zu rechnen. Neben diesen Preisträgern wurde eine Anerkennung ausgesprochen für einen Entwurf, der der Jury ebenfalls prämierungswürdig erschien. Alle vier Vorschläge sollen im nächsten Jahr der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der weitere Fahrplan sieht für 2022 die Entwurfsplanung und für 2023 den Baubeginn vor.

Maßgeblich für die Umsetzung vieler Vorhaben im Muskauer Park ist das Finanzierungsabkommen zwischen Bund und Freistaat zur Förderung der Fürst-Pückler-Stiftung, welches im Sommer im Park unterzeichnet wurde. „Das ist der wesentliche Rahmen, aus dem wir jetzt schöpfen“, betont der Stiftungsratsvorsitzende.

Alles in allem werden 2021 im Pückler-Park etwa 3,3 Millionen Euro für Bauvorhaben ausgegeben. Geplant waren eigentlich 3,6 bis 3,8 Millionen. Dass es um Einiges weniger wird, sei der Tatsache geschuldet, dass man im Musikpavillon und im dritten Bauabschnitt am Badehaus „neu aussteuern“ musste. Denn eine derart hohe Steigerung der Materialpreise wie jetzt habe es seit 30 Jahren nicht gegeben, betont der Vorsitzende des Stiftungsrates. Zum Teil mussten Ausschreibungen wiederholt werden, weil es entweder keine Bewerber oder nur überteuerte Angebote gab. In einer zweiten Runde, so der Chef der SIB-Niederlassung Bautzen, habe man sich günstigere Preise erhofft. Im September begann der Innenausbau in der Pückler-Villa. An der Brauerei steht der zweite Bauabschnitt der Fassade vor der Fertigstellung, und auch der Musikpavillon soll 2021 fertig werden.

Kein Dachschaden am Schloss

Beschlossen wurde in der Herbstsitzung der Investitionsplan. 2022 und 2023 sollen jeweils sieben Millionen Euro investiert werden. 2024 ist es mit zwölf Millionen Euro Einiges mehr, weil dann das Kavaliershaus in die Realisierung gehen soll.

Für einiges Aufsehen sorgte schwere Technik am Neuen Schloss. So mancher Besucher befürchtete gar große Dachschäden. „Die gibt es nicht“, kommt Entwarnung von Jaroslaw Golaszewski. Er klärt auf, dass Dachkletterer am Werke waren, um den Zustand der Schmuckelemente am Dach zu begutachten. „Die Bewertung ergab, dass keine Sofortmaßnahmen nötig sind“, sagt er. Schritt für Schritt werde man etwas unternehmen. So sollen noch vor dem Winter die Vasen abgenommen und dann saniert werden. Schätzungsweise eine halbe Million Euro wird die Instandsetzung der Schmuckelemente kosten, die vor etwa 30 Jahren wiederhergestellt wurden. In Abhängigkeit von der Materialzusammensetzung würden solche exponierten Teile normalerweise schon nach 20 Jahren wieder fällig, gibt er zu bedenken.

Aquarelle sollen heimkommen

Diskutiert hat der Stiftungsrat auch den Ankauf eines Zyklus‘ des Landschaftsmalers Carl Graeb (1816 – 1884) mit Aquarellen des Muskauer Parks, die als Auftragsarbeiten des damaligen Schlossherrn zwischen 1855 und 1859 entstanden sind. Als die Stiftung sie ausfindig machte, kam das einer Sensation gleich. 25 Motive durften 2018 präsentiert werden. Als Leihgaben des Fürstenhauses Wied waren 2020 im Neuen Schloss 74 Aquarelle zu sehen. Sie sind neben ihrem künstlerischen Wert für die Stiftung auch aus kunsthistorischer und denkmalpflegerischer Sicht von Bedeutung, zeigen sie doch historische Wege und Bauten und ebenso, was im Park wie gepflanzt war. „Noch in diesem Jahr sollen die Aquarelle im Schloss offiziell begrüßt werden“, kündigte Dirk Diedrichs an.

Nach dem Erfolg 2021 soll der Muskauer Park auch im nächsten Jahr wieder eine Station des Lausitz Festivals sein. „Bad Muskau ist sichtbar geworden, gut für die Stadt und den Park“, so Cord Panning. Musiktheater, Volksoper und andere sommerliche Konzerte soll es geben. Außerdem hofft er, dass im neuen Musikpavillon schon das eine oder andere möglich sein wird.

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