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(Eier)Tanz um Geld für städtische Vereine

Bad Muskau will Tänzer, Sänger, Sportler und andere mit 20.000 Euro unterstützen. Ob es gelingt, ist jedoch fraglich.

Die Funkengarde des Elferrates Bad Muskau zeigte dem Publikum beim Grillcontest am Lindenhof nicht nur einen Paradiesvogeltanz, sondern gab sich auch mystisch und exotisch. Derzeit üben alle Formationen, von Kindern bis Männerballett, sehr intensiv. Noc
Die Funkengarde des Elferrates Bad Muskau zeigte dem Publikum beim Grillcontest am Lindenhof nicht nur einen Paradiesvogeltanz, sondern gab sich auch mystisch und exotisch. Derzeit üben alle Formationen, von Kindern bis Männerballett, sehr intensiv. Noc © Rolf Ullmann

Als die Funkengarden am 3. Oktober vorm Lindenhof tanzten, sorgten sie mit Choreographien und Kostümen in den Deutschlandfarben für Begeisterung. Strahlende Gesichter bei Tänzern und Zuschauern; auch, weil die Tänzer vom Elferrat Bad Muskau (EBM) nach über einjähriger Corona-Zwangspause ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten. Bei dem präsentierten sich die Funken von „Paradiesvogel“ bis mystisch. Vorgeschmack auf die bevorstehende Narrenzeit, die man wieder feiern will. Denn bis Sommer ließ Corona weder bei EBM noch anderen Vereinen von Bad Muskau Planung, Training, Auftritte, Turniere, Feste, Veranstaltungen ... zu. Das führte zum Erliegen des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt, ließ Vereinen Einnahmen wegbrechen, obwohl Kosten blieben.

Stadt plant 20.000 Euro für Vereine

Den EBM als Pächter des Kulturhauses „Lindenhof“ traf die Pandemie besonders hart. Zwar erhalten die Narren stets am 11.11. zum Amtsantritt die Stadtkasse. Einen Vorteil haben sie davon aber nicht. Der Akt ist symbolisch, und die Kasse seit Jahren leer, weil Bad Muskau nur Schulden hat und auf Pump lebt. Ein Grund, warum es in der Kur- und Parkstadt zwar eine Förderrichtlinie für Vereine, aber nur selten Geld gibt. Da macht auch 2021 keine Ausnahme. Denn die Stadt muss – als Corona-Folge – mit noch geringeren Einnahmen als normal auskommen, finanziert sich aktuell durch einen 1,3-Millionen-Kassenkredit. Trotzdem will man dieses Jahr erneut die Vereine unterstützen. Verteilt werden sollen dafür 20.000 Euro. Voraussetzung für Finanzspritzen sind Vereins-Anträge, die bis 15. Oktober der Stadt vorliegen müssen.

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Was sich einfach anhört, entpuppt sich in Bad Muskau jedoch als Eiertanz. Gemäß dem Willen der Stadtväter soll die Vereinsförderung aus der Kommunalpauschale erfolgen. Die zahlte der Freistaat von 2018 bis 2020 allen Kommunen einmal im Jahr in Höhe von 70.000 Euro. Nun gibt es die frei verwendbaren Zusatzgelder auch 2021.

Tanz ums Geld mit vielen Hürden

„Voraussichtlich letztmalig“, so Bürgermeister Thomas Krahl, der auch noch nicht einschätzen kann, ob die Pauschale erneut die Vereins-Unterstützung möglich macht. Denn in Bad Muskau gibt es nun, im Vergleich zu den Vorjahren, diverse Hürden beim Tanz ums Geld. Und da können selbst die erfahrenen Funken nicht weiter helfen.

Hürde eins ist, dass Vereinsförderung eine freiwillige Aufgabe ist. Die ist in Bad Muskau für 2021 unzulässig, weil der Stadthaushalt vor Verlängerung der Kommunalpauschale beschlossen worden war und keine Vereinsförderung enthielt.

Hürde zwei ist, dass die Stadt wegen ihres Haushaltsdefizits erst letztes Jahr eine Bedarfszuweisung über 1,07 Millionen Euro vom Freistaat erhielt, um Schulden abzubauen. Im Gegenzug ist sie zum strikten Sparen verpflichtet. Die Frage, ob unter diesen Aspekten Geld in Vereinsarbeit fließen darf, ist somit berechtigt und bewegte bereits den Verwaltungsausschuss: Der empfahl dem Stadtrat, zu beschließen, 50.000 Euro der Kommunalpauschale als Deckungsmittel im Haushalt, insbesondere zur Finanzierung von Eigenanteilen für geförderte (Bau)Maßnahmen, einzustellen. Der Rest der Gelder soll „unter Vorbehalt“ der Vereinsbezuschussung dienen.

Dieser Empfehlung folgte der Stadtrat, obwohl Stadt- und Gemeinderäte selbst entscheiden können, wofür und in welcher Höhe die Kommunalpauschalen verwendet werden. Aber, so Hauptamtsleiter Dirk Eidtner, auf Grund der besonderen Haushaltslage und der erhaltenen Bedarfszuweisung sei die Lage in Bad Muskau anders; müsse man auf Nummer sicher gehen und „eine Beschlussgenehmigung einholen und bei der Landesregierung nachfragen, ob das Geld für die freiwillige Vereinsförderung“ nutzbar sei.

Sportler & Co. hoffen auf Geldsegen

Und so hält der Tanz ums Geld an, bleibt Vereinen nur die Antragstellung und Hoffnung auf Finanzspritzen. In Geduld üben muss sich damit ebenfalls der SV Rot-Weiß Bad Muskau: Dort gab es, nach langer Pause innerhalb des Spielbetriebes des Fußballverbandes der Oberlausitz, jüngst ein Bambini-Turnier mit vier Teams. Dort siegte nach Neunmeterschießen mit 3:1 im Finale der NFV Gelb-Weiß Görlitz gegen den VfB Weißwasser 1909. Platz 3 und 4 gingen an den Gastgeber Rot-Weiß und die SpG SV Königshain. Dass das Turnier riesig Spaß machte, lag auch daran, dass jeder Kicker eine Medaille und ein Geschenk und die besten Spieler einen Pokal bekamen. Letzteren erhielten Arne Rein (Bad Muskau), der mit vier Jahren einer der jüngsten Turnierspieler war; Tamme Pillath (Weißwasser), Max Damm (Königshain) und Adam Ailal (Görlitz). Möglich wurden Turnier und Ehrungen nur durch Sponsoren und Unterstützer. Einer von vielen Gründen, warum man auf Förderung hofft.

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