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Ein grünes Parkhaus für die Pückler-Stadt

Innovativ sein, zum Welterbe-Park passen, Verkehrschaos in der Innenstadt vermeiden – all das muss der Bau vereinen.

Auch dies soll das Parkhaus erhalten: ein begrüntes Dach sowie Baumpflanzungen im Innenhof-Bereich. Auch im Umfeld ist es geplant, neue Bäume zu setzen und bereits vorhandene Bäume soweit als möglich zu erhalten.
Auch dies soll das Parkhaus erhalten: ein begrüntes Dach sowie Baumpflanzungen im Innenhof-Bereich. Auch im Umfeld ist es geplant, neue Bäume zu setzen und bereits vorhandene Bäume soweit als möglich zu erhalten. © Ingenieurbüro Eichler & Heinrich

Als Thomas Heinrich im Frühjahr die ersten Entwürfe für das künftige Parkhaus am Postplatz im Technischen Ausschuss (TA) vorstellte, gab es viele Einwände und Änderungswünsche. Nicht nur seitens der Stadträte. Auch Anwohner, Feuerwehr und Behörden forderten Nachbesserungen.

Donnerstag legte der Planer im TA seine überarbeiteten Entwürfe vor.Die sehen vor, dass das Parkhaus mit 200 Stellplätzen – darunter- Behinderten- und Motorrad-Parkplätze – im Baustil offen, barrierefrei und zweigeschossig wird. Auch Fahrstuhl, öffentliches WC, ein begrüntes Dach, Baumpflanzungen im Innenhof sowie eine mit Klinkern, Vertikallattung und Rankgerüsten samt Dünge- und Bewässerungssystem gestaltete Fassade entstehen. Das Flachdach bekommt außerdem eine wellenartige Traufe, „Die Fassade wird durch Gestaltung, Begrünung und frei hängende Vegetationswand sehr modern, technisch anspruchsvoll und innovativ“, so Heinrich bei der Präsentation. Und er verwies darauf, dass der Bau den Blick vom Bergpark auf das Muskauer Schloss nicht beeinträchtigt. Eine Anforderung, die aus dem Welterbestatus des Pückler-Parks resultiert. „Man sieht vom Bergpark nur den oberen Gebäudeteil und das begrünte Dach“, betonte der Planer daher.

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Die Gestaltungspläne des Görlitzer Ingenieurbüros Eichler & Heinrich stießen auf Lob. Übereinstimmung herrschte auch darin, dass das Parkhaus keine Schranke in der Zufahrt hat. „Das war und ist uns wichtig, um Staugefahren zu vermeiden“, begründete Bürgermeister Thomas Krahl. Auf die Frage von Wiltraud Matschke (Linke), wie dann Parkgebühren bezahlt werden können, erklärte Krahl, dass es viele Zahlsysteme gäbe. „Wir müssen uns zu gegebener Zeit nur das beste raussuchen, damit uns keine Einnahmen verloren gehen.“

Als Streitpunkt erwiesen sich allerdings die Zu- und Einfahrtsvarianten. Vier stellte Thomas Heinrich vor: Zufahrt über Parkstraße und Ausfahrt über Clara-Zetkin-Straße beziehungsweise umgekehrt sowie eine zentrale Ein- und Ausfahrt in der Clara-Zetkin-Straße mit oder ohne Abbiegespur.

„Die Frage der Zufahrten, sprich, eine Lösung des verkehrlichen Problems in Bad Muskau, ist die alles entscheidende Frage. Bei Gestaltung, Stellflächen, Fahrspuren und Ebenen sehe ich deutliche Aufwertungen der Pläne und ein Optimum“, äußerte Stadtrat und Verkehrsplaner Thomas Baum (SPD). Und er verwies darauf, dass eine Linksabbiegespur Zusatzkosten und eine Verengung des Gehwegs bringe. „Ich favorisiere eine getrennte Zu- und Ausfahrt. Mit allem anderen schaffen wir uns selber Chaos in der Innenstadt“, so Baum, der damit eine kontroverse Diskussion anstieß.

„Mir liegen schon kritische Meinungen von Anwohnern der Parkstraße vor, die sich durch eine Zu- oder Ausfahrt in ihrer Straße zusätzlich belastet sehen“, erklärte Bürgermeister Krahl, der für die zentrale Variante plädierte. Die sah auch Siegmar Nagorka (CDU) als praktikabel, da es bereits am Parkplatz Postplatz gelte. „Beim Parkhaus muss aber eine Abbiegespur hin, um den Verkehr zu beruhigen. Denn trotz 30er-Zone wird in Bad Muskau gerast“, so Nagorka. Sein Fraktionskollege Eric Schobner sprach sich für die getrennte Regelung aus, da alles letztlich eine Kostenfrage sei. René Marko (Wir für Bad Muskau) forderte trotzdem eine Abbiegespur. „Notfalls einfach 50 Meter versetzt und nicht mit zusätzlichen Halteflächen“, schlug er wegen der Kosten vor.

Die müssen Planer und Stadt Bad Muskau streng im Blick haben. Denn Geld für das Parkhaus geben Land und Bund aus dem Programm „Nationale Städtebauförderung“, in dem vier Bad Muskauer Premiumprojekte bestätigt und mit rund zehn Millionen Euro finanziert werden. Ein Projekt ist der Parkhaus-Bau, um den sich die Stadt wegen steigender Touristenzahlen seit 20 Jahren bemüht. Und weil der Bau zwischen Zetkin- und Parkstraße, Feuerwehrgerätehaus, sowjetischem Friedhof mit Ehrenmal und fürstlichem Welterbe-Park liegt, sind planerisch viele Hürden zu nehmen. Zum einen darf der Welterbestatus des Pückler-Parks nicht gefährdet werden. Zum anderen müssen das Ehrenmal verlegt, das Parkchaos in der Stadt beenden, Anwohner nicht zusätzlich belastet und letztlich der Kostenrahmen eingehalten werden. „Ich gebe zu bedenken, dass alleine eine Abbiegespur die Kosten um einen sechsstelligen Betrag erhöht“, erklärte daher Planer Thomas Heinrich. Bürgermeister Krahl verwies zudem auf eine aktuelle Stellungnahme der Feuerwehr. Die lehnt eine Abbiegespur in der Clara-Zetkin-Straße, direkt vor Garage und Depot, ab.

Auf die Frage von Stadtrat Mirko Bartell (Wir für Bad Muskau), wie das Thema E-Autos und Ladesäulen in die Planungen eingeflossen sind, bekannte der Planer, dass Ladesäulen nicht vorgesehen seien und es vom Gesetzgeber bislang keine Einschränkungen oder Sicherheits- und Brandschutzvorgaben für E-Autos in Parkhäusern gäbe. Nachdem noch Fragen zu Ausweichplätzen für E-Autos und Wohnmobile sowie Hinweise zu Stromerzeugung über Photovoltaikanlagen am Bau und mehr kamen, riet Cord Panning, Parkchef in Bad Muskau und als geladener Gast im Ausschuss nach seiner Meinung befragt, zur Beendigung der Diskussion. „Klar hat alles ein Für und Wider. Aber es muss auch einfach mal etwas entschieden werden.“ Diese Forderung unterstrich der Stadtchef. „In Dresden wartet man auf die Entwurfsplanung, um sie baufachlich prüfen zu lassen sowie Planungs- und Finanzierungssicherheit zu haben. Wir müssen wirklich zügig verfahren.“Letztlich stimmte der TA nur über eine zentrale oder getrennte Variante ab. Mehrheitlich befürwortet wurde die Trennung von Ein- und Ausfahrt. Auch, weil sie, je nach praktischer Erfahrung, eine spätere Tauschoption ermögliche. Wann das Parkhaus gebaut wird, ist noch nicht spruchreif. Bislang verzögerte sich das Vorhaben durch Corona bereits um ein Jahr.

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