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„Es ist wie Eisenbahn spielen. Nur in echt.“

Die Waldeisenbahn Muskau bietet zwei bis drei Mal im Jahr ganz besondere Fahrten für ganz besondere Bahnfans an.

Eine historische Dampflok samt Waggons von der Waldeisenbahn Muskau neben einem Oldtimer: Das sind die Motive, die Teilnehmer von Fotozug-Reisen erwarten und beglücken.
Eine historische Dampflok samt Waggons von der Waldeisenbahn Muskau neben einem Oldtimer: Das sind die Motive, die Teilnehmer von Fotozug-Reisen erwarten und beglücken. © Sabine Larbig

Rainer Eichhorn hat massenhaft Fotos von Eisenbahnen in aller Welt geschossen. Seine Liebe zur Bahn kam in der Kinderzeit. „Da wohnte ich an der Eisenbahn.“ Später habe er sein Hobby mit einer großen Gartenbahn ausgelebt. Nun, sagt der Ruheständler, sei ihm die Pflege zu aufwendig geworden. „Ich verkaufte die Bahn und mache stattdessen Fotozug-Reisen.“ Die letzte führte ihn mit einem Spezial-Reiseanbieter zur Waldeisenbahn Muskau (WEM). Die Bilder, die der Rostocker da machte, wird er inzwischen sichten und auswählen. „Von allen meinen Fotozug-Reisen fertige ich einen Bildband zur Erinnerung an“, verriet Rainer Eichhorn gegenüber TAGEBLATT. „Außerdem bin ich in weltweiten Fangruppen, denen ich per Handy oder PC auch Bilder zeige.“

Mehrere Monate Vorbereitung

Für die historische Schmalspurbahn sind die Ergebnisse der Fotozüge mit Teilnehmern aus ganz Europa eine tolle und kostenlose Werbeplattform, die weitere Bahnfans anzieht. Doch die Fotozüge organisieren bedeutet auch viel Arbeit für den Förderverein Waldeisenbahn Muskau, der dafür verantwortlich ist.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

„Die Vorbereitung einer solchen mehrtägigen Aktion dauert einige Monate. Nicht nur historische Loks, Wagen und Zubehör aus dem Museum der WEM müssen einsatzbereit sein und zum Motto der Fotozüge passen. Auch Zug- und technisches Personal, Helfer und die Tagesversorgung der Reiseteilnehmer durch die Frauen unseres Vereins sind abzusichern“, erklärt Vereinsvorsitzender Olaf Urban, der jüngst den und dank Corona einzigen diesjährigen Fotozug mit dem Thema „Die WEM der 70er Jahre“ samt knapp 20 Teilnehmern betreute. Bei den Fahrten nach Bad Muskau und Kromlau ging es um die einstigen Lieferzüge für die Zellulosefabrik in Köbeln ebenso wie um das Thema „Forst und Waldarbeit“. Olaf Urban ist daher als Waldarbeiter gekleidet, führt in Rucksack und Jackentasche versteckt aber auch Handy, Walkie-Talkie und Digitalkamera mit: um die Fahrten für das Vereinsarchiv im Bild festzuhalten – und um mit Teilnehmern und den 14 im Einsatz befindlichen Vereinsmitgliedern ständig Kontakt halten zu können. Denn wer Fotozug-Reisen macht, zahlt gutes Geld dafür, erwartet dafür entsprechende Leistungen. Besonders, wenn es um perfekte und außergewöhnliche Fotomotive geht. Das gilt auch für die Bilder von und mit der WEM, weshalb die Dampfloks mit Waggons, historische Dieselloks oder eigens georderte Oldtimer-Autos öfter hin und her fahren müssen, bis es für alle Eisenbahnfans passt.

Der WEM- /Waldeisenbahn-Muskau-) Bahnhof im Badepark inmitten des Welterbeparks von Bad Muskau ist das ideale Ambiente für die Auftritte nostalgischer Zugtechnik.
Der WEM- /Waldeisenbahn-Muskau-) Bahnhof im Badepark inmitten des Welterbeparks von Bad Muskau ist das ideale Ambiente für die Auftritte nostalgischer Zugtechnik. © Sabine Larbig

„Noch mal eine Ausfahrt mit der 12 unter richtig viel Dampf und zeitgleich mit dem Personenzug“, spricht Olaf Urban, der im Badepark auf einer Anhöhe steht, um alles überblicken zu können, ins Walkie-Talkie. Immer wieder fahren die Loks samt Langholz- beziehungsweise Personenwagen ganz langsam hin und her, bis ein weiter entfernt stehender Mann mit riesiger Profi-Kamera den Daumen in die Höhe streckt. „Wir haben’s im Kasten. Es kann weiter gehen“, ruft er und gibt den anderen Männern der Gruppe ein Zeichen, dass sie weiter gehen sollen. Alle packen schnell Stative und Klappstühle an, sichern ihre Fotoausrüstung und laufen los. Durch den Wald, entlang der Bahngleise, bis zum nächsten Fotostopp.

Diesmal wartet Hagen Schmidt vom Oldtimer-Stammtisch Muskauer Heide mit einem Opel-Pritschenwagen, Baujahr 1934, auf die Gruppe. Schon oft hat er mit unterschiedlichen Oldtimern Einsätze bei Fotozügen der Waldeisenbahn gehabt. „So ein Termin ist meist ein Vierteljahr vorher bekannt, so dass ich ihn einplanen und vorbereiten kann“, erzählt er. „Es gefällt den Leuten, wenn zusätzlich was im Programm ist.“ Auch Michael Blechmann, Geschäftsführer des Spezial-Reiseanbieters Tanago, der seit zehn Jahren Fotozüge in alle Welt und zur WEM anbietet, bestätigt es. „Das ist wie Eisenbahn spielen. Nur in echt, mit richtiger Technik bis zum Drumherum.“

Rund 20 Teilnehmer aus Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Holland nahmen kürzlich an der Fotozug-Reise zur WEM teil, die Michael Blechmann (Mitte/blaue Jeans) veranstaltete.
Rund 20 Teilnehmer aus Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Holland nahmen kürzlich an der Fotozug-Reise zur WEM teil, die Michael Blechmann (Mitte/blaue Jeans) veranstaltete. © Sabine Larbig

Und weil die Bahn- und Fotofans darauf Wert legen, hat sich auch Hagen Schmidt „in Schale“, sprich Arbeitskittel, geworfen und mimt den Fahrer des Fabrikanten, der eine Autopanne hat und dem von den Eisenbahnern des heranfahrenden Zuges geholfen wird. Für die Reiseteilnehmer ein tolles Motiv: Bahn- und Autotechnik von einst nebeneinander vereint.

Rainer Eichhorn hat auch davon viele Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven, um „das“ Bild für sein Fotobuch zu haben. Wann er die nächste Fotozug-Reise machen kann, weiß er anbetrachts von Corona nicht. Olaf Urban hofft indes, dass der vom Verein eigenständig geplante und beworbene Fotozug im Frühjahr starten kann. Auch Michael Blechmann plant für 2021 – etwa eine Reise zur WEM im Herbst.

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