merken
PLUS Weißwasser

Heute vor 150 Jahren ist Pückler gestorben

Von einem, dessen Spuren bis heute allgegenwärtig sind. Und der sich vor allem eines heute nicht mehr erlauben dürfte.

Die Seepyramide steht im Fürst-Pückler-Park. Auf der Pyramide wächst wilder Wein, dessen Laub sich herbstlich verfärbt. Die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in Branitz mit großem Feingefühl komponierte Parkanlage gilt als der letzte der große
Die Seepyramide steht im Fürst-Pückler-Park. Auf der Pyramide wächst wilder Wein, dessen Laub sich herbstlich verfärbt. Die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in Branitz mit großem Feingefühl komponierte Parkanlage gilt als der letzte der große © Patrick Pleul/dpa

Wie ein Pharao wollte er vor der untergehenden Sonne begraben sein: Die Seepyramide, die sich Gartenkünstler Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) als Grabmal bauen ließ, liegt im Westen des Landschaftsparks Branitz. Der Hausherr von Schloss und Park bei Cottbus hatte verfügt, seine sterblichen Überreste in Ätzkalk aufzulösen und danach in einem pyramidenförmigen begrünten Erdhügel inmitten des künstlichen Sees beizusetzen. Am 4. Februar 1871, vor 150 Jahren, starb der „grüne Fürst“, wie ihn sein Biograf Heinz Ohff nennt.

Exzentrisch war er immer. Heinrich Heine beschrieb Hermann von Pückler-Muskau als den „fashionablesten aller Sonderlinge“. Die Gestaltung von Landschaft faszinierte ihn: Er ließ Bäume verpflanzen, Seen anlegen, Hügel aufschütten. In seinem Geburtsort Bad Muskau schuf er einen beispielhaften Landschaftspark im englischen Stil. „Weitläufige Wiesen, majestätische Bäume, geschwungene Wege, pittoreske Seen verwob er mit der natürlichen Umgebung der Neißeaue und den Neißeterrassen“, so beschreibt es Pressesprecherin Sophie Geisler.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Heute liegt der größere Teil des Parks in Polen. Er ist seit 2004 eine grenzübergreifende Unesco-Weltkulturerbestätte. „Ein außergewöhnliches Beispiel eines europäischen Landschaftsparks sowie einer künstlerischen Ideallandschaft“, befand die UN-Organisation. „Ein Musterbeispiel unserer gut nachbarschaftlichen Kulturbeziehungen“, nannte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) das deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekt.

Hier, auf Schloss Muskau, kam der erste Sohn von Erdmann Graf Pückler am 30. Oktober 1785 zur Welt. Mit neun Jahren wurde er zu den pietistischen Herrnhutern gegeben. Sie weckten in ihm eine lebenslange Abneigung gegen den Protestantismus. Über einen späteren Übertritt zum katholischen Glauben gehen die Meinungen der Experten auseinander. Ohff datiert eine solche auf den 30. Oktober 1839. Kunstwissenschaftler Ulf Jacob wendet aber nach Quellenlage ein: „Alles deutet auf ein Mind-Game, eine Fiktion im Sinne eines ‚als-ob‘ hin.“ Und weiter: „Das katholische Zeitalter galt ihm als positiv, aufbauend und organisch, das evangelische als negativ, revolutionär-zerstörerisch.“Der junge Pückler studierte Jura in Leipzig, schlug aber bald die militärische Laufbahn ein. Als Oberstleutnant nahm er 1813 an der Völkerschlacht bei Leipzig gegen Napoleon teil. Im Jahr darauf lernte er in England die Landschaftsparks kennen, die ihn begeisterten. Als seine Parkleidenschaft entbrannte, war er schon Herr des Hauses in Muskau. 1817 heiratete er Lucie von Hardenberg, die Tochter des preußischen Staatskanzlers. Schon 1826 ließen Pückler und seine Frau sich scheiden, blieben aber freundschaftlich verbunden. Auch Lucies Sarg wurde 1884 in die Seepyramide überführt.

Im Rückblick nicht unumstritten

Heute würde man Pückler pädophil nennen, sein Verhalten menschenverachtend: Von einer seiner zahlreichen Reisen brachte er ein äthiopisches Mädchen heim; Machbuba war etwa zwölf Jahre alt, als er sie 1837 auf einem Sklavenmarkt in Kairo kaufte. Sie begleitete ihn als Dienerin und Mätresse, starb aber schon 1840 in Muskau an Tuberkulose.

Der überschuldete Fürst musste 1845 sein Schloss verkaufen, samt Landschaftsgarten, der ihn in den Ruin getrieben hatte. Pückler hatte Mutterboden bewegt, ausgewachsene Bäume verpflanzen lassen, um „Blickachsen“ zu schaffen, und ganze Dörfer umsiedeln lassen, um seine Vision zu realisieren. Sein Plan, die Geldnöte mit einer reichen neuen Heirat zu lösen, war nicht aufgegangen.

Mit 60 Jahren zog er sich in sein Erbschloss Branitz bei Cottbus zurück. 1847 begann er, auch dort einen Landschaftspark anzulegen. In seiner „Baumuniversität“ werden heute klimaresiliente Gehölze für die Zukunft erprobt. Ein großzügiges Geschenk machte der Deutsche Bundestag der dortigen Pückler-Museumsstiftung im November 2020: 12,5 Millionen Euro für einen „Masterplan“, der Schloss und Park weiterentwickeln soll.Der Globetrotter und Landschaftsplaner Pückler brachte es auch zum Bestseller-Autor, etwa mit „Briefe eines Verstorbenen“. Mit seinen „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ erwarb er sich Weltruf. Noch mit fast 81 Jahren meldete sich Pückler 1866 als Freiwilliger zum Deutsch-Österreichischen Krieg. Seine Meldung zum Deutsch-Französischen Krieg im Jahr 1870 wurde abgelehnt. Er starb wenig später mit 85 Jahren.

Das Fürst-Pückler-Eis aber hat er nicht selbst erfunden: Erstmals erwähnte es der Königlich-Preußische Hofkoch Ferdinand Jungius 1839 in einem Kochbuch, wahrscheinlich war das Dessert dem Fürsten gewidmet – ein Halbgefrorenes mit Sahne und Früchten in drei Schichten. Heute wird Eis aus je einer Schicht Vanille, Schokolade und Erdbeere so genannt. Nicht dabei ist eine von Pücklers Lieblingsfrüchten: die exotische Ananas, die er natürlich selbst in seinen Gewächshäusern züchtete. Vielleicht wäre heute, an seinem 150. Todestag, also ein Pücklereis garniert mit Ananas das genau Richtige. (epd)

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser