merken
PLUS Weißwasser

Licht und Schatten im fürstlichen Park

Corona brachte dem Muskauer Park weniger Besucher und finanzielle Verluste – aber auch neue Vermarktungsideen.

Bis Ende Oktober konnten Besucher die Angebote im Muskauer Schloss samt Gastronomie nutzen. Seit dem 2. November ist wegen Corona jedoch wieder alles geschlossen.
Bis Ende Oktober konnten Besucher die Angebote im Muskauer Schloss samt Gastronomie nutzen. Seit dem 2. November ist wegen Corona jedoch wieder alles geschlossen. © Sabine Larbig

Milde Temperaturen und strahlender Sonnenschein lockten am Wochenende erneut viele Besucher in den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Die konnten jedoch nur den Park erkunden. Schloss, Gärtnerei, Ausstellungen und Gastronomie haben seit dem 2. November wegen der Corona-Pandemie erneut geschlossen.

Durch den Virus verzeichnet die Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau bereits rund 170.000 Euro Einnahmeverluste. Und dies, obwohl im Sommer mehr Individualtouristen als sonst kamen, weil Urlaub im eigenen Land wegen Covid-19 boomte. Allein im Monat August nahm die Stiftung durch den Touristenansturm rund 8.500 Euro mehr als im Vergleichzeitraum 2019 ein. Die Ausstellungen „Das Städtchen Muskau“ und Park-Aquarelle von Carl Graeb sowie die Veranstaltungen im Rahmen des Lausitz-Festivals mit hochkarätigen Künstlern aus aller Welt setzten überregionale Achtungszeichen, zogen zusätzlich Besucher an. Die rund 125.000 Euro Verlust allein aus den Schließmonaten im Frühjahr konnten sie aber nicht ausgleichen.

Anzeige
Laden Sie Ihre Akkus auf
Laden Sie Ihre Akkus auf

...und lassen Sie sich elektrisieren.

Teilausgleich der Einnahmeverluste

Trotzdem ist man angesichts der durch Corona verursachten Einschränkungen und Sonderausgaben mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. „Der Haushalt weist bisher rund 170.000 Euro Verlust aus, wurde durch die Pandemie und ihre Auswirkungen aber nicht so hart getroffen wie befürchtet“, sagt Stiftungsratsvorsitzender Dirk Diedrichs. Und es gäbe Deckungsmöglichkeiten. So würden Freistaat Sachsen und Bund finanzielle Hilfen für Zusatzausgaben durch Hygienemaßnahmen und mehr Aufsichtspersonal leisten. Wie hoch sie ausfallen, ist noch offen. Da man jedoch 2021 weiter von Covid-19-Einschränkungen und somit wirtschaftlichen Negativfolgen ausgehen müsse, sei die Planung des Stiftungshaushalts für 2021/22 mit „großen Unsicherheiten“ belastet. Dies gelte auch für die aktuelle Haushaltsdiskussion im Freistaat. Dennoch geht Diedrichs nicht davon aus, dass es zu einem Wegfall fest geplanter Zuweisungen komme. „Die Stiftung der Welterbestätte muss auf sicherer Grundlage stehen“, begründet Diedrichs.

Werbekampagne mit Pückler

Für Parkdirektor Cord Panning eine Aussage, die hoffen lässt. Corona verursachte ja neben mehrmonatigen Schließungen und dem Wegfall von Veranstaltungen wie des deutsch-polnischen Parkfestes, des Straßentheater-Festivals „ViaThea“, des Open-Air-Picknicks oder des Musiksommers eine Zwangspause für Führungen, Kindergeburtstage und Hochzeiten. Bustourismus? Null. All das müsse bei der Haushaltsplanung 2021 bedacht werden. „Aber auch positive Effekte wie der Wiederanstieg der Zahl deutscher Touristen im Park“, sagt Panning. Die sei in den letzten zwei Jahren zuvor stetig gesunken, während polnische Besucher immer mehr den deutschen Teil des binationalen Parks für sich entdecken.

Eine Folge dieses Trends sei ein neues Vermarktungsprojekt des Freistaates unter Federführung der Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO). „Sinnesrausch Oberlausitz – das Kulturentdeckerland“ heißt das Motto. Dabei gehe es auch um „werbende Botschaften“ mit Pückler, seinem Park und der regionalen Landschaft mit Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen oder Neißetal. Inhaltliche Schwerpunkte des Projekts seien ein verstärktes Innenmarketing, bei dem auch regionale Bürgermeister und Touristiker stärker eingebunden werden, buchbare Angebote für Touristen sowie die überregionale Bewerbung von Angeboten und Region mittels Broschüren, Filmen, Spots und witzigen Werbeclips.

Zu Fuß oder per Rad: Muskaus Park ist ganzjährig einen Besuch wert. Durch Corona ist Selbstversorgung nun ebenso zwingend wie der Ausflug nur in Familiengröße.
Zu Fuß oder per Rad: Muskaus Park ist ganzjährig einen Besuch wert. Durch Corona ist Selbstversorgung nun ebenso zwingend wie der Ausflug nur in Familiengröße. © Sabine Larbig

Geht es nach Cord Panning, soll die Werbekampagne von Sprache bis Fotomotiv „richtig pfiffig“ sein. Das schaffe Sympathie. Zudem könne er sich Pückler in der Kampagne als zentralen Übervater und genialen Landschaftsgestalter vorstellen, der auf unkonventionelle Weise selbst Landschaftserlebnisse in der Dimension des 21. Jahrhunderts, bis hin zu Kontrastpunkten wie Tagebau-Rekultivierung, vermittelt. Noch befinde man sich im Stadium erster Überlegungen und Ideen.

Finanziert werde das neue Marketingprojekt aus Corona-Hilfsgeldern des Freistaates, die bis 2022 bereitstehen und angezapft werden sollen. Bereits erschienen ist, als Vorgeschmack und Neugier machender Baustein, eine Broschüre samt touristischen Angeboten für Winter 2020 und Frühjahr 2021 im Oktober in „Die Zeit“. Da ahnte noch niemand, dass kurz darauf der zweite deutschlandweite Lockdown ausgerufen wird und Hotels, Pensionen, Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen erneut schließen müssen. Trotz und gerade wegen Corona, sagt Panning, sei die Marketing-Idee prinzipiell gut und wichtig zur Unterstützung und Belebung des Tourismus in der Region sowie für die Stiftung als ideellen Träger. „Abgesehen davon profitieren selbst andere sächsische Welterbestätten wie das Erzgebirge davon.“

Polnischer Denkmaltag im Park

Und der Muskauer Parkdirektor hofft ebenfalls, dass 2021 wieder das Lausitz-Festival in Bad Muskau Station macht. Nutznießer will die deutsche Pückler-Stiftung auch von einer neuen Idee der polnischen Nachbarn sein. Die wollen ab 2021 jährlich im September die Zentralveranstaltung zum Europäischen Denkmaltag, vergleichbar mit dem „Tag des offenen Denkmals“ in Deutschland, im polnischen Teil des Fürst-Pückler-Parks stattfinden lassen. So jedenfalls plant es Warschau. Cord Panning findet das „positiv und eindrucksvoll“. Die Auftaktveranstaltungen würden ja nicht nur die Blicke ganz Polens auf den polnischen Teil des Welterbepark lenken, nationale und internationale Gäste und Experten anziehen, sondern auch flankierende Angebote für die Öffentlichkeit bieten.

 „Das stärkt und erhöht gleichzeitig die Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Seite des Welterbeparks“, schätzt Stiftungsratsvorsitzender Dirk Diedrich ein. „Daher begrüßen und unterstützen wir die polnische Initiative, werden wir uns als deutscher Seite des Parks mit einbringen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Corona-Entwicklung samt wirtschaftlichen Folgen diese Ideen nicht wieder zunichte macht.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser