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Plötzlich war die Scheune weg

Feuerwehr und Polizei waren am Mittwoch am Gehalm in Bad Muskau im Einsatz. Dort war eine historische Stadtscheune zusammengebrochen.

Die historische Scheune gehörte zu den ältesten Gebäuden der Kur- und Parkstadt Bad Muskau, sollte mittelfristig saniert und erhalten werden, so wie ihre Pendants direkt am Gehalm, die bereits saniert werden.
Die historische Scheune gehörte zu den ältesten Gebäuden der Kur- und Parkstadt Bad Muskau, sollte mittelfristig saniert und erhalten werden, so wie ihre Pendants direkt am Gehalm, die bereits saniert werden. © Sabine Larbig

Es war am Mittwoch gegen 12.45 Uhr, als Anwohner eine riesige, sich ausbreitende Staubwolke bemerkten. Als sie sich lichtete, bemerkten die Muskauer erst die Ursache: Die historische Stadtscheune hinter dem einstigen Kino am Gehalm war in sich zusammengefallen. Plötzlich und fast lautlos.

Wie Jens Dräger, Einsatzleiter der Stadtfeuerwehr Bad Muskau, mitteilte, sei man von Bürgern angerufen und über den Vorfall informiert worden. „Wir haben zur Begutachtung der Unfallstelle sofort die Drehleiter aus Weißwasser angefordert und auch eine Wärmebildkamera, um eventuell verschüttete Personen ausfindig zu machen“, so Dräger weiter. Die Kameraden fanden glücklicherweise niemanden.

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Kripo und Spürhund im Einsatz

Wie die leerstehende Scheune einfach in sich zusammen fallen konnte, ist noch unklar. „Wir hatten einen Winter mit viel Schnee. Da fielen Dachkonstruktion und Gebäude nicht unter der Schneelast zusammen, gab es keine Anzeichen für ein so marodes Gebäudes. Jetzt, ohne Schnee, Sturm oder Starkwind, fiel sie ein. Das ist schon erstaunlich“, so die Meinung der Kameraden, die nach ihrer Alarmierung sofort auch den Bürgermeister informierten.

„Ich war bestürzt und natürlich ebenfalls verwundert, als ich die Ruine sah“, erzählt Stadtchef Thomas Krahl, der noch am Mittwoch bei der Polizei eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt gestellt und den Schaden der Versicherung gemeldet hatte. Bereits gegen 16 Uhr ermittelten Beamte der Kriminalpolizei vor Ort, unter anderem per Drehleitereinsatz, zu möglichen Ursachen für den Gebäudezusammenbruch. Selbst für den Einsatz einer Polizeistaffel mit Spürhunden hatte man sich entschieden. Die Beamten und ihre Hunde waren noch am späten Nachmittag im Sucheinsatz.

Feuerwehr und Polizei begutachteten noch Mittwochnachmittag per Drehleiter den Unfallort.
Feuerwehr und Polizei begutachteten noch Mittwochnachmittag per Drehleiter den Unfallort. © Sabine Larbig

Rätselraten zur Unfallursache

Während die zehn Kameraden der Stadtwehr und die Drehleiter-Besatzung aus Weißwasser bis in die frühen Abendstunden am Unfallort waren und Absperrungen sowie erste Notsicherungen an der stehengebliebenen Giebelwand vornahmen, zeigten sich Anwohner erleichtert darüber, dass sie durch die zusammengesackte Scheune nicht verletzt oder ihre Häuser und Grundstücke beschädigt wurden. Allerdings waren von stehen gebliebenen Passanten durchaus auch Meinungen zu hören wie: „Dass sowas mal passiert, war ja nur eine Frage der Zeit. Aber hoffentlich ist niemandem etwas passiert.“

Bis Redaktionsschluss am gestrigen Donnerstag lagen TAGEBLATT noch keine offiziellen Informationen der Polizei zum Einsatz in Bad Muskau und mögliche Ermittlungsergebnisse vor. Damit, und dies ist die gute Nachricht, scheint es nach jetzigem Stand glücklicherweise auch nicht zu Personenschäden gekommen zu sein. Da die Ermittlungen vor Ort jedoch zeigten, dass der Scheunengiebel einzustürzen drohte, wurde er aus Sicherheitsgründen noch am Mittwoch gegen 19 Uhr mit einem Bagger eingerissen.

Warten auf Ermittlungsergebnisse

Die leerstehende und ungenutzte Stadtscheune sollte ursprünglich, wie die ihre Pendants am Gehalm, mittel- oder langfristig saniert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Denkmalschutz bestand für sie nicht. Wie die anderen Scheunen zählte sie zwar zu den ältesten erhaltenen Gebäuden von Bad Muskau. Doch für das Gebäude hinter dem ehemaligen Kino gab es bisher weder eine Bauplanung noch eine Finanzierungsstrategie zur Umsetzung eines Sanierungsvorhabens, während dies bei den Scheunen am Gehalm bereits läuft.

„So, wie es aktuell aussieht, wird wohl nur noch der Abriss der Scheune bleiben“, schätzt Bürgermeister Krahl ein. Allerdings ist hier noch nicht das letzte Wort gesprochen. Laut Krahl werden erst am heutigen Freitag oder Anfang kommender Woche die Baustatiker vor Ort sein und darauf basierend ein Gutachten erstellen. In den nächsten Tagen beginnen sollen zudem weitere eventuell erforderliche Sicherungsmaßnahmen an der Scheune, bevor dort eine Beräumung – oder möglicherweise der Komplettabriss – erfolgen kann.

„Es ist schon gut, dass Kripo und Gutachter ermitteln. So wissen wir, was die Ursache für das Geschehen ist und woran wir sind, also was mit der Ruine passieren kann, soll oder muss“, bekennt Bürgermeister Krahl gegenüber TAGEBLATT.

Die Nachricht von dem Ereignis breitete sich in Bad Muskau natürlich wie ein sprichwörtliches Lauffeuer aus. Viele Fotos und Videos von der Ruine, dem Feuerwehreinsatz und dem Abriss des Giebels kursierte bereits kurz nach den Geschehnissen in sozialen Netzwerken.

Inzwischen haben sich Aufregung und Schrecken in Bad Muskau wieder gelegt. Nun warten die Bürger auf Informationen und Ermittlungsergebnisse.

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