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Weißwasser

Schankwirtschaft haucht Muskauer Turmvilla Leben ein

Der „Fuchsbau“-Kneipier und der Lausitzer-Füchse-Co-Trainer bewirten über den Sommer Gäste – im Freien und ganz einfach.

Seit Juni betreiben Mario Pinter (2.v.li.) und André Mücke (3.v.re.) ihr Sommerprojekt „Schankwirtschaft, Biergarten an der Turmvilla“. Im Helferteam stehen meist Freunde und Verwandte.
Seit Juni betreiben Mario Pinter (2.v.li.) und André Mücke (3.v.re.) ihr Sommerprojekt „Schankwirtschaft, Biergarten an der Turmvilla“. Im Helferteam stehen meist Freunde und Verwandte. © Steffen Bistrosch

Von Steffen Bistrosch

Einen ruhigen Platz zum Chillen, Sitzen und Quatschen. Einen kleinen Rückzugs-Ort, um nicht allein zu sein, um alte zu Bekannte treffen oder neue Leute kennenzulernen. Ein schattiges Fleckchen im Sommer, um zusammenzukommen, um draußen zu sitzen und dazu ein gepflegtes Glas Wein oder ein frisch gezapftes Bier trinken – das haben die beiden langjährigen Freunde Mario Pinter und André Mücke schon länger vermisst.

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Jetzt, da der Würgegriff von Corona nachlässt, scheint der gesellschaftliche Drang nach Abwechslung besonders groß zu sein. Und so entstand aus der Idee, „etwas zusammen zu machen“, und dem Gedankengang: „am Wasser mit Sonne“ (wie Pinter und Mücke es formulieren), im Frühjahr ein gemeinsames „Naturprojekt“ am Rande des Bad Muskauer Parks namens „Schankwirtschaft, Biergarten an der Turmvilla“. 15 Holztische im Außenbereich, kein Plastikdach, keine aufgespannten Schirme mit Werbung. Dafür das Flair des altehrwürdigen Parks. Für die entspannte Stimmung sorgen die Gäste selbst, die hier in die rustikale Schankwirtschaft unter den jahrhundertealten Bäumen einkehren wollen.

„Ein gemischtes Publikum, Bekannte, Freunde, Parkbesucher, Gäste vom Campingplatz, Radfahrer, Spaziergänger, Einheimische, Touristen, Jung und Alt ...“, haben die beiden Betreiber ausgemacht. „Neulich hat eine Firma hier ihre ausgefallene Weihnachtsfeier nachgeholt“, freuen sie sich. Dafür gab (und gibt!) es Fassbier aus Görlitz und Wein aus Jerischke.

Das Weingut haben sie selbst gecheckt und den Wein ausgesucht. „Eine coole Sache“ sei das gewesen, meint André Mücke. Regional wollen sie sein. Das Essen kommt vom Grill. Weil „André Mücke am Grill genauso enthusiastisch wie früher auf dem Eis ist“, sagt Mario Pinter. Wenn viele Besucher da sind, helfen Freunde, Bekannte oder die Familie kurzfristig aus. Geöffnet wird nur am Wochenende: freitags ab 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag ab 14 Uhr. Und wie lange? „Open End“, sagen die Betreiber. „Bis die Letzten gehen.“

Fußball-EM war gute Starthilfe

Geöffnet wird nur, wenn es nicht regnet. Das entscheiden die beiden Betreiber spätestens mittags beim Blick in den Wetterbericht und auf das Regenradar. „Unser Konzept ist flexibel“, sagen sie. Wenn offen ist, stellen sie die Schilder an der Straße raus. Und über die sozialen Netzwerke verbreitet sich die Information schnell, dass an der Turmvilla wieder etwas gehe. „Je nach Wetter“ könnte die Saison bis September so weitergehen, schätzen die beiden. „Die Fußball-Europameisterschaft hat uns am Anfang natürlich in die Karten gespielt“, meinen sie. Die Resonanz ist positiv, die Stimmung der Gäste ebenso. „Alle sind tiefenentspannt, die Gäste bleiben lange sitzen und sind durchweg freundlich“.

Für Mario Pinter, den Inhaber der Stadiongaststätte in der Eisarena Weißwasser, ist das Experiment mit der Schankwirtschaft derzeitiger Gegenpol zu seiner sonstigen Wirkungsstätte. Als „absolut katastrophal“, schätzt er die Corona-Zeit im Fuchsbau ein. Seit dem 2. März 2020 hat es kein Punktspiel der Füchse vor Zuschauern mehr gegeben! Sein Team von bis zu 22 Mitarbeitern kann seitdem keinen Job in der Eishalle machen. Er müsse nebenher bei Bekannten arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen. „Wir kämpfen um das Überleben“, sagt Pinter ernst. „Wir hoffen, dass sich alles gelohnt hat. Es war, ist und bleibt ein Kraftakt in finanzieller und mentaler Hinsicht“.

Mücke, der im letzten Winter nach der Entlassung von Corey Neilson Co-Trainer bei den Lausitzer Füchsen wurde, erklärt hingegen: „Wir hätten das hier auch ohne Corona gemacht“. Pinter fügt hinzu, er wolle sich nicht mehr mit dem Blick zurück beschäftigen. Er wolle nur, dass die Normalität einkehrt und erhalten bleibt. Andernfalls, langfristig könne das keiner der Betroffenen wirtschaftlich überleben.

Die beiden sind Daniel Kunze, dem das ganze Objekt gehört, sehr dankbar, dass er ihnen die Chance gegeben hat, diese Unternehmung aufzuziehen. In der Villa nebenan können Waschgelegenheiten und Toiletten genutzt werden. Der Betrieb der Turmvilla ist derzeit keine Option für die beiden, das sei eine Nummer zu groß. „Wir sind Realisten, keine Träumer“, sagt Pinter. Allerdings könne die Schankwirtschaft zum Abpuffern des Sommers langfristig ein Thema werden. „Wir machen das total gerne“ sind sie sich einig.

Seit Juni betreiben Mario Pinter (2.v.li.) und André Mücke (3.v.re.) ihr Sommerprojekt „Schankwirtschaft, Biergarten an der Turmvilla“. Im Helferteam stehen meist Freunde und Verwandte.Und ab 1. Oktober beginnt die Eishockey-Saison – dann mit André Mücke als Co-Trainer hinter der Bande und Kneipier Mario Pinter im Fuchsbau. Für Mario Pinter ist und bleibt oberste Prämisse: „Die Gäste müssen sich wohlfühlen.“ Und André „Fliege“ Mücke weiß mit der Erfahrung aus über 800 Spielen als Eishockeyprofi: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Arbeit kann auch Freude sein. Und Freundschaft festigen. Und ein Zeichen setzen.

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