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Start für spektakuläres Tourismus-Projekt

In Bad Muskau treffen zwei Welterbe-Stätten aufeinander: Park und Faltenbogen. Vereint werden sie im Kavalierhaus.

Nachdem das Kavalierhaus im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau bereits eine nutzungsunabhängige Innen-, Dach- und Fassadensanierung erhielt, soll es nun umgestaltet werden und auch einen Anbau im Hof erhalten. Das Gebäude wird zum Besucher- und Bildungszen
Nachdem das Kavalierhaus im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau bereits eine nutzungsunabhängige Innen-, Dach- und Fassadensanierung erhielt, soll es nun umgestaltet werden und auch einen Anbau im Hof erhalten. Das Gebäude wird zum Besucher- und Bildungszen © Sabine Larbig

Von einer Terrasse am Kavalierhaus blickt ein Paar auf eine subtropische Landschaft mit See, Palmen und Dinosauriern in einem Anbau. „Los, lass uns das genauer ansehen“, sagt die Frau und ist schon in Richtung Treppe unterwegs. „Ich komme gleich nach, nehme den Aufzug“, ruft ihr Mann, und kurze Zeit später wandeln sie durch eine „paradiesischen Lausitz“, wie es sie in der erdgeschichtlichen Epoche des Tertiär gab.

Regionalgeschichte wird erlebbar

Geschichte zum Staunen, Anfassen und Erleben bietet sich den Touristen auch in den anderen Ausstellungsräumen im Kavalierhaus, die sie in Themenbereiche wie die Eiszeit, das Faltenbogen-Universum, die Entstehung der Kohle, den Menschen als Landschaftsformer oder die Zukunft der Region versetzen. „Kannst Du Dich noch an den Bereich Faltenbogen erinnern? Ich habe gehört, dort kann man wandern, auf Aussichtstürme klettern, mit der Eisenbahn hindurch fahren. Das würde ich gerne erleben“, wendet sich der Mann an seine Partnerin, als sie im Kavalierhaus-Café sitzen. „Vielleicht kann man uns im Shop am Eingangsbereich, neben der Garderobe und der Kasse, gleich ein paar Tipps oder Flyer geben, wo und welche Ausflüge wir in den nächsten Tagen buchen könnten. Und danach spazieren wir etwas durch den Park, bevor wir uns morgen das Schloss und den polnischen Parkteil ansehen“, so der Mann beim Blick auf die Fassade des gegenüberliegenden Neuen Schlosses im Fürst-Pückler-Park.

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35 Millionen Euro für den Umbau

Noch ist dies eine fiktive Szene, die auf ersten Ideen der Leipziger Design Agentur Kocmoc basiert. Das Unternehmen konzipierte bereits 2007/08 die Pückler-Ausstellung im Neuen Schloss in Bad Muskau und erstellte Konzepte für Sonder- und Dauerausstellungen wie im Lutherhaus Eisenach, im Stadtmuseum Wittenberg, im Haus der 1.000 Teiche im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft oder in den Porzellanwelten Leuchtenburg. Nun haben sich die kreativen Köpfe der Leipziger Agentur schon Gedanken für das neue Projekt in Bad Muskau gemacht.

Öffentlich aus- und vorgestellt wurden sie erstmals im August 2020, als Bundeskultusministerin Monika Grütters und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in Bad Muskau ein gemeinsames Finanzierungsabkommen zur jährlichen institutionellen Förderung der Fürst-Pückler-Stiftung bis 2024 unterzeichneten und sich zur „nutzungsabhängigen Sanierung des Kavalierhauses samt Erweiterungsbau mit multimedialer Dauerausstellung zur Geschichte der Region und des Muskauer Faltenbogens“ bekannten. Dafür stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit, von denen der Freistaat Sachsen 20 Millionen Euro finanziert und der Bund den Rest gibt.

Durch diese Finanzierungszusagen kann das Kavalierhaus im Muskauer Park zum zentralen sächsischen Besucher- und Bildungszentrum des Unesco-Geoparks Muskauer Faltenbogen – der sich auch über die Länder Brandenburg und Polen erstreckt – um- und ausgebaut werden. Gleichzeitig wird das Gebäude künftig zwei Welterbestätten, den Muskauer Park und Muskauer Faltenbogen, einen und ein für den regionalen Tourismus zukunftsträchtiges und spektakuläres Projekt darstellen.

Wettbewerb mit großen Ansprüchen

Beim Wandeln durch den Muskauer Faltenbogen sollen Besucher erfahren, wie die Formation einst entstand und sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auswirkt.
Beim Wandeln durch den Muskauer Faltenbogen sollen Besucher erfahren, wie die Formation einst entstand und sich auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auswirkt. © Kocmoc

Für das gab es am 15. März nun den offiziellen Startschuss. Ein zweistufiger, offener und EU-weiter Realisierungswettbewerb wurde vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement Dresden ausgerufen, wobei sich der Wettbewerb besonders an Landschaftsarchitekten richtet. „Wir gehen von einer zweigeschossigen Lösung, damit der Kellerbereich mit einbezogen werden kann, samt Anbau aus“, so Cord Panning, Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung in Bad Muskau.

Laut seiner Aussage seien weitere große und zu beachtende Eckpfeiler der Einbau eines Fahrstuhls und behindertenfreundlicher Zugänge sowie ein Eingangsbereich am östlichen Kopfende des Kavalierhauses, um Besucherströme lenken zu können. „Das Ganze soll genial, originell und kreativ sein“, erklärt Panning. Und es gibt noch mehr Herausforderungen. So muss die Altbausubstanz samt Sicht zum Schloss erhalten und die Hofsituation – die einst großzügig umpflanzt war – vom Besucher wahrnehmbar sein. Allerdings darf der Anbau weder von der Höhe, den Materialien noch von der Gestaltung her auftrumpfen. „Das verlangt ein Eindenken in eine Situation der cleveren Binnenwirkung, was schon an sich ein interessantes Spannungsfeld darstellt“, umschreibt es der Parkdirektor. Hinzu komme im zweiten Schritt die Herausforderung der Ausstellungsgestaltung. „Alles in allem ist die Neuausrichtung des Kavalierhauses ein großes, spektakuläres, zentrales Projekt für die nächsten Jahre.“

Wann das Besucher- und Bildungszentrum öffnet, ist derzeit nicht abschätzbar. Wenn alles gut gehe, so Panning, liege Ende September 2021 ein Siegerentwurf vor. Den kürt unter allen eingehenden Wettbewerbsbeiträgen eine Jury, die aus 17 Fachpreisrichtern besteht, darunter Experten unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, Architekten sowie Mitglieder des Stiftungsrates. „Es wird sicher nicht einfach, zu einem einheitlichen Votum und einem klaren Siegerentwurf zu kommen“, vermutet Parkdirektor Panning, der sehr gespannt auf eingehenden Entwürfe ist.

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