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Pückler-Park versucht resistentere Bäume

Im Bad Muskauer Park sind viele Bäume krank. Mit Naturverjüngung, Neupflanzung und Forschung soll der Bestand gesunden.

Die Volontäre der Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau, Michelle Knopf, Anja Gottschalk und Jannis Vetter (v.r.n.l.), haben das Versuchsprojekt im Bergpark konzipiert, Pflanzpläne erstellt, geeignete Baum- und Gehölzsorten aufgelistet und pflanzen mit.
Die Volontäre der Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau, Michelle Knopf, Anja Gottschalk und Jannis Vetter (v.r.n.l.), haben das Versuchsprojekt im Bergpark konzipiert, Pflanzpläne erstellt, geeignete Baum- und Gehölzsorten aufgelistet und pflanzen mit. © Joachim Rehle

Als Parkdirektor im Welterbepark von Bad Muskau weiß Cord Panning, dass sich Bäume im Alter von etwa 200 Jahren meist verabschieden. Das ist normal. Nicht aber Baumsterben im großen Stil, wie es im Bergpark derzeit der Fall ist.

Hier zeugen mächtige zersägte Baumstämme, das Fehlen von Baumdächern, Risse und Pilze an Stämmen davon, dass der Bestand krank ist. Hinzu kommt, dass viele Bäume im letzten Weltkrieg durch Geschosse verwundet wurden, nun daran sterben. Die letzten drei Stressklima-Jahre, Borkenkäfer, der Faltenbogen mit wechselnden Substratschichten, Hanglagen, Lehm und Wasser ableitenden Altbergbau-Stollen, setzen der Vegetation zusätzlich zu, was zur Dynamisierung des Baumsterbens führte. Wurden vor zehn Jahren noch etwa 100 Bäume unterschiedlichen Durchmessers pro Jahr gefällt, vorrangig aus Gestaltungsaspekten, sind es nun allein so viele mit Durchmessern von einem Meter und mehr.

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Fällungen sind keine Geldmacherei

„Im Bergpark müssen wir wegen der Fülle der Schäden besonders viel fällen, unterstreicht Parkmeister Bernd Witzmann. Viele Menschen würden beim Anblick riesiger gefällter Bäume den Kopf schütteln und „Geldmacherei“ mit den Baumriesen unterstellen „Leider müssen wir fällen, weil sonst der Bestand kollabiert und die Sicherheit der Parkbesucher gefährdet ist. Geld bringen kranke Bäume nicht, sie werden zu Biomasse“,erklärt der Parkmeister.Erschwerend komme hinzu, sagt Cord Panning, dass sich Parks wie in Bad Muskau stets im Spannungsfeld zwischen Gestaltung, Ästhetik, Naturschutz, Sicherheit und Empfindungen befinden.

All das mache das Vorgehen bei Pflege, Erhalt und Gestaltung schwierig. Trotzdem blickt der Parkdirektor optimistisch in die Zukunft. „Hier, die selbst gekommenen kleinen Buchen, oder die Linden und Ulmen machen den Eindruck, als kämen sie trotz ihrer kleineren Wurzeln mit den harten Standortverhältnissen besser klar als Bäume mit mächtigen Wurzeln“, erklärt er im Bergpark. Ein Grund könne die Weitergabe von DNA-Informationen durch die Mutter- an die Tochterpflanze sein. „Für den Park ist die einfachste Lösung, die Naturverjüngung zu fördern, wo sie vorhanden ist.“

Parkmeister Bernd Witzmann überwacht ständig die Umsetzung der Pflanzpläne im Bergpark von Bad Muskau.
Parkmeister Bernd Witzmann überwacht ständig die Umsetzung der Pflanzpläne im Bergpark von Bad Muskau. © Joachim Rehle

Ob die „hoffnungsfrohe Theorie“ sich als richtig erweist, zeigt sich erst in Jahren. Deshalb setzt die Stiftung parallel auf Forschung und experimentelle Nachpflanzungen, ohne das Parkbild zu ändern. Da im Bergpark selbst für Laien der schlechte Zustand mittlerweile sichtbar ist, wurden hier auf 22 Versuchsflächen bereits 8.000 Baum- und Gehölzsetzlinge an windigen, schattigen, sonnenreichen Plätzen angepflanzt. So will man testen, welche Arten mit welchen Bedingungen klar kommen. Laut Cord Panning seien „spannende Arten“ wie ungarische Eiche, Flaum- und Traubeneiche, Hopfenbuche, Roteiche, Esskastanie dabei. Die Pflanzen gelten als Musterbeispiele für ökologische Plastizität oder Frosttoleranz. Um ihren Startboden zu verbessern und die Wasserspeicherfunktion zu erhöhen, erhalten die Anpflanzungen eine Schicht aus Tonmineralen und nährstoffreichem Humus aus dem Park.

„Bei Einzelpflanzungen machen wir das immer. In der Fläche ist’s das erste Mal“, erzählt Parkmeister Witzmann, dessen Team seit Wochen, mit Unterstützung der Muskauer Schule, mit Pflanz-, Boden-, Fraßschutzarbeiten im Bergpark beschäftigt ist. Noch fehlt die wissenschaftliche Begleitung bei den Versuchsflächen. Doch laut Panning plane die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Schlösserverwaltung deutschlandweit, auch in der Lausitz, ein Projekt mit kleinräumigen Klimamodellen. In denen werden die ökologischen Eigenschaften und Wechselwirkungen von Boden, Wasser, Klima, Pflanzen ausprobiert, begleitet, analysiert. So, wie es die Stiftung im Pückler-Park „nach bestem gärtnerischen Wissen“ praktiziert und weshalb Versuchsgehölze wohl nicht 50 Jahre lang stehen.

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