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Was Bad Muskau alles schon erlebt hat

Vier Jahre dauerte die Vorbereitung. Die neue Dauerausstellung war ein Herzenswunsch vieler Menschen. Für Regina Barufke ist sie ein toller Abschluss.

Die Monteure Jürgen Rast (links) und Michael Klitsch von der Firma Dicolor Leipzig bauten Ausstellungsmobiliar sowie Ausstellungstafeln im Auftrag der Stiftung im Schlossturm auf.
Die Monteure Jürgen Rast (links) und Michael Klitsch von der Firma Dicolor Leipzig bauten Ausstellungsmobiliar sowie Ausstellungstafeln im Auftrag der Stiftung im Schlossturm auf. © Sabine Larbig

Bis zur sprichwörtlich letzten Minute wurde für die neue Ausstellung in den drei Etagen des Südwest-Turms im Pückler-Schloss geräumt, geputzt, Mobiliar gebaut, Ausstellungsstücke platziert. Manche Dinge, die dort ab heute zu sehen sind, werden vor allem Besuchern aus Bad Muskau bekannt vorkommen. Kein Wunder. Immerhin zeigt die neue Dauerausstellung mit dem Titel „Das Städtchen Muskau“ viele Stücke aus dem einstigen Stadtmuseum im Alten Schloss. Das Museum wurde 1999 geschlossen und danach ehrenamtlich über den Freundeskreis Historica Bad Muskau e. V. am Leben gehalten, bevor 2003 das endgültige Aus kam.

568 Jahre Stadtgeschichte im Blick

Die neue Ausstellung im Schlossturm ist somit in mehrfacher Hinsicht eine Art Revival des Museums. Zum einen, weil zahlreiche Sammlungsgegenstände, von denen sich ein Großteil in der Obhut der Fürst-Pückler-Stiftung befindet, endlich wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Zum anderen, weil die Dauerausstellung sich den bisher 568 Jahren Muskauer Stadtgeschichte widmet.

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„Ich empfinde es als etwas ganz Besonderes, dass die Stadtgeschichte im Schloss ausgestellt wird. Das ist nicht selbstverständlich“, erzählt Regina Barufke, die seit 1992 Vorsitzende des Freundeskreises ist. Dessen rund 50 Mitglieder engagieren sich seither für geschichtliche Publikationen, sichern Kindergeburtstage im Pückler-Park und Öffnungszeiten des Kuppelpavillons ab, unterstützen Veranstaltungen wie das Parkfest. „In den Jahren seit der Museumsschließung war es unser größter Herzenwunsch, wieder eine Ausstellung zur Stadtgeschichte in und von Bad Muskau zeigen zu können“, erklärt Regina Barufke.

Die letzte Ausstellung der Kuratorin

Regina Barufke in ihrem Arbeitszimmer. Sie beschäftigt sich gerade mit der Werbung für die neue Ausstellung.
Regina Barufke in ihrem Arbeitszimmer. Sie beschäftigt sich gerade mit der Werbung für die neue Ausstellung. © Sabine Larbig

Mehr über Bad Muskau erfahren – dies wollen ebenfalls viele Schlossbesucher. Ein weiterer Grund, weshalb die Stiftung letztlich die Unterstützung und Finanzierung einer Ausstellung zur Geschichte der Stadt zusagte. Nach dieser Weichenstellung dauerte die ehrenamtliche Vorbereitung der Präsentation durch den Freundeskreis noch vier Jahre, bis sich heute die Türen zur Stadthistorie wieder öffnen. Für Regina Barufke, die im Oktober ihren 66. Geburtstag feiert, ist dies sowohl Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn als auch die letzte Ausstellung, die sie von der Idee über das Konzept und die Gestaltung bis zur Eröffnung maßgeblich begleitete. Ende September geht die seit 2004 bei der Pückler-Stiftung tätige Mitarbeiterin, zu deren Aufgaben bislang Ausstellungen, Archiv und Lapidarium gehörten, in den Ruhestand. Mit der Dauerausstellung beendet sie somit ihr Berufsleben – und schließt den Bogen von ihrer ersten Ausstellung im Stadtmuseum bis zur letzten im Schlossturm, die beide Bad Muskau näher beleuchte(te)n.

Obwohl Regina Barufke schon für mehr als 80 Ausstellungen unterschiedlicher Themen in Museum und Schloss verantwortlich war, brachte die Vorbereitung der öffentlichen Präsentation der Stadtgeschichte im Schloss ihr neue Erfahrungen. „Jede Ausstellung ist eine Herausforderung. Man betritt irgendwie immer Neuland, lernt viele interessante Menschen kennen und wird durch die Begeisterung der Besucher motiviert. Doch das, was wir als Verein jetzt geschaffen haben, bewegt mich als Bad Muskauerin sehr emotional.“

Aha-Momente schaffen

Besuchern der Ausstellung ebenfalls Aha-Momente zu verschaffen – darauf hoffen Regina Barufke und die Mitglieder ihres Vereins für die Dauerausstellung „Das Städtchen Muskau“. Schließlich wurden für das Konzept neue Schwerpunkte gesetzt, langgehegte Ideen umgesetzt, ursprüngliche Gestaltungsansätze „völlig umgekrempelt“ sowie Bitten, Hinweise und Wissen von externen und internen Experten, der Stiftung und grafischen Gestaltern einbezogen. „Manchmal ist es gut, wenn eine Sache etwas ruht“, meint die Vereinsvorsitzende mit Blick auf das Ergebnis. Kurz, prägnant, stark bebildert, mit tollen Exponaten und eindrucksvollen Hörstationen präsentiert sich ihren Gästen nun die Ausstellung, die in ihrem Auftritt ganz anders als die im Stadtmuseum ist. Selbst herausragende Ausstellungsstücke wie das Modell der Stadt vor dem großen Stadtbrand 1766, drei Sandsteinköpfe der einstigen Besitzer der Standesherrschaft Muskau ab dem 16. Jahrhundert (Dohna, Callenberg und Schönaich) oder Muskauer Keramik finden im Schlossturm endlich spektakuläre Standorte, die alle Blicke auf sie ziehen werden. 

Dafür sorgen die zeitliche Aufteilung der Ausstellung in drei Etappen und somit auf drei Etagen des Schlossturms ebenso wie dessen Ambiente und Ausgestaltung. Selbst Informationen zum Muskauer Vereinsleben samt Ursprüngen und zur Geschichte ab 1989 bis zur Gegenwart widmet sich die Schau, die sogar vergleichende Stadtansichten aus den 1980er Jahren und von heute zeigt. Ein Versuch der Ausstellungsmacher, zu zeigen, dass – entgegen vieler Einwohnermeinungen „In Bad Muskau passiert nichts“ – viel geschah und die Stadt sich dank kommunaler und privater Baumaßnahmen und Initiativen heute den Einwohnern und Gästen optisch schön gestaltet zeigt. Fast so, wie der gebürtige Muskauer Nathanael Gottfried Leske 1782 in seinem Buch „Reise durch Sachsen“ schon Bad Muskau als „das schönste Landstädtchen der Oberlausitz“ beschrieb.

Premiere im Rampenlicht

Mit Blick auf die für sie letzte offizielle Ausstellung sagt Regina Barufke: „Ich hatte ein sehr ereignisreiches und fantastisches Berufsleben.“ Auch deshalb wagt die Bad Muskauerin, die lieber im Hintergrund ist und anpackt, heute einen öffentlichen Auftritt im Rampenlicht, indem sie die Rede zur Ausstellungseröffnung hält. „Ich mache die Ausnahme aber vor allem, weil es ein ganz besonderer Tag ist und das, was ich mir gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern und vielen anderen Menschen lange gewünscht habe, in Erfüllung geht: In Bad Muskau wieder eine Ausstellung zur Muskauer Stadtgeschichte präsentieren zu können. Noch dazu nicht als Sonder-, sondern als Dauerausstellung. Das ist das ganz besonders Schöne daran.“ 

Verabschieden wird sich Regina Barufke mit der heutigen Ausstellung und ihrer Rede nur als Mitarbeiterin der Pückler-Stiftung. Als Einwohnerin der Stadt und Vereinsvorsitzende des Historica e. V. bleibt sie in und für Bad Muskau weiterhin aktiv. „Man wird mich hier und da mal wieder treffen“, verspricht sie.

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