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Was sich im alten Hermannsbad alles findet

Der Badepavillon in Bad Muskau wird saniert. Dabei treffen Bauarbeiter auf unerwartete Zeitzeugen.

Die Mitarbeiter von Mario Eggert haben überraschende Überreste der einstigen Kur- und Badegeschichte des Gebäudes freigelegt,
Die Mitarbeiter von Mario Eggert haben überraschende Überreste der einstigen Kur- und Badegeschichte des Gebäudes freigelegt, © Sabine Larbig

Schon von weitem sind die weiß-roten Absperrungen vor dem langen Gebäude mit Kuppelteil im Badepark zu sehen, dringen Geräusche von Presslufthämmern und Spitzhacken quer durch den Park.

Hier, wo Lucie, die Gattin des Standesherrn Fürst Hermann von Pückler-Muskau, im Jahr 1822 ein Kurbad errichten und es 1823 einweihen ließ, sanieren Bauarbeiter im Auftrag der Fürst-Pückler-Stiftung aktuell den Badepavillon. Er war Hauptbestandteil der von Lucie begründeten Kurtradition in Muskau, wo in Moor gebadet, Wasser aus der Gesundheit versprechenden Eisenvitriolquelle getrunken wurde und betuchte „Gesundheitstouristen der Vorzeit“ durch den Park schlenderten, sich kulinarisch – und im Hermannsbad selbst musikalisch – verwöhnen ließen. In dem Parkteil traf man sich ebenfalls zum Sehen und gesehen werden, zu Spiel, Theater, Klatsch und Tratsch.

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Schwere Handarbeit

Steinerne Zeitzeugen dessen, was einst in der Kuranlage stattfand, entdecken nun Bauarbeiter peu á peu wieder. „Es ist viel schwere Handarbeit nötig. Aber es ist auch toll und eine Herausforderung, am Erhalt eines so historischen Bauwerks mitarbeiten und auf seine Geheimnisse stoßen zu können“, erklärt Mario Eggert, Chef der gleichnamigen Spremberger Firma, die momentan am Badepavillon arbeiten. Für die Mitarbeiter heißt es täglich hämmern, aufstemmen, schippen und unzählige Male mit Schubkarren über Holzplanken balancieren, um die Karren im Außengelände scheppernd in Containern auszukippen.

Das Gebäud wird nun umfassend saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet.
Das Gebäud wird nun umfassend saniert und für eine neue Nutzung vorbereitet. © Sabine Larbig

Wofür waren hier Schienen da?

„Wir haben den einstigen Fußboden herausgestemmt. Jetzt liegt der ursprüngliche Boden, etwa einen Meter tiefer, frei“, erzählt Mario Eggert. „Hier, die vielen kleinen Räume, waren einst Kabinen zum Baden im Moor“, sagt er und zeigt in eher nischengroßen Räumen auf wannenartige Einlassungen im Fußboden. „Das waren Wannen, wie sie um 1900 genutzt wurden. Eine Wanne war fürs Moor, die andere zum Säubern“, weiß Eggert. Zwei Räume weiter zeigt er auf eigentümliche Stangen, die an der Wand lehnen, und verrät: „Die haben wir auch ausgebuddelt. Es handelt sich um Schienenreste für Loren, die voll Moor von außen reingefahren wurden und in die um 1850 herum geklettert werden musste, um im Moor zu baden.“ Selbst auf die Überreste einer sogenannten römischen Fußbodenheizung – dabei wurde heiße Luft über ein Rohrleitungssystem verteilt – trafen die Bauarbeiter bei Erdarbeiten.

Spannend wie die Bauarbeiter empfindet auch Cord Panning die laufenden Sanierungsarbeiten. „Es ist faszinierend, dass bei den Arbeiten im Nordwest-Trakt die einstigen Wannenstrukturen wieder zum Vorschein kamen und der Rohbau jetzt Einblicke in die Badegeschichte freigibt“, schwärmt der Geschäftsführer der Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau. „Wir werden im Zuge der Sanierung des Gebäudes davon natürlich Spuren erhalten. Immerhin ist es der einzige Ort mit direktem Bezug zur Badetradition in Park und Stadt.“

Richtig Leben im Gemäuer

Im Badepavillon, der im ersten Abschnitt im Kuppelbereich schon saniert wurde und wo ein Raum mit einer Sonderausstellung zur Badepark-Geschichte samt Eisenvitriol-Außenbrunnen entstanden ist, wird nun der Gebäuderest erhalten und für eine künftige Nutzung vorbereitet. Entstehen werden dabei ein Raum für Veranstaltungen und Feiern und dafür erforderliche Anbindungen für Wasser, Strom, Abwasser und andere Medien. Nach historischem Vorbild angefertigt oder überarbeitet werden ebenfalls Fenster, Türen, Fußböden, Fassade und vieles mehr.

Laut Cord Panning liefen die Bauarbeiten auch im Winter. „Da war richtig Leben im Gemäuer.“ Ziel sei es nun, das Gebäude bis Jahresende fertigzustellen. Ob es zum 30. Oktober 2021, dem 236. Geburtstag von Hermann Fürst von Pückler-Muskau, klappt, kann der Stiftung-Geschäftsführer nicht einschätzen. „Es ist eine schöne Vorstellung. Aber ich lege meine Hand nicht ins Feuer“, bekennt Panning, der wegen bisheriger Auswirkungen von Corona auf Bauprojekte im Park (dazu zählt auch die dieses Jahr geplante Wiedererrichtung des Musikpavillons im Badepark) eher mit Verzögerungen rechnet.

Wohl erst 2022 Vollprogramm

Somit werden Hermannsbad-Besucher das Ambiente von einst wohl erst 2022 richtig nachempfinden können. Dann aber können sie mit allen Sinnen eintauchen in die Zeit, als es reiche Bürger und Adlige ins provinzielle Muskau zog, um hier diverse Leiden zu kurieren oder sich einfach im Park mit all seinen Angeboten und Gebäuden bis hin zu Gästehäusern wohlzufühlen. Und sicher wird kommendes Jahr einiges von dem sichtbar sein, was die in Nachbarschaft des Badepavillons stehende Villa Pückler bald bietet.

Die Villa, deren Sanierung bereits läuft, beherbergt künftig eine Ausstellung über die Orientreisen Pücklers und komplettiert damit den Badepark-Bestand. Das dürfte dann jährlich mehr Besucher in das Areal ziehen, als es sich Lucie je hätte zu träumen gewagt. Denn trotz ihrer tollen Kur-Idee, der auf ihre Entwürfe zurückgehenden Parkgestaltung und die intensive Werbung für das Mineralbad blieben die erhofften Einnahmen aus, die Gatte Pückler dringend zur Parkfinanzierung benötigte. Dafür verdankt die Stadt mit dem fürstlichen Welterbepark der geschäftstüchtigen Lucie ihre Kurorttradition – mit Moor, Eisenvitriolquelle und nun sogar Sole – sowie den Titel „Bad“ Muskau.

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