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Wie Corona den Alltag im Hort verändert

Das Konzept im voll ausgelasteten Bad Muskauer Hort musste teilweise geändert werden – nicht alles zum Schlechten.

In der Schule Bad Muskau ist auch der Hort, der aktuell rund 148 Kinder betreut.
In der Schule Bad Muskau ist auch der Hort, der aktuell rund 148 Kinder betreut. © Joachim Rehle

Die Grundschule „Fürst Pückler“ in Bad Muskau wurde im Januar 2011 eingeweiht. Entsprechend modern sind Ausstattung und Räume der Grundschule, in der auch der Hort angesiedelt ist. Laut Kita-Bedarfsplanung des Landkreises Görlitz für die Schuljahre 2019-2022 stehen im Bad Muskauer Hort 160 Plätze zur Verfügung. Vor zehn Jahren waren es noch 120. Mehr geht in Bad Muskau aber nicht. „Wir sind mit der Kapazität an der Obergrenze, nutzen schon einige Räume gemeinsam mit der Grundschule“, erklärt Hortleiterin Elke Klein angesichts der steigenden Nachfrage nach Ganztagsbetreuungsplätzen in der Stadt und dem Umland.

Geändert: Angebote und Projekte

Jetzt, mit dem neuen Schuljahr, betreut das Hortteam knapp 150 Grundschüler. Eine Herausforderung. Nicht nur wegen des sprunghaften Anstiegs nach Corona-Einbruch und Sommerloch, sondern auch wegen der Corona-Regelungen im Betreuungsalltag, Während der Hort früher offen arbeitete, also alle Klassenstufen zusammen betreut wurden, gibt es nun Veränderungen. Zwar schon seit dem Schuljahr 2018/19, als der Versuch gestartet wurde, die 1. und 2. Klassen in der unteren Etage des Schulgebäudes und die anderen in der oberen zu betreuen. Weil dies bei den Eltern ankam, wurde es beibehalten. Seit Corona ist diese Praxis schwierig umzusetzen. „Für acht Gruppen haben wir nur sechs Räume, und auch Sanitärbereiche reichen nicht“, bekannte Elke Klein in öffentlicher Berichterstattung im Stadtrat Bad Muskau.

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Auswirkungen auf den Betreuungsalltag bringen auch coronabedingt eingeschränkte Kontakte. „Wir haben den Frühhort gestrichen und dafür Späthort. Offene Arbeit ist nicht möglich. Ein 2018 bis 2020 laufendes Förderprojekt von Schule und Hort zu Sprache, Sport, Ökologie, Kunst ist seit März ausgesetzt. Ob und wie es beendet wird, ist noch nicht entschieden“, erläuterte die Hortleiterin. Das vom Bundesministerium geförderte Projekt „Haus der kleinen Forscher“, bei dem 16 Kitas und zwei Horte von September 2020 bis 2023 im Landkreis mitmachen, werde nur von den Ersten und Zweiten Klassen des Bad Muskauer Horts belegt. „Selbst auf die gesunde Ernährung der Kinder hat der Virus Einfluss, da wir nicht mehr gemeinsam kochen und die Vesper herrichten können.“

Gesunken: Hektik und Störungen

Allerdings habe Covid-19, so die Hortchefin weiter, auch Positives bewirkt. Die Kinder müssten zwar ihre Vesper mitbringen. „Dafür gibt es nun aber Ganztagsangebote in den Klassen 1 und 2 zu gesunder Ernährung und Ferienangebote für Klassen 3 und 4.“ Vor allem habe der Virus dazu geführt, dass es keinen „überladenen Alltag, Hektik und Gehetze“ mehr für die Kinder gibt, wodurch störungsfreie Gruppenangebote möglich wurden und sogar Unfälle abnahmen. Selbst feste Abholzeiten hätten sich als positiv erwiesen. Nicht zuletzt seien die Kinder selbstständiger geworden, habe die Betreuung im Klassenverband zu „mehr Zusammenhalt“ geführt, könnten Erzieher Kinder nun individueller kennenlernen, betreuen sowie engere Kontakte zu ihnen aufbauen. „Grundschule und Hort werden daher einige positive Dinge weitertransportieren, wie beispielsweise Abholzeiten oder Entzerrung der Essenszeiten.“

Wie Elke Klein weiter ausführt, sei, unabhängig von Corona, die Zusammenarbeit von Schule und Hort insgesamt „enger und konstruktiver“ geworden. Man habe zum Teil gemeinsame Elterngespräche geführt. Der Hort bringe sich mit Angeboten wie Töpfern, Trommeln oder gesunde Ernährung in Ganztagsangebote ein und profitiere wiederum von der Schulsozialarbeit.

Geblieben: Schwerpunkt Integration

Dennoch existieren auch kleine Hürden im Alltag. So können Hortner, im Gegensatz zu Lehrern, die Bad Muskauer Kita-App nur mit Privathandys nutzen. Auch die im Rahmen des „Digitalpakt Schule“ angeschaffte Technik an der Grundschule ist im Hort noch nicht im Einsatz. „Wir können die transportable, interaktive Tafel nutzen. Haben es aber bisher noch nicht getan“, bekannte die Hortleiterin auf Nachfrage von Stadträten. Auf die Frage von Ratsmann Tom Lehnert, wie die Eltern künftig in die Thematik gesundes Essen eingebunden seien – „sie kaufen schließlich ein, nicht die Kinder“ – erklärte Elke Klein, dass Elternbriefe zur Information versandt wurden und zudem in Elternabenden informiert werde. „Wir zeigen dann auch Bilder von gesunden und ungesunden Vespern.“

Gehofft wird bei Schule und Hort außerdem, dass die Schulsozialarbeit samt Projekten in Bad Muskau erhalten bleibt. Laut Klein gehe man davon aus. Ob es so kommt, ist offen, obgleich Bedarf besteht. Denn die fast 200 Schüler entstammen vieler Nationalitäten. Allein 22 haben polnischsprachigen Hintergrund, sind aber „gut integriert“ – im Gegensatz zu 16 Kindern bulgarischer Staatsbürgerschaft. „Von ihnen ist kein Kind im Hort, was Lernen und Integration erschwert“, erklärte Klein.

Letztlich gab es für ihren offenen Bericht und die Arbeit der Hortner ein Lob vom gesamten Stadtrat. „Hut ab vor den Leistungen“, fasste Bürgermeister Thomas Krahl das Rätestatement zusammen.

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