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Ein Olympiabrunnen für Bad Schandau

Eine Sandsteinskulptur mit Wasserspiel schmückt jetzt das Areal des Parkhotels. Damit wird der Begründer des hiesigen Tourismus geehrt.

Die Skulptur am Parkhotel mit Bildhauerin Romy Kumann (li.) und Hotelchef Ralf Thiele (re.).
Die Skulptur am Parkhotel mit Bildhauerin Romy Kumann (li.) und Hotelchef Ralf Thiele (re.). © Steffen Unger

Von ihrem Platz inmitten des Rondells vor dem Parkhotel in Bad Schandau blickt die Sandsteinskulptur hinüber zum historischen Personenaufzug, einem der Wahrzeichen von Bad Schandau. Unter der Frauenfigur plätschert das Wasser aus vier sandsteinernen Köpfen. Mit ihrer linken Hand hält sie eine Fackel auf ihrer Schulter.

Auf ihren Sockel gehievt wurde die Skulptur schon vor dem vergangenen Winter. Die offizielle Einweihung des neuen Brunnens fand pandemiebedingt erst jetzt statt. Dafür hatte Parkhotel-Chef Ralf Thiele aber groß aufgefahren. Der Fernsehmoderator Jochen Breyer, bekannt aus dem ZDF-Morgenmagazin und dem aktuellen Sportstudio, führte durchs Programm, auf einer Videowand wurden eigens produzierte Filmclips eingespielt, Vize-Landrat Heiko Weigel (CDU) und Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) sprachen Grußworte.

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Das neu geschaffene Sandsteinensemble im Hof des Parkhotels trägt nun den Namen Olympiabrunnen und soll an den Begründer des Tourismus in Bad Schandau erinnern - Rudolf Sendig. Der Hotelier und heutige Ehrenbürger der Stadt hatte in den 1880er-Jahren die beiden Villen des heutigen Parkhotels seinen Hotelbetrieb eröffnet und den noch immer existierenden Park anlegen lassen. Auf seine Initiative gehen außerdem die Holzvillen in Ostrau und der Personenaufzug zurück.

Ehrung für Rudolf Sendig

Er wollte mit dem neu geschaffenen Brunnen den geschichtlichen Bezug herstellen und an Rudolf Sendig erinnern, sagte Ralf Thiele, Geschäftsführer der Pura-Hotels, zu denen das Parkhotel gehört. Ein Medaillon mit Sendigs-Konterfei prangt deshalb am Sockel des Brunnens. Wer mit seinem Smartphone einen QR-Code scannt, kann mehr zu den Hintergründen erfahren.

An vier Ecken sprudelt Wasser aus dem Sandsteinsockel.
An vier Ecken sprudelt Wasser aus dem Sandsteinsockel. © Steffen Unger

Wie kam es aber zur Figur der Fackelträgerin? Die lebensgroße Skulptur hat die Bildhauerin Romy Kumann entworfen und in monatelanger Arbeit aus einem Sandsteinblock gemeißelt. Die Arbeit ist ihr mit einer Eins benotetes Meisterstück. Die Inspiration zu der Figur liefert Rudolf Sendigs Vision von einem Weltsportplatz. Dieser sollte auf einem großen Gelände oben in Ostrau die damals wichtigsten Sportarten der Zeit vereinen. Der Plan wurde schließlich vom beginnenden Ersten Weltkrieg vereitelt.

Die Fackelträgerin nach antikem Vorbild verweist auf die Olympischen Spiele und passt damit gut zur Idee des Weltsportplatzes, erklärte die Künstlerin. Künftig soll die Skulptur als Identifikationsfigur und Logo für das Parkhotel dienen, erklärte Hotelchef Thiele.

Pfarrer Johannes Johne segnete den Brunnen.
Pfarrer Johannes Johne segnete den Brunnen. © Steffen Unger

Die Segnung des Brunnens übernahm Bad Schandaus katholischer Pfarrer Johannes Johne. Er habe schon viele Feuerwehrfahrzeuge gesegnet, erklärte Johne, was Brunnen angeht, sei dies aber der Erste. Als sportlicher Pate des Olympiabrunnens stellte sich Doppel-Olympiasieger und Rekord-Weltmeister Francesco Friedrich zur Verfügung, der per Videobotschaft von der Saisonvorbereitung grüßte.

Gipsmodell geht zu Bruch

Ein Missgeschick musste während der Einweihung der Pirnaer Steinmetz und Innungsobermeister des Handwerks in Dresden Gabriel Heimann verkünden, der die Meisterarbeit von Romy Kumann betreut hat. Als Vorlage für die Sandsteinskulptur hatte die Bildhauerin zunächst ein Modell aus Gips in Originalgröße angefertigt. Diese Gipsfigur sollte eigentlich für einen guten Zweck versteigert werden.

Eines Morgens jedoch ging sie in Heimanns Werkstatt bei Rangieren mit dem Gabelstapler zu Bruch. Die angedachte Versteigerung war damit hinfällig. Glücklicherweise ist der Steinmetz für solche Fälle aber versichert. Aus der Versicherungssumme plus Aufstockung soll es nun eine Spende für einen noch zu verkündenden Zweck im Bereich Kunst und Kultur geben, kündigte Hotelier Ralf Thiele an.

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