merken
PLUS Sebnitz

Flutschutz für Bad Schandaus Elbhang

Ein Flutgraben leitet das Wasser bei Starkregen von Ostrau hinunter zur Elbe. Er liegt voller Geröll. Die Sanierung wird jetzt noch einmal teurer.

Brücke über den Herbstgraben: Der Graben liegt voller Geröll. Das birgt Gefahr für die B172 unterhalb.
Brücke über den Herbstgraben: Der Graben liegt voller Geröll. Das birgt Gefahr für die B172 unterhalb. © Steffen Unger

Am Steilhang oberhalb von Bad Schandau existieren mehrere historische Flutgräben, die das Wasser bei starken Regenfällen in die Elbe ableiten. Einer davon, der Herbstgraben, beginnt oben in Ostrau in der Nähe der Aussichtsplattform und mündet im Bereich der Schiffswerft Oberelbe in Postelwitz in die Elbe. Er führt den Felshang hinab und später unterirdisch unter der Bundesstraße B172 und dem Werftgelände hindurch.

Seit rund zwei Jahren plant die Stadt die Sanierung des Herbstgrabens. Er ist der letzte dieser Flutgräben, die seit der Flut 2002 noch nicht instand gesetzt wurden. Das Bauamt hatte dazu ein neues Förderprogramm aufgetan, das die aufwendige Sanierung finanzierbar macht. Nun stellt sich heraus, das Ganze wird noch einmal deutlich teurer.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Statt der geplanten 331.000 Euro für die Sanierung des Herbstgrabens stehen jetzt 502.000 Euro zu Buche - also 171.000 Euro mehr als gedacht, eine mehr als 50-prozentige Steigerung der Gesamtkosten. Hinzu kommt, dass sich der Fördersatz verringert hat. Anstelle der von Bad Schandau erwarteten 90 Prozent Fördermittel übernimmt der Freistaat Sachsen nun doch nur 75 Prozent der Kosten. Der Eigenanteil für die Stadt vervielfacht sich damit von 33.000 Euro auf über 125.000 Euro.

Fragen im Stadtrat Bad Schandau

Im Stadtrat sorgte das für Fragen. Wie begründet das mit der Planung beauftragte Ingenieurbüro die plötzlich gestiegenen Kosten, wollte Stadtrat Maik Bredner (CDU) von der Verwaltung wissen. Und vor allem: "Können wir uns das leisten?"

Zum verringerten Fördersatz konnte Bärbel Prokoph vom Bauamt zunächst sagen, dass dies eine Entscheidung der Landesdirektion Sachsen sei. Bad Schandau war bei der Beantragung von einer 90-prozentigen Förderung ausgegangen, die Landesdirektion hat das Projekt aber auf den Fördersatz von 75 Prozent eingestuft.

Die Gesamtkosten sind gegenüber der ersten Schätzung vor allem durch Veränderungen im Bauablauf zustande gekommen. So kann der Lagerplatz für das Material nicht wie zuerst gedacht am Fahrstuhlweg in Ostrau eingerichtet werden, weil damit der Rettungsweg zum oberen Ausstieg des historischen Personenaufzugs versperrt würde.

Feuerwehrzufahrt zum Personenaufzug muss frei bleiben

Das wiederum wollte Christian Friebel (ebenfalls CDU-Fraktion) genauer wissen. Wäre es nicht die Aufgabe des beauftragten Ingenieurbüros gewesen, schon eher zu bemerken, dass der geplanten Lagerplatz den Rettungsweg zum Aufzug versperrt?

Wie Bärbel Prokoph vom Bauamt erklärte, hatte bis dato niemand den Weg als möglichen Rettungsweg auf dem Schirm, auch in einem entsprechenden Verzeichnis war er nicht als Feuerwehrzufahrt gelistet. Erst bei einem Ortstermin im Herbst sei den Beteiligten die Problematik aufgefallen: Was ist, falls es oben am Aufzug oder an der Sendigbaude brennt? Die Feuerwehr ist den Weg daraufhin testweise abgefahren. Im Ergebnis muss der Lagerplatz an anderer Stelle eingerichtet werden.

Was die Fördermittel insgesamt angeht, so geht die Stadt davon aus, dass die gestiegenen Baukosten berücksichtigt werden. Dies habe die Landesdirektion in Aussicht gestellt. Die Bauarbeiten sollen trotzdem schon jetzt starten, um keine Zeit zu verlieren.

B172 in Bad Schandau vor Geröll schützen

Die Sicherung des Herbstgrabens sei dringend nötig, erklärte Bärbel Prokoph. Er ist ausgespült, es liegen Baumstämme, loses Geröll und Felsbrocken darin. Wenn ein Starkregen kommt, könnte das alles den Steilhang hinunterrauschen. Davor müssten die Anwohner unterhalb, die Schiffswerft und der Verkehr auf der Bundesstraße geschützt werden.

Dem schloss sich Peter Niestroj an: "Ich halte es für dringend erforderlich, dass das gemacht wird", sagte der Stadtrat der Linkspartei. Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) verwies ebenfalls auf die drohende Gefahr. Auch wenn es viel Geld koste, sei die Sanierzug des Flutgrabens dringend notwendig. Unter anderem ist ein Auffangbecken für Geröll unterhalb der Sendigpromenade in Ostrau geplant.

Weiterführende Artikel

Hochwassergefahr von oben

Hochwassergefahr von oben

Bei Regen rauscht das Wasser von Ostrau mit Schwung hinunter zur Elbe. Ein wichtiger Kanal ist jedoch marode.

Bei einer Enthaltung stimmte der Bad Schandauer Stadtrat für das Projekt. Die ersten Vorarbeiten sollen noch in diesem Jahr starten.

Mehr Nachrichten aus Pirna und Umgebung lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Sebnitz