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Bad Schandau: Kneipp, aber modern

Der Kurort-Titel genügt Bad Schandau nicht mehr. Die Stadt möchte zum Kneipp-Heilbad werden. Es wäre das erste dieser Art in ganz Sachsen.

Der Markt von Bad Schandau: Die Stadt will den Kneipp-Gedanken zeitgemäß interpretieren und auch ein jüngeres Publikum ansprechen.
Der Markt von Bad Schandau: Die Stadt will den Kneipp-Gedanken zeitgemäß interpretieren und auch ein jüngeres Publikum ansprechen. © Steffen Unger

Allein in der Sächsischen Schweiz sind aktuell fünf Gemeinden als Kurort oder Erholungsort zertifiziert. Ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb um die Gäste sind diese Titel nur noch bedingt. Bad Schandau, die Stadt mit der längsten Kurort-Tradition in der Region, strebt nun in die nächsthöhere Liga.

Bad Schandau möchte zum Kneipp-Heilbad werden. Einen ganzen Katalog an Kriterien muss die Stadt dafür erfüllen. Es geht um die Ausstattung der beiden örtlichen Rehakliniken, die Kneipp-Angebote in den großen Hotels und der Therme, um Wege und Parks, um Fachgutachten zum Klima und zur Schallbelastung. Zwei dieser Gutachten stehen noch aus, dann kann die Stadt ihren Antrag beim sächsischen Wirtschaftsministerium einreichen und wird - wenn alles gut geht - zum ersten staatlich anerkannten Kneipp-Heilbad in Sachsen.

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Zu diesem Antrag gehört auch ein Konzept, in dem festgeschrieben ist, wie sich Bad Schandau in Sachen Tourismus positionieren und in den kommenden zehn Jahren entwickeln will.

Kneipp für die Sächsische Schweiz entstauben

Auf einen Slogan verdichtet, könnte man es so formulieren: Kneipp, aber modern. Bad Schandau möchte zum führenden Kneipp-Heilbad werden, eingebettet in den Nationalpark Sächsische Schweiz. Natur, Gesundheit und Lebenskultur sollen einen Dreiklang bilden, erklärte Michaela Ziegenbalg von der beauftragten B & P Management- und Kommunalberatung aus Dresden bei der Präsentation dieses Kurortentwicklungsplans im Stadtrat.

Das Naturwunder des Elbsandsteingebirges sei der größte Schatz, sagte die Beraterin. Gleichzeitig hätten sich alle beteiligten Tourismusakteure auf das Heilbad-Ziel verständigt. Das Konzept der Kneipp-Therapie, das auf den Naturheilkundler und Pfarrer Sebastian Kneipp zurückgeht und viel mit Wasserkuren zu tun hat, soll dabei aber zeitgemäß interpretiert und entstaubt werden. Sogar von "Kneipp 4.0" war in der Präsentation die Rede, etwa in einer Verbindung mit digitalen Angeboten wie Augmented Reality oder Virtual Reality.

Kurpark Bad Schandau attraktiver machen

Wie das ganz praktisch aussehen kann, lässt sich am Beispiel des Kurparks verdeutlichen. Das dort vorhandene Wassertretbecken soll um ein Wasserkino ergänzt werden, der Park durch farbige Illuminationen oder Bild-und-Ton-Installationen an den Sommerabenden attraktiver werden. Dann würden die Gäste dort auch hingehen.

Kurpark Bad Schandau: Ein Wasserkino und Illuminationen sollen ihn an Sommerabenden attraktiver machen.
Kurpark Bad Schandau: Ein Wasserkino und Illuminationen sollen ihn an Sommerabenden attraktiver machen. © Steffen Unger

Als Zielgruppen haben die Marketingexperten dementsprechend eine moderne junge Mitte ausgemacht, Menschen die im Urlaub einen gewissen Service und Komfort erwarten. Außerdem Gäste mit einem sozialökologischen Bewusstsein sowie die aufgeklärte Bildungselite. Die klassischen Kurgäste der beiden örtliche Kliniken kommen noch hinzu.

World Life Center als zentrales Element

Eine zentrale Stellung im Entwicklungskonzept für Bad Schandau nimmt das World Life Center ein. Dieses schon länger entworfene Heilkundezentrum im Gebäude des ehemaligen Gymnasiums nimmt eine Schlüsselfunktion ein und sollte deshalb zuerst verwirklicht werden, erklärte Beraterin Michaela Ziegenbalg.

Das alte Gymnasium steht seit Jahren leer. Hier soll das World Life Center entstehen.
Das alte Gymnasium steht seit Jahren leer. Hier soll das World Life Center entstehen. © Steffen Unger

Das World Life Center ist eine Erlebniswelt für Heilkunde. Sechs verschiedene Heilkulturen der Welt sollen dort vorgestellt und von den Besuchern auch selbst angewandt werden können. Angedacht sind regional sächsische, indisch-asiatische, indianische, chinesisch-tibetanische, orientalische und afrikanisch-ozeanische Heiltraditionen.

Die bereits vor einiger Zeit von Andreas Mascha entwickelte Idee des World Life Centers wurde für das jetzt vorliegende Entwicklungskonzept nochmals erweitert. Das Haus soll demnach auch als Campus für Aus- und Fortbildung dienen sowie als zentrale Anlaufstelle für Kneipp-Angebote wie Trainings und Kurse inklusive einer eigenen Kurarztpraxis. Kommerzielle Angebote sind die Voraussetzung dafür, dass sich ein solches Zentrum wirtschaftlich betreiben ließe.

Willkommens-Schilder in allen Ortsteilen

Für andere Vorhaben liegen die Hürden wesentlich niedriger. So empfehlen die Berater beispielsweise, in allen Ortsteilen mehrsprachige Begrüßungstafeln aufzustellen, die die Gäste im Heilbad Bad Schandau willkommen heißen. Eine einheitliche Stadtmöblierung, also Bänke und Sitzgruppen, soll das Erscheinungsbild stärken.

Generell wird empfohlen, die Flüsse besser erlebbar zu machen. Bad Schandau sei sehr schön gelegen, aber man komme nicht ans Wasser ran. Ändern könnte sich das durch einen Kneipp-Parcour am Elbufer, eine Treppe hinunter zur Kirnitzsch am Flößersteig oder - ganz nach Kneipp - eine Wassertretstelle im Krippenbach.

Ein Platz für Friedrich Gottlob Keller

Im ganzen Stadtgebiet sollen sogenannten Kraftorte entstehen. Das sind Stellen abseits des Trubels, an denen die Gäste zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen können, zum Beispiel im Botanischen Garten oder an einer Ruhebank mit Aussicht oben in Ostrau. Die Sehenswürdigkeiten in Bad Schandau und seinen Ortsteilen hingegen müssten besser vernetzt werden, etwa durch gestaltete Rundwege mit Infotafeln oder auch innerhalb der Stadt mit einem Fußgängerüberweg, der die Elbpromenade mit dem Kurpark verbindet. Sie sind durch die Bundesstraße getrennt.

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Angeregt wird in dem Entwicklungskonzept außerdem ein Umzug des Bad Schandauer Museums in das Haus des Gastes am Markt. Damit würde das Ausstellungshaus zentraler liegen und könnte diesem Zuge auch die aktuell heimatlosen Exponate zum Krippener Erfinder Friedrich Gottlob Keller mit aufnehmen.

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