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Erneuertes Gedenken an Kriegstote

In Bad Schandau starben in den letzten Kriegswochen 1945 viele auswärtige Soldaten und Flüchtlinge. Ein Gedenkort wurde jetzt mittels Spenden saniert.

"Die Toten mahnen": Friedhofsmitarbeiter Matthias Maune an der erneuerten Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Bad Schandau.
"Die Toten mahnen": Friedhofsmitarbeiter Matthias Maune an der erneuerten Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Bad Schandau. © Steffen Unger

Das meterhohe verwitterte Holzkreuz am oberen Rand des Bad Schandauer Friedhofs mag manchem Besucher in den vergangenen Jahren gar nicht mehr aufgefallen sein. Sei es, weil es schon immer da stand oder weil es von den ausladenden Ästen einer Reihe von Kastanien und Linden überschattet wurde, die den an einem steilen Hang gelegenen Friedhof begrenzen.

Seit im Frühjahr die hochgewachsenen Bäume mit der Unterstützung des benachbarten Grundstückseigentümers verschnitten wurden, ist das Holzkreuz wieder sichtbarer. Es markiert ein Kriegsgräberstätte für Tote des Zweiten Weltkrieges. Ihre Namen sind in zwei Metallplatten am Fuße des Kreuzes gefasst, insgesamt 58 Menschen, wobei nicht alle namentlich bekannt sind. Unter anderem ruht hier eine "Unbekannte Frau", gestorben am 11. Mai 1945.

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Während der Baumpflegearbeiten im Frühjahr fiel Friedhofsmitarbeiter Matthias Maune noch eine weitere, dazugehörige Grabstätte ins Auge. Sie liegt eine paar Meter abseits des Holzkreuzes. Ein Stein trägt die Inschrift "Die Toten mahnen", darunter war ein Schild angebracht mit vier Namen und den Lebensdaten, alles beinahe bis zur Unleserlichkeit verblichen. Das aus Pressspan bestehende Schild war bereits in Auflösung begriffen. Noch zwei Jahre vielleicht und die darauf gedruckten Namen wären für immer verschwunden gewesen.

Das alte Schild aus Pressspan: Die Namen der Toten waren fast verblichen.
Das alte Schild aus Pressspan: Die Namen der Toten waren fast verblichen. © Steffen Unger

Das sollte nicht passieren, befand Matthias Maune, der den Friedhof in Bad Schandau seit drei Jahren im Auftrag der evangelischen Kirchgemeinde pflegt. Aus diesem Grund und weil sich in diesem Jahr das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal jährt, beschloss er, die Grabstätte wieder instand zu setzen.

Steinplatte mit Spenden finanziert

Eine Steinplatte mit den Namen der Toten sollte das verblichene Schild ersetzen. Die Idee fand auch im Kirchenvorstand Rückhalt. Doch wie das Ganze finanzieren? Matthias Maune sprach verschiedene Gewerbetreibende in Bad Schandau und den umliegenden Orten an. Durch Spenden von sechs örtlichen Firmen (Schlosserei Venus, Dachdeckerei Bredner, Adler Apotheke, Bestattungshaus Trede, Koppraschs Bierstübl, Ofenbau Maune) sowie eine Summe aus dem Budget des Ortschaftsrats kamen die benötigten 770 Euro zusammen.

Die Namen der vier an dieser Stelle bestatteten Toten sind nun in einer massiven Steinplatte verewigt. Zwei von ihnen stammen dem originalen Schild zufolge aus Österreich, zwei aus der damaligen Tschechoslowakei. Matthias Maune geht davon aus, dass sie alle Soldaten waren. Zumindest zwei der Namen tauchen in den Listen des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf, für die übrigen zwei fehlt jeder Hinweis. Drei starben im April 1945, einer am 19. November. Warum die vier Männer abseits des großen Holzkreuzes einen eigenen Grabstein erhielten, ist nicht bekannt.

Lazarette voll Sterbender in Bad Schandau

Aus den Unterlagen des Pfarramts geht jedoch hervor, welche Zustände in den letzten Kriegsmonaten 1945 in Bad Schandau herrschten. Sämtliche Hotels und Fremdenheime der Kurstadt waren als Lazarette beschlagnahmt, in den Betten lagen Verwundete und Sterbende. Bad Schandau war zum Kreuzungspunkt geworden, in dem Lazarettzüge hielten und Militärverbände biwakierten. Hinzu kamen unzählige Trecks von Kriegsflüchtlingen aus dem Osten.

"Wie viele sind da liegen geblieben, hilflos, die nicht weiter konnten. Alte gebrechliche Menschen wurden einfach ausgeladen und ihrem Schicksal überlasse; Tote wurden eingeliefert, von deren Heimat oder Angehörigen wir niemals etwas erfahren haben." So schildert es der damaligen Bad Schandauer Pfarrer in einem späteren Brief aus dem Jahr 1953. Die Todesfälle seien so häufig gewesen, dass nicht einmal jeder Verstorbene seine eigene Grabstätte habe bekommen können.

"Wie oft habe ich als amtierender Pfarrer mit den Leichenträgern und dem Totenbettmeister allein am Grab gestanden, weil nicht einmal mehr eine auch noch so kleine Ehrenabteilung von den Soldaten gestellt werden konnte; die Gesunden waren weiter in Marsch gesetzt, und die übrigen waren in den Lazaretten so krank oder die Gehfähigen so belastet mit notwendigsten Diensten, daß niemand mehr mit zu Grabe gehen konnte."

Am Totensonntag, dem 22. November, wird die instandgesetzte Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof in Bad Schandau mit einer kleinen Zeremonie um 15 Uhr offiziell eingeweiht.

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