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Was wird aus Krippens größtem Kopf?

Vor mehr als zwei Jahren musste die Ausstellung über Friedrich Gottlob Keller in Krippen schließen. Seitdem liegen die Exponate im Depot.

Schautafel in Krippen: Friedrich Gottlob Keller, einer der Väter der modernen Papierherstellung.
Schautafel in Krippen: Friedrich Gottlob Keller, einer der Väter der modernen Papierherstellung. © Daniel Schäfer

Am 8. September jährte sich der Todestag von Friedrich Gottlob Keller zum 125. Mal. "Krippens größter Kopf" wird der Erfinder auf einer Schautafel mitten im Ort genannt. Ein steinerne Büste erinnert an Keller, die größte Straße in Krippen trägt seinen Namen. Nur die frühere Ausstellung über den Entwickler des Holzschliffs können Besucher nicht mehr sehen. 

Zum Jahresende 2017 musste das Museum Kellerhaus, das sich im Erdgeschoss des früheren Wohnhauses von Friedrich Gottlob Keller befand, schließen. Der private  Besitzer des Gebäudes wollte die Räumlichkeiten fortan selbst nutzen. Danach gab es noch kurzzeitige Sonderschauen im Heimatmuseum Sebnitz und im Stadtmuseum Bad Schandau, eine dauerhafte Bleibe haben die Exponate allerdings nicht gefunden. 

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Büste an der Friedrich-Gottlob-Keller-Straße in Krippen.
Büste an der Friedrich-Gottlob-Keller-Straße in Krippen. © Daniel Schäfer

Unter anderem zählen die originale Schlosserbank und Werkzeuge, mit denen Keller einst gearbeitet hat dazu sowie der Nachbau einer Holzschleifmaschine, an der sich Besucher selbst ausprobieren können. Mit dem von ihm entwickelten Holzschliff schuf Keller eine Grundlage für die kostengünstige Massenproduktion von Papier aus feinen Holzfasern. Bis dato wurde Papier noch aus Textillumpen gefertigt.

Die Stadt Bad Schandau hatte seinerzeit angekündigt, nach einer neuen Bleibe für die Ausstellungsstücke zu suchen und sie auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Geglückt ist das bisher nicht. Die Exponate lagern noch immer im Depot der Stadt im Nationalparkbahnhof.

Im Museum Bad Schandau ist kein Platz

Um die Exponate wieder hervorzuholen, bräuchte es geeignete Räumlichkeiten und ein gewisses Budget. Im Stadtmuseum Bad Schandau ist kein Platz mehr frei. Dort wurde erst im vergangen Jahr eine neue Ausstellung über das Klettern in der Sächsischen Schweiz eröffnet. Für einen alternativen Standort für die Keller-Ausstellung gab es zumindest schon mal eine Idee, sagt Gundula Strohbach, Geschäftsführerin der Bad Schandauer Kultur- und Tourismusgesellschaft, die auch das Museum betreibt. 

Kellers Grab auf dem Friedhof in Krippen: Einwohner haben anlässlich des 125. Todestags am 8. September einen Kranz niedergelegt.
Kellers Grab auf dem Friedhof in Krippen: Einwohner haben anlässlich des 125. Todestags am 8. September einen Kranz niedergelegt. © Daniel Schäfer

"Zuerst brauchen wir aber ein Drehbuch", erklärt Gundula Strohbach und meint damit eine Konzeption. Die Exponate könnten nicht einfach irgendwie irgendwo hingestellt werden. Eine neue Ausstellung muss wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Auch das Geld ist natürlichen ein Thema. Es gilt, ein passendes Förderprogramm zu finden.

Darum will sich Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) kümmern. Noch vor dem Jahresende sei ein Termin mit einer Expertin geplant, um einen Fördermittelantrag anzuschieben, erklärt Kunack. Idealerweise sollte die Ausstellung in Zukunft wieder direkt in Krippen zu sehen sein, ein passendes Objekt ist aber noch nicht gefunden. Einen eigenen Mitarbeiter, der die Exponate beaufsichtigt, kann die Stadt nicht finanzieren. Gleichzeitig müssen sie vor Diebstahl und Vandalismus geschützt werden. Ideal wäre eine Lösung über einen Verein.   

Vergessen ist der größte Kopf Krippens also nicht. "Das Thema Keller ist weiterhin wichtig", sagt Gundula Strohbach. Gerade die historische Entwicklung der Mühlen im Kirnitzschtal sei eng mit dem Erfinder verknüpft. Das wolle Bad Schandau auch gern den Touristen nahebringen und erklären. 

Bis es wieder einen Einblick in die Werkstatt Friedrich Gottlob Kellers gibt, können sich Interessierte an der Neumann-Mühle im Kirnitzschtal einen Eindruck davon verschaffen, wie seine Erfindung in der Praxis funktionierte. Im dortigen Technischen Denkmal ist eine Holzschleifmaschine zur Papierherstellung von 1870 bis heute als Schauanlage zu besichtigen.

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