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Bademeister dringend gesucht

Trotz der sommerlichen Temperaturen bleibt das Waldbad in Schöna über Pfingsten geschlossen. Ist das der Anfang vom Ende?

© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt. Hinter dem Zaun lockt das erfrischende Nass. Doch alles Rütteln hilft nichts. Das Waldbad in Schöna ist verschlossen. Und das, obwohl doch gerade die Saison beginnt. Braucht die Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna denn keine Einnahmen?

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„Schön wäre es, wenn das Bad was abwerfen würde“, sagt Bürgermeister Olaf Ehrlich (parteilos). Doch in den vergangenen drei Jahren waren es im Durchschnitt gerade mal eintausend zahlende Besucher, die kamen. Und zwar in der kompletten Badesaison. Bei einem Eintrittspreis von 2,50 Euro für Erwachsene sind damit nicht annähernd die Personalkosten für den Bademeister gedeckt. Dennoch will sich das die Gemeinde leisten. Viel gibt es ja sonst in der Gemeinde nicht.

Doch es gibt ein Problem. Den Bademeister-Job will niemand mehr haben. Bisher arbeitete die Gemeinde mit einer Art Leiharbeiterfirma zusammen, die einen Bademeister gestellt hat. „Doch zum einen befindet sich das Unternehmen offensichtlich in der Auflösung. Zum anderen hat der bisherige Bademeister einen anderen Job angenommen“, sagt der Bürgermeister. Deshalb musste er das Waldbad jetzt zusperren. Das Gras ist inzwischen so hoch wie die Tischtennisplatte. Die rote Kinderrutsche hat Algenbesatz. Und die auf der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter stammen noch aus dem Herbst.

Fällt die Badesaison in Schöna also zum ersten Mal seit 23 Jahren aus? Das hat bisher noch jeder Bürgermeister verhindern können. Selbst nach der Überflutung 2010 ging es weiter. Olaf Ehrlich ist der Gedanke sichtlich unangenehm, dass er es sein könnte, dem es nicht gelingen sollte, eine Badesaison zu bewerkstelligen.

Ein Verein soll helfen

„So wie sich ein Bademeister meldet, geht es los“, gibt er sich entschlossen. Es müsste dann nur das Gras gehauen, das alte Wasser abgelassen, neues aufgefüllt und von der Hygiene abgenommen werden. Dann könnte sofort gebadet werden. Das Geld für den Betrieb sei ja da. 14.000 Euro sind im Haushalt 2014 eingeplant. Auch wenn der noch lange nicht genehmigt ist.

Doch es meldet sich niemand für den Job. „Von der Arbeitsagentur haben wir sachsenweit fünf mögliche Kandidaten genannt bekommen“, sagt der Bürgermeister. Ein einziger sei aus dem Raum Leipzig angereist, um sich die Situation schildern zu lassen. „Von ihm haben wir danach aber nichts mehr gehört“, sagt Olaf Ehrlich.

Deshalb werden nun Alternativen ohne Bademeister geprüft. Ein Verein könnte beispielsweise die Anlage weiter betreiben. So wird es im Hohnsteiner Ortsteil Goßdorf gemacht. Anfang des Jahrhunderts stand die Kommune vor dem gleichen Problem wie jetzt Reinhardtsdorf-Schöna. In Goßdorf gründete sich schließlich ein Badverein, der das Freibad dort in seine Obhut genommen hat und seither pflegt. Mitarbeiter gibt es nicht mehr und Eintritt wird auch nicht erhoben. „Das funktioniert aber nur, wenn der Großteil des Ortes hinter der Idee steht und es mindestens eine Handvoll Leute gibt, die mit anpacken“, sagt Jochen Hausdorf, der Schatzmeister im Badverein Goßdorf. Große Schätze hat er nicht zu verwalten. Der Vereinsbeitrag beläuft sich auf zwölf Euro im Jahr. Zudem gibt es ein paar Sponsoren, die Werbeschilder im Badgelände aufgestellt haben. 110 Mitglieder zählt der Verein in Goßdorf. „Manche davon zahlen auch nur, weil sie es schade finden würden, wenn das Bad verschwinden würde“, sagt Jochen Hausdorf. Wenn die Reinhardtsdorfer ihn fragen würden, würde er gern erklären, wie es funktionieren könnte.

Das will Bürgermeister Olaf Ehrlich gern tun. Er hat auch schon eine Idee, welcher Verein das Bad übernehmen könnte – ein Bikerclub aus Bischofswerda. Seit 2005 sind die Motorradfahrer in Schöna Stammgäste und mieten das Bad für ein komplettes Wochenende. In dem Klub sind auch einige Reinhardtsdorfer Mitglied. „Das war schon vor zwei Jahren mal Thema. Weil wir aber wieder einen Bademeister gefunden haben, ist das aus dem Blickfeld geraden“, sagt Olaf Ehrlich. Es mussten zuvor nur die rechtlichen Fragen geklärt werden.

Da sei nicht viel zu regeln, meint Jochen Hausdorf vom Badverein Goßdorf. Man habe eine Haftpflichtversicherung, das Wasser werde regelmäßig von der Hygiene überprüft und der Spielplatz muss vom TÜV abgenommen werden. Die Schilder „Baden auf eigene Gefahr“ dürften natürlich auch nicht fehlen. „Das ist alles machbar“, sagt Hausdorf, man brauche nur engagierte Mitstreiter. Goßdorf stehe jedenfalls hinter dem Projekt.

In Schöna ist man noch hoffnungsvoll, dass der Bürgermeister in einem Unrecht hat. Denn einer seiner Standardsätze ist: Was einmal weg ist, kommt nie wieder.