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Baden hinterm Bauzaun

Der Strand am Brettmühlenteich ist nach wie vor öffentliche Badestelle. Doch sonst ist hier nicht viel – außer Ruhe und Grün.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia und Manfred Müller

Zschorna. Brigitte Schmiedel und Gudrun Ruhl aus Radeburg laufen mit Enkeltochter Leonie aus Radebeul den kurzen Weg zum Strand. Die beiden älteren Damen kommen gern nach Zschorna – auch mit Ferienkind. „Im Stausee Radeburg baden wir nicht, da ist uns das Wasser zu schmutzig“, sagen die Frauen. Der Brettmühlenteich ist ihnen lieber. „Hier gibt es einen schönen Spielplatz und der Strand wird saubergehalten“, so die beiden Frauen.

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Naturnah und ruhig ist es im früheren Naherholungszentrum Zschorna.
Naturnah und ruhig ist es im früheren Naherholungszentrum Zschorna. © Kathrin Krüger-Mlaouhia
„Wieder geöffnet“ im Café Entenfang wäre schön, wie dieses Schild vermuten lässt. Doch das lauschig am See gelegene Bistro ist leider noch geschlossen.
„Wieder geöffnet“ im Café Entenfang wäre schön, wie dieses Schild vermuten lässt. Doch das lauschig am See gelegene Bistro ist leider noch geschlossen. © Kathrin Krüger-Mlaouhia
Außer Betrieb ist auch die Gaststätte. Selbstverpflegung ist am Strand angesagt.
Außer Betrieb ist auch die Gaststätte. Selbstverpflegung ist am Strand angesagt. © Kathrin Krüger-Mlaouhia
Dieses Schild ist kein Scherz. Die Parkgebühren sind tatsächlich fällig. Nur Eintritt zahlt man hier nicht.
Dieses Schild ist kein Scherz. Die Parkgebühren sind tatsächlich fällig. Nur Eintritt zahlt man hier nicht. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Tatsächlich wird der Brettmühlenteich von einem Mitarbeiter bewirtschaftet, der aber nicht mehr bei der Gemeinde Thiendorf angestellt ist. Die will bekanntlich den Campingplatz verkaufen. Die Verhandlungen laufen mit Michael Welde, dem Chef des Pizzalieferservices „Freddy fresh“ aus Kleinnaundorf. Die Einnahmen aus dem Parkautomaten gehen auch schon an den neuen Betreiber, heißt es in der Gemeinde. Auch die beiden Radeburger Frauen haben bezahlt: „Eine Stunde 50 Cent – das kann man sich leisten“, sagen sie. Dafür ist das Empfangshäuschen unbesetzt, Eintritt wird in diesem Jahr nicht verlangt. Dafür hängt im Fenster eine Werbung für einen Campingplatz in Rabenau.

„Es ist so schön wie in der Kindheit“

Die Dauercamper mussten im Frühjahr den Platz räumen. Nur wenige Bretterbauten im hinteren Teil stehen noch. Das meiste der Hinterlassenschaften ist beräumt. Allerdings steht noch ein großer Container mit Sperrmüll und Holzpaletten am Weg zum Strand. Die Badegäste gehen vorbei, ohne davon groß Notiz zu nehmen. Auch der Bauzaun, der den ehemaligen Campingbereich vom Strand trennt, stört offenkundig nicht. Er steht ja hinterm Strandbereich.

Nötig ist er trotzdem. Denn bei schönem Wetter kommen viele Familien mit ihren Sprösslingen zum Baden. „Eltern haften für ihre Kinder“ steht auf dem Schild am Zaun. Es wäre gerade für die Kleineren gefährlich, auf dem ehemaligen Campingplatz herumzutoben. Denn sehr viel Windbruch der vergangenen Stürme liegt hier noch herum, das Gelände ist einigermaßen unübersichtlich. Selbst der Zugang zum Sanitärgebäude – das neben der ehemaligen Gaststätte, der früheren Kaufhalle und einem Bauhofgebäude der Gemeinde noch steht – ist versperrt. Deshalb wurden zwei Dixiklos für die Badegäste am Strand aufgestellt. Auch das Umkleidehäuschen ist noch da. Doch die Freiluftduschen funktionieren nicht mehr.

Familie Kauer/Hübner aus Radebeul lässt sich davon nicht den Spaß an der Erholung verderben. „Es ist so ruhig und natürlich hier, ich fühle mich wie in meiner Kindheit“, sagt Frau Kauer. Sie stammt aus der Schweiz vom Zürichsee, der Vergleich mit dem kleinen Zschorna ist beachtlich. Die vielen Bäume und dass das Wasser natürlich nicht gechlort ist, imponieren ihr. In den Radebeuler Bädern gibt es für die Familie mit Sohn Paul zuviel Gewusel. Mit Verpflegung und Lektüre genießen sie den herrlichen Sonnentag im Grünen.

Schade finden sie freilich, dass die Rutsche abgesperrt ist. Nicht nur wegen eines geringen Wasserstandes, sondern auch aus Sicherheitsgründen, wie aus der Gemeinde Thiendorf zu hören ist. Auch das Bootfahren ist leider nicht mehr möglich – es sei denn, man hat sein eigenes dabei. Selbst am Abend kommen noch Badegäste, um sich im Wasser zu erfrischen. Auch Urlauber vom Bungalowbereich nebenan gehen am Strand mit seinem gut abgeteilten Nichtschwimmerbereich zum Baden.

Bebauungsplan wird aufgestellt

Zum Jahresende hatten die Thiendorfer Räte beschlossen, für die Zukunft des kommunalen Grundstücks Verhandlungen mit Unternehmer Michael Welde aufzunehmen. Ursprünglich gab es fünf Kauf-Interessenten. Sein Umbau- und Betreiberkonzept sieht vor, die Zahl der Caravan-Langzeitstellplätze von ehemals 250 auf 50 zu verringern. Hinzu kommen noch einmal 50 Stellplätze für Touristencamper, in der Regel Tages- oder Wochenendgäste. Um die Auslastung außerhalb der Ferienzeiten zu verbessern, setzt Welde auf ein neues Nutzerpotenzial – Schulklassen und Firmenbelegschaften.

Für diese sollen 36 Ferienhütten mit je sechs Schlafplätzen errichtet werden. Außerdem plant der Investor sechs 50 Quadratmeter große Ferienhäuser mit gehobener Ausstattung. Hier könnten sich Unternehmen einmieten und gemeinsam aktiv sein. Wie Michael Welde seine baulichen Pläne im Detail umsetzen kann, wird allerdings von einem Bebauungsplan abhängen, den die Gemeinde gerade aufstellt und auch genehmigt bekommen muss. Die Privatsphäre der Campinggäste soll durch ausreichende Abstände zwischen Stellplätzen und Hütten gewahrt werden. Zudem ist die Neuanpflanzung von Bäumen und Sträuchern geplant.

Das Konzept sieht auch vor, den Platz – bis auf die An- und Abfahrt der Campingfahrzeuge – komplett autofrei zu halten. Der Badestrand am Brettmühlenteich soll weiter öffentlich zugänglich bleiben. Auch in Bezug auf die Infrastruktur soll sich einiges zum Besseren wenden. Durch das aufgelockerte Flächen-Management werden schon einmal die Brandschutzbestimmungen eingehalten, deren jahrelange Missachtung letztlich zur Schließung des alten Campingplatzes geführt hatten. Die marode Elektrik auf dem Areal soll komplett neu verlegt werden. Außerdem plant Michael Welde neue Sanitäreinrichtungen – am besten dezentral. Und den Anschluss ans zentrale Abwassernetz. Die gastronomische Versorgung soll über ein Pizza/Pasta/Burger-Konzept gesichert werden. Der „Entenfang“ wird dafür reaktiviert.